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Bis zu 3,3 Millionen gut qualifizierte Frauen, die bisher nicht oder nur Teilzeit erwerbstätig sind, könnten langfristig in Deutschland ihren Beruf Vollzeit ausüben und dadurch gleichzeitig viele Dienstleistungsjobs in Privathaushalten schaffen.
Dies ist das Ergebnis der von der Robert-Bosch-Stiftung vorgelegten Studie Unternehmen Familie. Dafür müsste es Familien wesentlich leichter gemacht werden, Haushalts- und Betreuungshilfen zu beschäftigen. Vor allem gut qualifizierte Mütter sind durch fehlende oder zu teure Kinder- und Haushaltsbetreuung dazu gezwungen, ihre Karriere aufzugeben.
Eine kluge Subventionierung von haushaltsnahen Dienstleistungen könnte langfristig nicht nur einen drohenden Fachkräftemangel in Deutschland mildern, der entstehen wird, wenn vermehrt gut ausgebildete, geburtenstarke Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Sie könnte gleichzeitig zu mehr Familienfreundlichkeit und höheren Kinderzahlen beitragen.
Die von der Unternehmensberatung Roland Berger im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung durchführte Studie verweist damit auf die gleichen Ursachen für den deutsche Kindermangel wie das Berlin-Institut in seiner Untersuchung Emanzipation oder Kindergeld:
Fehlende und unflexible Kinderbetreuung, falsche Anreize des deutschen Steuerrechts und eine unzureichende Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt sind dafür verantwortlich, dass sich Frauen hierzulande oft zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen. Infolge dessen liegen sowohl die Geburtenrate als auch die Erwerbsbeteiligung von Frauen deutlich niedriger als in vielen westeuropäischen Ländern.
Befragungen zeigen, dass in den alten Bundesländern bei 77 Prozent aller Paare mit Kindern unter drei Jahren allein der Mann erwerbstätig ist. Wirklich gewünscht wird eine solche Ernährer-Hausfrau-Familie allerdings nur von 14 Prozent dieser Paare. (Rürup/Gruescu 2005)
Was fehlt, sind Hilfen bei der Kinderbetreuung und im Haushalt. Sie sind hierzulande schwer zu beschaffen und so teuer, dass es für Mütter wirtschaftlich oft unsinnig wäre, arbeiten zu gehen. Der organisatorische und finanzielle Aufwand für die Betreuung von Kindern und Haushalt ist größer als das zusätzliche Einkommen.
Die Berechnungen für die Studie Unternehmen Familie zeigen, dass sich dieses Verhältnis umkehren würde, wenn Dienstleistungen im Haushalt unbegrenzt steuerlich absetzbar wären und wenn gleichzeitig die Sozialabgaben auf diese Tätigkeiten halbiert würden.
Eltern hätten es dann leichter, Familie und Beruf zu vereinbaren. Dann nämlich würde sich eine Vollzeiterwerbstätigkeit für all jene Mütter lohnen, die aufgrund ihrer Qualifikation mehr als 99,50 Euro (brutto) pro Tag verdienen könnten. Bereits heute sind das etwa 30 Prozent aller nicht, oder nicht Vollzeit erwerbstätigen Frauen.
Geht man langfristig davon aus, dass Frauen immer seltener schlechter bezahlte Berufe ergreifen, könnten über einen Zeitraum von 40 Jahren 3,3 Millionen gut qualifizierte Frauen zusätzlich ihren Beruf ausüben. Gleichzeitig entstünde ein erheblicher Bedarf an Dienstleistungen in Privathaushalten. Und diese Jobs böten wiederum Chancen für geringer qualifizierte Menschen, die heute überproportional unter Arbeitslosigkeit leiden.
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt würde jährlich um 0,21 Prozent stärker wachsen als ohne diese zusätzlichen Erwerbstätigen das wäre fast ein Fünftel des realen Wirtschaftswachstums im Jahr 2005.
Quelle: Robert Bosch Stiftung (2006): Unternehmen Familie. Studie von Roland Berger Strategy Consultants im Auftrag der Robert Bosch Stiftung:
www.bosch-stiftung.de/download/Prognos_Berger_Unternehmen_Familie_Studie.pdf
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