| Freitag, 25. Juli 2008 |
Gesundheit
Krebserregende Wirkung von eingeatmetem Formaldehyd belegt
Formaldehyd ist in vielen verbrauchernahen Produkten enthalten. Die Substanz entsteht außerdem in geringen Mengen im Zellstoffwechsel von Menschen und Tieren. Formaldehyd ist gesundheitsschädlich, es reizt die Schleimhäute und kann Krebs im Nasenrachenraum auslösen, wenn es eingeatmet wird.
Das ist das Ergebnis einer Bewertung neuer Studien, die das Bundesinstitut für Risikobewertung der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Das Institut sieht es als hinreichend bewiesen an, dass die Substanz im Nasenrachenraum Tumore auslösen kann, wenn sie eingeatmet wird, und schlägt deshalb eine Änderung der geltenden Einstufung vor. Die schädliche Wirkung von Formaldehyd ist konzentrationsabhängig, wobei bei Raumluftwerten von oder unterhalb von 125 Mikrogramm Formaldehyd pro Kubikmeter praktisch keine krebsauslösende Wirkung mehr zu erwarten ist.
Formaldehyd ist eine farblose Substanz, die bei Zimmertemperatur gasförmig vorliegt und einen typischen, stechenden Geruch aufweist, der noch in geringen Konzentrationen wahrgenommen wird. Die Substanz wirkt keimtötend, konservierend und desinfizierend und ist in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens enthalten, zum Beispiel in Desinfektionsmitteln, Haushaltsreinigern, kosmetischen Mitteln, Farben und Lacken sowie in Bauprodukten.
Ergebnisse aus Tierversuchen ließen eine krebsauslösende Wirkung beim Menschen vermuten, in zahlreichen epidemiologischen Studien konnte aber kein erhöhtes Krebsrisiko nachgewiesen werden. Formaldehyd wurde deshalb als Substanz mit „begründetem Verdacht auf ein krebserzeugendes Potenzial“ eingestuft. Neuere, sehr umfangreiche Studien an Arbeitnehmern in den USA belegen nun aber eine expositionsabhängig erhöhte Sterberate durch Tumore im Nasenrachenraum.
Spontan und mit Ausnahme bestimmter berufsbedingter Expositionen treten solche Tumore beim Menschen nur selten auf. Nach einer Neubewertung schlug die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (International Agency on Research of Cancer, IARC) deshalb vor zwei Jahren eine Einstufung von Formaldehyd als Humankanzerogen vor; die Begründung steht noch aus.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Studienergebnisse zum Anlass genommen, die krebsauslösenden Risiken von Formaldehyd neu zu bewerten und dazu unter anderem ein Gutachten beim Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg in Auftrag gegeben. In Übereinstimmung mit dem Gutachten kommt das Institut zu dem Schluss, dass die Substanz beim Menschen Krebs auslösen kann, wenn sie eingeatmet wird, und schlägt eine entsprechende Einstufung vor. Diese Einschätzung teilt die für die Bewertung des chemischen Altstoffs zuständige Behörde in Frankreich.
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