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Was hat Unternehmertum mit Gesundheitswesen zu tun? Ist das Unternehmertum Chance oder Bedrohung für die Zukunft des Gesundheitswesens in Europa und was zeichnet überhaupt einen guten Unternehmer aus? Diesen Fragen gingen die Teilnehmer der Konferenz [...]
[...] der European Health Management Association (EHMA) vom 28.-30. Juni 2006 in Budapest nach. Ein Kongressbericht von Kerstin Stachel - Chefredaktion gesundheitswirtschaft.info:
Provokant schon das Kongressplakat eine Marionette im weißen Kittel, die hilflos in der Luft hängt. Sind Manager im Gesundheitswesen wirklich so hilflos der Politik ausgeliefert oder haben Sie Möglichkeiten die Situation aktiv zu gestalten und innovative Konzepte zu entwickeln und zu implementieren?
Wie Gesundheitspolitik funktioniert verdeutlicht Dr. Miklós Szócska von der Semmelweis Universität in Budapest. Jede neue Regierung hat neue Ideen - allein schon deshalb, weil man sich ja von seinem Vorgänger abgrenzen muss und zeigen muss, dass man die Probleme im Gesundheitswesen in den Griff bekommt. Neue Gesetze werden eingeführt und neue Führungskräfte treten ihre Positionen in den Verwaltungen an.
Die Regelungen werden umgesetzt bis wieder ein neuer Gesundheitsminister seinen Dienst antritt und wieder völlig neue Ansätze implementiert. Auch wenn die Amtszeiten der Gesundheitsminister in den verschiedenen Ländern unterschiedlich lang sind, so fehlt es doch oft an Kontinuität und an dem Willen Lösungen für die nächsten Generationen zu finden. Alles, was zählt, ist die Amtszeit und die Aussicht darauf wider gewählt zu werden. Um die Probleme im Gesundheitssystem bewältigen zu können, braucht es jedoch Innovationen und Menschen mit Visionen also "echte" Unternehmer.
Was einen Unternehmer ausmacht
Gábor Bojár, Vorsitzender und Gründer des Unternehmens Graphisoft, zeigte als Auftaktredner wie es auch unter einem kommunistischen Regime gelingen kann ein heute weltweit erfolgreiches Unternehmen zu gründen. Natürlich braucht man ein bisschen Glück, aber in erster Linie zählt der Wille zu gewinnen und Erfolg haben zu wollen. Aus Sicht von Gábor Bojár braucht es lediglich drei Dinge, um als Unternehmer erfolgreich zu sein:
- (1) Man muss wissen, wo man besser ist als andere, denn nur hier hat man eine Chance den Wettbewerb zu gewinnen (Wettbewerbsvorteil).
- (2) Man muss wissen, für welchen Markt dieses Produkt oder die Dienstleistung interessant sein könnte (Zielgruppe).
- (3) Man muss dann den richtigen Partner finden, um diesen Markt zu erobern.
Gábor Bojár kommt zu dem Schluss, dass Geld nicht das Geheimnis des Erfolges ist, sondern die Leidenschaft, mit der man die Dinge anpackt. Also gute Aussichten für die Manager im Gesundheitswesen mit dem Willen das System zu verändern.
In vielen Ländern Europas konzentriert man sich derzeit lediglich auf die Verteilung von Geldern im Gesundheitssystem. Das Ergebnis und die Effizienz des Systems werden in der Regel vergessen. Die Akteure setzen ihre Kreativität dafür ein, ein möglichst großes Stück vom Finanz-Kuchen abzubekommen – an das Ergebnis – die Gesundheit der Patienten denkt keiner.
In erster Linie müssen daher die Anreizsysteme effizienter gestaltet werden. Die Akteure müssen dafür belohnt werden, dass sie Kosten sparen und Patienten heilen. Es darf nicht sein, dass Einsparungen dazu führen, dass Akteure sogar für dieses Verhalten in Form von geringeren Einnahmen bestraft werden. Gesundheitssysteme werden dann besser, wenn die Informationen, die Informationssysteme und die Anreizsysteme effizienter werden, so das Fazit von Dr. Gale Wilensky aus den USA.
