| Sonntag, 20. Juli 2008 |
Medizin/Pharma
Trends in der Gesundheitswirtschaft - Experteninterview Der Bremer Pharmakologe Prof. Dr. med. Peter Schönhöfer, ehemaliger Abteilungsleiter des Bundesamtes für Arzneimittelsicherheit und Leiter des Klinischen Institutes für Pharmakologie in Bremen, ist ein ausgewiesener Kenner des bundesdeutschen Gesundheitswesens, insbesondere wenn es um Fragestellungen pharmazeutischer Präparate geht.

Insbesondere bekannt wurde der in diesem Jahr 70 Jahre alt gewordene Forscher und engagierter Bürger durch seine Funktion als Mitherausgeber des arzei-telegramm, der Zeitschrift die als von der pharmazeutischen Industrie unabhängige Pflichtlektüre des praktizierenden Arztes anzusehen ist. Das pointiert geführte Interview muss nicht ohne Widerspruch bleiben.
Alle Leser die eine andere Meinung haben oder einen eigenen Beitrag zum Thema leisten wollen, können diesen gerne an info@gesundheitswirtschaft.info senden.
Diesen Beitrag diskutieren... (0 Beiträge)George: Sie übersehen eine ganze Epoche der Entwicklung des Gesundheitswesens. In welchen wichtigen Bereichen haben sich Ihrer Einschätzung nach, die größten Fortschritte ergeben?
Schönhöfer: Seit dem Ende der 60er Jahre hat es zahlreiche Fortschritte in der Behandlung von Erkrankungen gegeben, von denen Patienten profitieren, zum Beispiel:
George: Wie würden Sie diese Auswirkungen auf die Patienten beschreiben?
Schönhöfer: Es ergeben sich für die Patienten Verbesserungen der Behandlungsmöglichkeiten bei Erkrankungen im Sinne von Lebensverlängerung, Lebensqualität und sogar Heilung.
Bei diesen Fortschritten spielen aber Forschungen der Pharmaindustrie und neue Arzneimittel nicht die entscheidende Rolle, die ihnen die vollmundigen Behauptungen der Pharmawerbung zuschreiben, denn die Pharmaindustrie strebt heute nicht mehr primär nach innovativen Behandlungsstrategien, sondern nach Profit.
Entwickelt werden aber fast nur noch Produkte für „Volkskrankheiten“ in den reichen Ländern der ersten Welt, die einen hohen Preis zahlen können. Dabei dominieren Scheininnovationen, und falls gewinnbringende Krankheiten für diese Mittel fehlen, Erkrankungen erfunden wie z. B. die Hormonersatztherapie bei postmenopausalen Frauen (Disease Mongering).
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