| Montag, 08. September 2008 |
Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind Einrichtungen für eine fachübergreifende Zusammenarbeit. Die Idee der MVZ ist die einer koordinierten Behandlung aus einer Hand. Ärzte und Ärztinnen können unter einem Dach zusammen arbeiten.
Auch Apotheken und Physiotherapeuten können mit einem MVZ kooperieren. So werden Synergieeffekte genutzt und kurze Wege für die Patientinnen und Patienten möglich.
Keine Doppeluntersuchungen mehr
Weil sich die Ärzte untereinander bei der Behandlung von Patienten abstimmen, werden Doppeluntersuchungen vermieden. Und: Von verschiedenen Ärzten verschriebene Arzneimittel sind besser aufeinander abgestimmt. Das bringt viele Vorteile mit sich. So können die Kosten der medizinischen Versorgung sinken. Laborwerte werden zum Beispiel meist nur einmal erhoben, Röntgenaufnahmen nur einmal gemacht.
Ein weiterer Vorteil ist, dass sich Kollegen aus unterschiedlichen Fachrichtungen bei der Begutachtung von Patientinnen und Patienten austauschen können. Das macht die medizinische Versorgung insgesamt besser.
Aber auch die Organisationsstruktur der Arztpraxen lässt sich effektiver und patientenfreundlicher gestalten. Das medizinische Personal hat mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten. So kann zum Beispiel eine leitende Arzthelferin oder ein Arzthelfer den Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ganzen Haus koordinieren. Dadurch kann das Vertrauen der Patientinnen und Patienten wachsen, sie profitieren darüber hinaus von kurzen Wartezeiten.
Weniger Verwaltungsaufgaben - mehr Zeit für die Patienten
In Medizinischen Versorgungszentren werden Verwaltungsaufgaben vom Träger der Einrichtung koordiniert. Eine Geschäftsleitung übernimmt mit einem Team die betriebswirtschaftlichen Belange für alle Ärztinnen und Ärzte im MVZ. Dadurch wird das unternehmerische Risiko gesenkt - ein Vorteil, den vor allem jüngere Medizinerinnen und Mediziner zu schätzen wissen.
Denn in einem MVZ entfällt das finanzielle Risiko einer Praxisneugründung. Auch flexiblere Arbeitszeiten sind möglich. Das ist attraktiv vor allem für diejenigen, die nach einer Familiengründung wieder zurück ins Berufsleben wollen. Denn die meisten Ärztinnen und Ärzte in einem MVZ arbeiten als Angestellte.
Vom Osten lernen
Die Idee der koordinierten Versorgung hat eine lange Geschichte. Die historischen Vorläufer der Medizinischen Versorgungszentren, die Polikliniken, gehen auf den Arzt Christoph Wilhelm Hufeland aus dem 18. Jahrhundert zurück. In der ehemaligen DDR gehörten Poliklinik und Ambulatorium zum medizinischen Standard. In den Polikliniken praktizierten mehrere angestellte Ärztinnen und Ärzte fachübergreifend unter einem Dach. 1989 gab es noch rund 1.650 Polikliniken und Ambulatorien.
Seit der Gesundheitsreform 2004 können MVZ nun auch in den alten Bundesländern gegründet werden. Die früheren Polikliniken wurden zwar nach der Wiedervereinigung von dem im Westen etablierten Modell des niedergelassenen Arztes verdrängt. Nur wenige Polikliniken, vor allem in Berlin und Brandenburg, existierten unter dem Namen Gesundheitszentren weiter.
Letztlich gaben diese Institutionen aber den notwendigen Anstoß für die Politik, die Versorgungsform auch in Westdeutschland zu fördern und so deren Vorteile zu nutzen. Seit 2004 können neben Vertragsärzten und ermächtigten Ärzten auch Medizinische Versorgungszentren an der ambulanten Versorgung der gesetzlichen Krankenversicherung teilnehmen. Jetzt profitieren Patientinnen und Patienten in Ost und West von den Vorzügen einer medizinischen Versorgung unter einem Dach.
Hohe Resonanz
Medizinische Versorgungszentren sind für das gesamte Gesundheitssystem Ressourcen schonend. Teure medizinische Geräte wie Röntgenapparate werden vernünftig ausgelastet, Doppelaufnahmen vermieden. Durch die enge Zusammenarbeit werden nicht nur die Behandlungsabläufe für Patientinnen und Patienten verbessert, sondern auch ganz konkret Einsparungen erzielt. Damit ist das Zusammenspiel verschiedener medizinischer Leistungserbringer ein Modell der Zukunft und wegweisend für die ambulante Versorgung.
Die Resonanz auf die Medizinischen Versorgungszentren ist positiv. Seit In-Kraft-Treten der Gesundheitsreform 2004 wurden Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zufolge rund 420 MVZ rechtskräftig zugelassen (Stand 31. März 2006). Weitere Anträge auf Zulassung liegen vor. Auf Grund der hohen Nachfrage ist damit zu rechnen, dass die Zahl der MVZ in den kommenden Monaten weiter steigen wird.