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Alle reden von Arbeitslosigkeit. Die Politik wird nahezu allein daran gemessen, ob sie diesem Problem begegnet. Noch immer wird die Debatte so geführt, als ob Deutschland die Arbeit ausgeht, das Problem also der Mangel an Arbeitsplatzangeboten sei. Das ist so nicht richtig.
Nicht nur bei den katholischen Pfarrstellen verwaisen immer mehr Arbeitsplätze. Trotz des signifikanten Priestermangels gibt es nicht die geringsten Zeichen, dass die Zahl der Theologiestudenten steigt. Aber nicht nur hier, auch im Gesundheitsbereich fehlt es an Nachwuchs. Es gibt Mangel an Ärzten und das bereits heute, d. h. bevor durch Alterung großer Gruppen (der Kinder des Nachkriegsbabybooms nämlich) der Bedarf an Ärzten und Pflegepersonal steil zunimmt. Und nirgendwo zeigt sich, dass diesem künftig kräftig steigenden Bedarf durch entsprechende Studien- bzw. Ausbildungswahl entsprochen wird. Der dramatische Mangel an Personal ist mit Händen zu greifen.
Wieso einerseits das Wehklagen über Arbeitsplatzmangel und andererseits das Fehlen entsprechender Orientierungen bei jungen Leuten? Vieles spricht dafür, dass gesellschaftliche Wertschätzung und ökonomische Anreize für solche Tätigkeiten die künftigen Knappheiten nicht widerspiegeln. Das liegt an vielem. Zentral dürfte indes sein, dass der Gesundheitssektor durch Rationierung und staatliche Steuerung in seiner Entwicklung stark behindert ist; aber auch die z. T. zünftische Organisation steht einer unternehmerischen Sichtweise im Wege.
Die Anbindung der Krankenversicherung an den Arbeitsvertrag mit der Wirkung, die Lohnnebenkosten zu erhöhen, steht der sachgerechten Expansion ebenso im Wege, wie der Mangel an Wettbewerb zwischen Krankenhäusern, Ärzten und Krankenkassen die Effizienz- und Leistungssteigerung behindert. Staatliche Deckelung und Preislenkung behindern zudem den forschungsintensiven Bereich der Pharmazie und Medizintechnik, welche derzeit (noch) Paradebereiche der deutschen Wirtschaft sind.
Deutschland altert mit Japan zeitlich vor dem Rest der Welt. Würden wir die eigenen Gesundheitsbedürfnisse unserer (alternden) Bevölkerung optimal bedienen, wären wir Pioniere auf diesem Feld und könnten unsere Antworten auf diese Herausforderung als Geschäftsmodelle in andere Länder ausrollen. Also bekämen wir eine doppelte Dividende einer solchen Strukturänderung.
Und was tut das Land? Es hält an seinem Modell staatlicher Rundum-Daseinsvorsorge entschlossen fest. Die Neigung dafür, unsere führenden Politiker haftbar zu machen, ist nicht nur bei mir sehr groß. Indes ist die Schuldzuweisung unsachgemäß. Denn diese Haltung entspricht dem Wählerwillen. Dass Frau Ulla Schmidt das Ressort weiter führt, dass Herr Horst Seehofer diesem Kabinett auch angehört, wird Eigenverantwortung und wettbewerbliche Organisation nicht fördern, entspricht aber der Kritik an der Agenda 2010 und der Forderung nach sozialer Wärme bei den Wählern der christlichen Parteien.
Darf der Ökonom und engagierte Katholik Norbert Walter die Kritik äußern, dass diese Absicht der Wähler und der Politik das Nest warm zu halten, dem Wunsch nach einer besseren Zukunft und mehr Arbeitsplätzen diametral entgegensteht? Wie so oft ist gut gemeinte Politik genau das Gegenteil von guter Politik. Da wir die Politik so rasch nicht ändern, appelliere ich an junge Menschen, an ihre Eltern und Unternehmen heute entschlossen damit zu beginnen, jene, die eine Neigung oder gar Berufung empfinden im Gesundheitsbereich tätig zu werden, darin von ganzem Herzen und notfalls mit eigenen (Finanz)-Mitteln zu unterstützen. Es lohnt. Für alle!
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