| Samstag, 22. November 2008 |
Gesundheit
Vakuumsversiegelungstherapie: Noch keine guten Belege für den Nutzen Ebenfalls nicht eindeutig interpretierbar sind die Ergebnisse zu Folgekomplikationen wie etwa Amputationen und dem erneuten Auftreten von Wunden einschließlich Wundrezidiven. Wenig aussagekräftig sind die Ergebnisse hier auch deshalb, weil die Patienten in keiner Studie länger als ein Jahr nach Abschluss der Behandlung weiter beobachtet wurden. In den meisten Fällen lagen die Zeitintervalle sogar noch weit unter der von der US-Arzneimittelbehörde FDA geforderten Mindeststudiendauer von drei Monaten. Was die Vermeidung von erstmaligen bzw. erneuten Amputationen betrifft, schneidet die VVS in einer der größeren Studien etwas besser ab. Weil unklar ist, ob hier Studienabbrecher als "Therapieerfolg" gezählt wurden, ist das - ohnehin statistisch nicht signifikante - Ergebnis nur schwer zu bewerten.
Lebensqualität und Schmerzen in Studien nicht untersucht
Offen bleibt nach wir vor auch, ob Patienten, deren Wunden mit der VVS behandelt werden seltener eine Klinik aufsuchen müssen oder schneller wieder entlassen werden können. Was die Vermeidung von Krankenhausaufenthalten betrifft, zeigte keine der einbezogenen Studien einen statistisch signifikanten Unterschied zu herkömmlichen Therapieverfahren. Bei der Verweildauer lassen erneut methodische Defizite keine eindeutigen Aussagen zu: Erhoben wurde dieses Kriterium nämlich ausschließlich in nicht randomisierten Studien, bei denen zudem keine Verblindung erfolgte.
Zu den wichtigen Fragen gehört nach Meinung der IQWiG-Wissenschaftler auch, wie sich die VVS auf die Lebensqualität, auf Schmerzen bei der Behandlung und auf die Narbenbildung auswirkt. Leider wurden diese Fragen in den bewerteten Studien entweder nicht systematisch untersucht, oder die Daten werden in den Publikationen nicht erwähnt.
Aussagen über ambulante Anwendung der VVS kaum möglich
Insgesamt ist die Evidenzgrundlage für den Nutzen der VVS allenfalls als dürftig zu bezeichnen, fassen die Kölner Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Recherche zusammen. Das gilt für den stationären Bereich, und erst recht für den ambulanten: Weil die Studiendaten vor allem bei Krankenhauspatienten erhoben wurden und nur in drei der 17 eingeschlossenen Studien die VVS zumindest teilweise ambulant angewandt wurde, sind Aussagen über einen für die Patienten bedeutsamen Zusatznutzen der VVS im ambulanten Sektor mit noch größerer Unsicherheit behaftet und deshalb derzeit nicht möglich. Die Kölner Forscher hoffen aber, dass sich dies ändern wird, wenn in den nächsten Jahren nach und nach die Resultate gleich mehrerer derzeit noch laufender randomisierter Studien veröffentlicht werden. Sie raten deshalb dazu, die Evidenz in etwa zwei bis drei Jahren erneut zu überprüfen.
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