Freitag, 10. Oktober 2008
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Künstliche Ersatzlunge als Lebensretter

29.06.2006 Quelle: RWTH Aachen   

Foto: photocase.deSchwere Verbrennungen, Rauchvergiftungen oder Lungenentzündungen: Beim akuten Lungenversagen ist schnelles Handeln von Seiten der Intensivmediziner gefragt. Bisher werden die meisten Patienten künstlich beatmet, indem Sauerstoff mit Überdruck in die Lunge gepresst wird.

Doch rund die Hälfte der Behandelten überlebt dieses Verfahren nicht. Die Gefahr besteht, dass die Lunge überbläht wird beziehungsweise noch gesunde Lungenbereiche massiv geschädigt werden. Ein internationales Forscherteam am Aachener Institut für Angewandte Medizintechnik arbeitet daher mit Hochdruck an einer lebensrettenden Alternative: Mit dem HEXMO-Gerät (Hochintegrierter, Extrakorpuraler Membran-Oxygenator) entwickeln sie eine kleine, blutschonende „Ersatzlunge“, die außerhalb des Körpers das Blut des Patienten mit Sauerstoff versorgt beziehungsweise das überschüssige CO2 daraus entfernt.

Das Verfahren an sich, die so genannte extrakorpulare Membran-Oxygenation (ECMO), wird bereits in wenigen spezialisierten Kliniken angewendet. Die Aachener Universitätsklinik ist eine davon. Doch die bisherige Medizintechnik hat verschiedene Nachteile. Dazu zählt, dass die Geräte zu groß sind, um sie direkt in Notarztwagen einsetzen zu können. Außerdem besteht die Gefahr, dass das Blut des Patienten außerhalb des Körpers geschädigt wird: „Bei der Sauerstoffanreicherung außerhalb des Körpers wird das Blut aus der Vene entnommen und mit Hilfe eines Pumpsystems durch den Oxygenator geleitet“, erklärt Dr. Ulrich Steinseifer, der im Helmholtz-Institut das Projekt betreut. „Dabei kommt das Blut in Kontakt mit verschiedenen Materialien - etwa den beschichteten Schläuchen, wodurch es zu Blutgerinnungsstörungen kommen kann.“

Mit der Entwicklung des HEXMO-Systems haben die Aachener Wissenschaftler die Nase international vorn. Der Vorteil: „Bei HEXMO ist die Blutpumpe direkt in den Oxygenator integriert“, erklärt Ulrich Steinseifer. „Dadurch reduziert sich der Blutkontakt mit anderen Materialien erheblich, so dass die Gefahr der Blutschädigung drastisch reduziert wird.“ Auch kann die Menge des entnommenen Blutes minimiert werden. Zudem ist das System sehr handlich konstruiert, so dass es auch in Notarztwagen eingesetzt werden könnte.

Doch bis zum Erste-Hilfe-Einsatz vor Ort dauert es noch. Erste HEXMO-Prototypen existieren bereits. Noch für dieses Jahr sind erste Tierversuche geplant. Danach steht jedoch als nächster Schritt die sorgfältige klinische Evaluierung an. Die Zusammenarbeit mit den Intensivmedizinern am Universitätsklinikum Aachen läuft bereits.

 

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