| Freitag, 22. August 2008 |
Pharmaindustrie
Studie belegt Verschwendung und Risiken bei der Verordnung von Medikamenten
Fazit des GEK-Arzneimittel-Report 2006 - die aktuellsten wissenschaftlichen Auswertungen der Arzneimittelversorgung in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV): Es muss noch viel getan werden, um die Kosten in den Griff zu bekommen und die Qualität zu steigern.
Die Gmünder ErsatzKasse stellte heute in Berlin zusammen mit dem Zentrum für Sozialpolitik (ZES) der Universität Bremen im GEK-Arzneimittel-Report 2006 die aktuellsten wissenschaftlichen Auswertungen der Arzneimittelversorgung in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vor.
Im Beisein der Parlamentarischen Staatssekretärin Marion Caspers-Merk erläuterten der GEK Vorstandsvorsitzende Dieter Hebel und der wissenschaftliche Leiter Prof. Dr. Gerd Glaeske die Ergebnisse der Auswertung von Arznei-Verordnungen der Gmünder ErsatzKasse.
Im Vergleich zum Vorjahr zeigt der Report nach wie vor Mängel bezüglich der Evidenz und Effizienz der Arzneimittelversorgung auf.
Nach Glaeske ist es schon fast eine vorsätzliche Verschwendung von Versichertengeldern, wenn so genannte Analogprodukte eine Steigerungsrate von 20 Prozent aufweisen. Dabei handelt es sich um die Arzneimittelgruppe, die weniger mit Zusatznutzen als mit hohem Marketingaufwand und unübersehbaren Werbemaßnahmen von sich reden macht. "Das größte sinnvolle Einsparpotential liegt derzeit in der Substitution von Analogpräparaten durch preisgünstigere Alternativen, die im Generika-Bereich angeboten werden," erklärt Prof. Glaeske, der auch Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen ist. Auf 53 Millionen Euro schätzt er das Einsparvolumen allein im Arzneimittelbereich der Gmünder ErsatzKasse, wenn verantwortungsvoller verordnet würde. Dies entspricht immerhin fast 0,3 Beitragssatzpunkten.
Eine lohnende Investition wären für ihn industrieunabhängige Pharmaberater der Krankenkassen und ärztlichen Vereinigungen, die den Pharmareferenten der Industrie den Rang ablaufen. Das könnte medizinische Fehlentwicklungen verhindern: beispielsweise, dass Frauen immer noch zu viele Hormone verordnet bekommen oder dass jeder fünfte Patient zwischen 85 und 90 Jahren 13 und mehr Wirkstoffe gleichzeitig verschrieben bekommt, obwohl maximal vier Wirkstoffe nebeneinander die Grenze der Verträglichkeit bilden.
In seinen Ausführungen zum GEK-Arzneimittel-Report 2006 appelliert Dieter Hebel, Vorstandsvorsitzender der Gmünder ErsatzKasse, eindringlich an die Politik, dass die Behandlungsmethode Akupunktur auch bei Migräne und Spannungskopfschmerzen Regelleistung der GKV werden solle. Bisher wurde Akupunktur durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) lediglich für die Indikationsbereiche Rücken- und Kniegelenksschmerzen für den Leistungskatalog vorgeschlagen. Diese alternative Heilmethode sei, so Hebel, eine Möglichkeit, auf nebenwirkungsreiche Arzneimittel zu verzichten, oder deren Menge zu reduzieren. Im GEK-Arzneimittel-Report wurde festgestellt, dass 75 Prozent der durch Akupunktur Behandelten keine Schmerz- oder Rheumamittel benötigten.
Für den GEK Vorstandsvorsitzenden ist der GEK-Arzneimittel-Report 2006 auch ein Beleg dafür, dass bei der Gmünder ErsatzKasse die Finanzierung hochwertiger Arzneimittel-Therapien und moderate Beitragssätze kein Widerspruch sind: "Unsere Versicherten können schon beim Arzt auf die Verordnung des preiswürdigsten Medikaments drängen. Damit nehmen aktive und mündige Versicherte Einfluss auf Therapiekosten und werden zu einem wichtigen Faktor der Ausgabensteuerung". Den Beweis, dass die Versicherten die Notwendigkeit wirtschaftlichen Handelns erkennen und nutzen, sieht der GEK Chef in der freiwilligen Nutzung der Versandapotheken. Der Anteil des Versandhandels von derzeit acht Prozent ist bei der GEK gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahrs um 150 Prozent gestiegen.
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Manfred Nothwang |
Nele Winskowski |
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