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Der vorhergesagte Kostenanstieg im Arzneimittelbereich der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von 20 Prozent ist zwar nicht eingetreten. Der Durchschnitt liegt bei knapp 17 Prozent und kann damit sogar Einfluss auf die Beitragssatzentwicklung nehmen.
Verantwortlich für den Zuwachs der Arzneimittelkosten sind vor allem die Rabattabsenkung bei Herstellern und Apotheken, sowie die Verordnung von unnötig teuren Medikamenten und Großpackungen.
Die Herstellerrabattabsenkung von 16 auf 6 Prozent und der veränderte Apothekenrabatt kostete die GEK im Jahr 2005 über 21 Millionen Euro. Die Rezeptmenge stieg pro Mitglied um vier Prozent und der Umsatzanteil neuer, im Schnitt etwa doppelt so teurer Arzneimittel gegenüber herkömmlichen nahm um acht Prozent zu.
Unnötige Ausgaben verursacht der Trend zu Großpackungen. So spart der Versicherte zwar zweimal zehn Euro, wenn er sich statt dreimal acht Ampullen einmal 24 Ampullen eines Arzneimittels verschreiben lässt. Benötigt oder nutzt er aber dieses Quantum nicht, entsteht beträchtlicher Schaden - zumal bei Arzneimitteln, die bis zu 5.000 Euro kosten können.
Professor Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen weist auf ein weitres Effizienzproblem in der Arzneimittelversorgung hin: "Die häufig und massiv beworbenen, zumeist teuren Analogpräparate ohne therapeutischen Zusatznutzen sind in unserem Pharmamarkt nicht nur eine 'Plage' für die Kassen, sondern auch ein 'Falle' für die Ärzte." Jeder Euro im System könne nur einmal ausgegeben werden. Deshalb hätten Arzneimittelkosten letztlich auch Auswirkungen auf das Honorarvolumen der Vertragsärztinnen und -ärzte, ergänzte der Arzneimittelexperte vom Bremer Zentrum für Public Health und Pflegeforschung (IPP). Und er fordert endlich eine wirksame industrieunabhängige Information für die Ärztinnen und Ärzte.
Den massiven Einfluss der Pharma-Industrie auf das Verschreibungsverhalten in den Praxen beklagt auch Peter Einhell, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayerns: "Neun von zehn wissenschaftliche Studien werden durch die Pharmaindustrie finanziert und dienen oft nur als Marketinginstrument." Einhell weist darauf hin, dass billige bis kostenlose Abgaben von Medikamenten an Krankenhausapotheken teure Folgekosten im ambulanten Bereich auslösen. Einhell plädiert für eine pharmaunabhängige Arzneimittel-Software für die Ärzte und fordert eine objektivere Information der Ärzte durch Kassen und KV: "Pharmavertretern muss der Besuch in Arztpraxen verboten werden."
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