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Die Non-Compliance bei Arzneimittel, d. h. die falsche Anwendung von Medikamenten, hat epidemische Ausmaße erreicht. Eine Schätzung der WHO aus dem Jahr 2003 ergab, dass sich lediglich die Hälfte der Patienten an die Anweisungen von Arzt, Apotheker und Beipackzettel hält.
Wer aber auf seine Medikamente vergisst oder sie in zu großen oder kleinen Dosen zu sich nimmt, gefährdet nicht nur den Therapieerfolg und schlimmstenfalls sein Leben, sondern verursacht auch enorme Folgekosten. „Die finanzielle Belastung, die durch Medikamenten-Non-Compliance entsteht, wird doppelt so hoch eingeschätzt, wie jene durch Rauchen“, berichtet Peter Stephens von dem auf den Gesundheitsbereich spezialisierten Consultingunternehmen IMS Health bei einem Workshop, der speziell zum Thema Compliance beim European Health Forum Gastein, der wichtigsten europäischen Fachveranstaltung zur Gesundheitspolitik, abgehalten wurde.
Diese Ausgaben könnten durch eine gezielte Kontrolle wesentlich gesenkt werden. Gerade bei chronisch Kranken oder Patienten mit komplexerer Medikation wäre eine bessere Überwachung sinnvoll und ein großes Sparpotential. Einige Beispiele aus dem WHO-Bericht:
Eine Diabetesbehandlung könnte um 25 Prozent billiger kommen, wenn die Medikamenteinnahme kontrolliert würde.
Wenn Beta-Blocker gegen Bluthochdruck falsch eingenommen werden, kommt es 4,5-mal so häufig zu Komplikationen.
Durch eine optimale Asthma-Kontrolle könnten 45 Prozent der Gesamtkosten eingespart werden.
Angesichts knapper Gesundheitsressourcen in allen europäischen Staaten fordert die PGEU (Pharmaceutical Group of the European Union), mit einem patientenorientierten Ansatz auf diese Misere zu reagieren. Die Organisation, die nationale Apothekerverbände aus 29 europäischen Länder vertritt, hat selbst zwischen 1990 und 2002 70 Studien in verschiedenen Staaten, durchgeführt, die zeigten, dass eine kompetente Beratung und Betreuung von Patienten sehr dienlich sein können, um sie zu einer korrekten Einnahme von Arzneien zu bewegen.
„Die Kooperation seitens der Vertreter der Gesundheitsberufe ist zwar wesentlich für den Erfolg. Sie ist aber nur ein Baustein“, meint Mel Read, Präsident der Europäischen Gebärmutterhalskrebs-Gesellschaft. Weitere Forschung wäre dringend nötig, etwa um besser zu verstehen, warum Patienten Medikamente frühzeitig absetzen, oder um chronisch Kranken eine Selbstkontrolle bei der Medikation zu erleichtern. Es sei, so Read, überfällig, dass „die nationale und europäische Gesundheitspolitik das Problem der Non-Compliance endlich zu ihrem Thema macht“.
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