| Freitag, 21. November 2008 |
Pharmaindustrie
Mukoviszidose e.V. setzt sich erfolgreich für neues Medikament ein Die Europäische Kommission hat auf Antrag des Mukoviszidose e.V. dem Medikament Glutathion den Orphan Drug Status für die Behandlung von schweren chronischen Entzündungsreaktionen in den Atemwegen bei Mukoviszidose erteilt.
Die Patientenorganisation erhielt die Anerkennung für das neue - sich in der Entwicklungsphase befindliche - Arzneimittel aufgrund der Empfehlung des ´Committee for Orphan Medicinal Products´ (COMP) der europäischen Arzneimittelagentur EMEA in London.
"Durch die Anerkennung von Glutathion als Orphan Drug können wir bei der Entwicklung des Medikaments kostenfrei auf Expertenwissen der EMEA zurückgreifen. Damit kann das Arzneimittel möglicherweise besser untersucht schneller den Patienten zur Verfügung gestellt werden" sagt Dr. Andreas Reimann, Geschäftsführer des Mukoviszidose e.V. in Bonn. Den Status "Orphan Drug" erhalten Medikamente, die zur Diagnose, Prävention oder Therapie von lebensbedrohlichen und zu schweren Behinderungen führenden Seltenen Chronischen Krankheiten eingesetzt werden können. Eine der Voraussetzungen für eine Aufnahme in die Familie der "Orphans": Nicht mehr als fünf Personen pro 10.000 Einwohner in der Europäischen Union dürfen von der Erkrankung betroffen sein, für die das Arzneimittel zugelassen werden soll. Dies trifft für Mukoviszidose zu.
"Patienten mit Mukoviszidose haben wegen chronischer Entzündungsreaktionen in den Atemwegen ein Defizit von Glutathion in der Lunge. Mit der Gabe des neuen Medikaments soll die Lungenfunktion verbessert werden. Die bisher vorliegenden Befunde zu Glutathion sind sehr ermutigend, jedoch noch nicht ausreichend für eine breite klinische Anwendung", sagt Prof. Dr. Matthias Griese von der Ludwig-Maximilians Universität in München. Prof. Griese ist leitender Prüfarzt einer geplanten Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit der Inhalation von Glutathion (GSH).
Bisher wurde Glutathion an etwa 70 Patienten mit Mukoviszidose geprüft. Eine große erweiterte Studie wird von der US-amerikanischen CF-Foundation (CFF) und dem Mukoviszidose e.V. gefördert und soll in Kürze an deutschen CF-Ambulanzen durchgeführt werden.
"Die Qualität der Mukoviszidose-Behandlung zu erhöhen, das ist eines unserer ersten Ziele. Denn unsere Vision ist: ´Kein Kind darf mehr an Mukoviszidose sterben´. Um das zu erreichen, müssen wir neue Wege zu gehen. Als ´Patientenorganisation neuen Typs´ beschränken wir uns nicht darauf, Missstände anzuprangern und Verbesserungen zu fordern. Wir ergreifen selbst die Initiative, um etwas für die Betroffenen zu erreichen", meint Dr. Andreas Reimann zum Einsatz des gemeinnützigen Vereins.
Mukoviszidose ist eine genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung. In Deutschland leben rund 8.000 Menschen mit der bis heute unheilbaren und tödlichen Krankheit. Durch eine Störung des Salz- und Wassertransports in die Körperzellen bildet sich zähflüssiger Schleim. Organe wie die Lunge oder die Bauchspeicheldrüse werden so irreparabel geschädigt.
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