Samstag, 22. November 2008
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Kritik an Stiftung Warentest

07.10.2005 Quelle: pressetext.austria   

Foto: PhotoCase.deDie Ergebnisse des jüngst vorgestellten Buches zum Thema "Die Andere Medizin" der "Stiftung Warentest" stoßen auf Widerspruch auch von wissenschaftlicher Seite: Gustav Dobos vom Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin an der Universität Duisburg-Essen kritisiert das Buch [...]

[...] als nicht sorgfältig genug recherchiert. Die Autoren haben einige der wissenschaftlichen Studien nicht erwähnt, erklärte der Mediziner.

In dem Buch werden zwei Drittel der getesteten 50 Verfahren durch einen Methodik-Experten als zur Therapie nicht geeignet eingestuft. "Der Mangel an ausreichenden randomisiert-kontrollierten Studien (RCT) mit positiven Ergebnissen führte aktuell zu dieser nachteiligen Bewertung. Ähnlich wäre die Situation allerdings auch in der Chirurgie, zu der es kaum RCTs gibt", merkt Dobos an. Auch die Pädiatrie könne teilweise ebenfalls nur wenig kontrollierte Medikamentenstudien vorweisen. "Daher müsste nach den Kriterien der Stiftung -Warentest auch diese Bereiche als 'nicht geeignet' eingestuft werden", so Dobos. Dies wäre allerdings völlig absurd.

In der 54 Betten Klinik für integrative Medizin am Lehrstuhl in Essen werden neben der Schulmedizin verschiedene komplementärwissenschaftliche Heilmethoden angewendet: Dazu gehören beispielsweise Fastentherapien bei Rheuma, Blutegeltherapie bei Kniegelenksarthrosen, Akupunktur bei Schmerzen, Qi-Gong bei Schwindel und Tuina bei Rückenschmerzen nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Dobos betont im pressetext-Interview, dass nur Verfahren angewendet werden, von denen hinreichend wissenschaftliche Studien oder eine hohe Plausibilität vorliegen. "So ist etwa Akupunktur bei Kniegelenk- und Rückenschmerzen nach einer randomisierten Studie konventionellen Methoden überlegen", erklärt der Experte.

"Trotz des großen Interesses der Bevölkerung, das durch aktuelle Erhebungen erneut bestätigt wird, ist die Forschungs-Präsenz naturheilkundlicher Verfahren in der wissenschaftlichen Forschung weltweit gering und noch sehr jung", begründet Dobos das Defizit. Begonnen wurde es erst vor acht Jahren mit der Etablierung des National Centers for Complementary and Alternative Medicine am US-National Institute of Health. "Dieses Institut vergibt mittlerweile jährlich staatliche Forschungsgelder in Höhe von immerhin 140 Mio. Dollar", berichtet Dobos. Deutschland hinke in der Entwicklung der Wissenschaftspräsenz naturheilkundlicher Verfahren noch hinterher. "Aktuell fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) kein einziges Projekt im Bereich Naturheilkunde. Das muss sich künftig ändern."

Nach einer Anfang September veröffentlichten Studie des Instituts für Demoskopie in Allensbach, erfreut sich die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in Deutschland zunehmender Beliebtheit. "Knapp zwei Drittel der Gesamtbevölkerung würden eine kombinierte Therapie aus konventionell bewährter Medizin, landläufig Schulmedizin genannt, und Verfahren aus dem Bereich der TCM im Krankheitsfall bevorzugen. Nur 18 Prozent der Befragten zogen eine rein schulmedizinische Therapie vor", erklärt Dobos. Noch deutlicher fielen die Präferenzen bei Personen aus, die bereits mit Verfahren der TCM behandelt wurden: Von ihnen entschieden sich 89 Prozent für eine "integrative" Medizin, also der Kombination aus Schulmedizin und Chinesischer Medizin.


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