Sonntag, 12. Oktober 2008
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Themen-History ist ausgeschaltet: Gesundheitswesen stärker aus Steuern finanzieren
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Michael Sommer Kommentar Michael Sommer, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, zur Gesundheitsreform in einem Interview:



Die Große Koalition diskutiert über eine Steuerfinanzierung in zweistelliger Milliardenhöhe. Ist die Belastungsgrenze der Bürger nicht erreicht?



Antwort:

Erstens: Man soll sich nicht von Nebelkerzen blenden lassen. Zweitens: Zweistellige Milliardenbeträge können die Arbeitnehmer nicht aufbringen. Wir fordern eine dritte Säule der Finanzierung, indem auch für Kapitaleinkünfte Beiträge erhoben werden. Auch soll die Einführung der Kopfpauschale vorbereitet werden. Sie könnte bis zu 40 Euro zusätzlich im Monat betragen. Damit würden die Geringverdiener in jedem Fall überfordert. Diesen Einstieg in eine Kopfpauschale lehnen wir ab.

Und: Die Arbeitgeber dürfen auf keinen Fall aus der solidarischen Finanzierung entlassen werden. Darüber hinaus fordern wir einen dauerhaften Solidarbeitrag der Privatversicherung.



Das gesamte Interview ist zu finden unter: http://www.dgb.de/dgb/gbv/beitraege/sommer_240606.pdf
Kurt Stenger Es kann eine gute Idee sein, das Gesundheitswesen stärker aus Steuern zu finanzieren. Dies zeigt das Beispiel Schwedens. Dort sind sich Bürger und Regierung einig, dass der Sozialstaat ein hohes Leistungsniveau braucht und von allen getragen werden muss. Der neue Vorstoß der großen Koalition verfolgt aber ein ganz anderes Ziel.



Ihr geht es darum, die Unternehmen auf Teufel komm raus bei den Lohnnebenkosten zu entlasten und Teile der Krankenkassenbeiträge dem einfachen Steuerzahler überzuhelfen. Und das zu einem Zeitpunkt, wo sich die Unternehmen auch noch auf neue Steuergeschenke freuen können. Dies führt die Gesundheitspläne ab absurdum. Woher die genannten zweistelligen Milliardensummen kommen sollen, bleibt nebulös.



Nach den Erfahrungen der letzten Jahre bleiben die Optionen:



Abbau anderer Sozialleistungen, weitere Erhöhung der Mehrwertsteuer, oder aber der steuerfinanzierte Teil des Gesundheitssystems wird zum Spielball der Haushälter. Je nach Kassenlage wird daran herumgekürzt, und am Ende steht eine private Zusatzversicherung, mit denen Eltern die Gesundheit ihrer Kinder aus eigener Tasche bezahlen sollen.



Die Koalition weigert sich beharrlich, die entscheidende Frage zu stellen: Wie kann ein Gesundheitssystem auf hohem Niveau und ohne Selbstbedienung mächtiger Lobbygruppen langfristig finanziert werden? Mindestens so lange bleibt der Steuer-Vorschlag eine richtig schlechte Idee.



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