Patienten spielen eine wichtige Rolle
Auch der Patient spielt eine wichtige Rolle im Behandlungsprozess, denn er ist mitverantwortlich dafür, dass seine Behandlung erfolgreich ist. Kliniken müssen lernen, den Patienten aktiv in den Behandlungsprozess einzubinden. Damit die Patienten begreifen, wie wichtig ihre Aufgabe ist, müssen sie auch die Preise von Gesundheitsdienstleitungen kennen, denn solange man nicht weiß, was es kostet, möchte man nur immer möglichst viel bekommen, um sich sicher zu sein, dass man eine gute Behandlung bekommt.
Aber ein mehr an Behandlung ist nicht immer unbedingt besser, denn schließlich drohen Nebenwirkungen oder Doppeluntersuchungen, die ebenfalls eine Gefahr für die Gesundheit darstellen können und das System viel Geld kosten. Ein informierter Patient kann damit zur Qualitätssteigerung und gleichzeitig zur Kostensenkung im Gesamtsystem beitragen. Dieses Potenzial muss zukünftig besser ausgeschöpft werden.
Warum Unternehmer dem Gesundheitswesen gut tun
Ein Unternehmer macht nicht in erster Linie gewinnorientierte Geschäfte, sondern er zeichnet sich dadurch aus, dass er Möglichkeiten sieht wo andere Bedrohungen sehen, dass er keine Angst vor Veränderungen hat und ständig nach neuen Möglichkeiten sucht. Genau diese Menschen werden im Gesundheitswesen gebraucht um es zukunftsfähig zu machen – und zwar nicht nur in der Führungsspitze sondern in allen Hierarchiestufen. Niemand muss darauf warten, dass im gesagt wird, wie etwas zu tun ist, er muss die Verantwortung übernehmen, das Bestmögliche für den Kunden zu tun.
In der Praxis werden Mitarbeiter mit Initiative und Ideen nicht belohnt und ermutigt so weiterzumachen, das muss sich schnellstens ändern, so das Fazit von David Kirby, Professor of Entrepreneurship an der University of Surrey.
Er empfiehlt den Managern im Gesundheitswesen:
- Rekrutieren sie Mitarbeiter mit Unternehmertalent.
- Bilden sie berufs- und fachübergreifende Teams um Ideen zu entwickeln.
- Lernen sie aus Fehlern. Es ist ganz natürlich, dass nicht alles funktioniert.
- Üben sie sich in Geduld. Es braucht Zeit, bis sich der Erfolg abzeichnet.
- Involvieren sie ihre Mitarbeiter in Entscheidungen, denn Mitarbeiter müssen verstehen wie sie aus eigener Kraft zum Unternehmenserfolg beitragen können.
- Belohnen sie Unternehmergeist in ihrem Unternehmen. Setzen sie hierfür auch insbesondere nichtmonetäre Anreize ein.
Das nachfolgende Paradoxon blieb jedoch ungeklärt: Fragt man einen Arzt, ob er mit seiner Arbeit zufrieden ist und diese gerne tut, so antwortet er mit Nein. Schlägt man ihm jedoch vor, dass System zu ändern, um damit die Gesamtsituation zu verändern, so stößt man auf massiven Widerstand. Der Spaß an Veränderungen muss offensichtlich von vielen Akteuren erst noch gelernt werden. Natürlich bedeutet Wettbewerb, dass der Beste gewinnen wird und dass der heutige Gewinner morgen zu den Verlieren zählen kann. Aber genau der Spaß an diesem Wettbewerb macht einen echten Unternehmer aus. Im Fazit waren sich die Experten einig, dass das Gesundheitswesen Unternehmer braucht, die bereit sind soziale Verantwortung zu übernehmen.
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