| Freitag, 21. November 2008 |
Zukunftstrends
Gelähmter steuert Computer via Implantat US-Forscher haben die erste hochinvasive Hirn-Computer-Schnittstelle erfolgreich an einem Menschen getestet. Die Neurowissenschaftler implantierten dazu einen Chip in dem Teil der menschlichen Großhirnrinde, der für Bewegungen zuständig ist.
Die Versuchsperson, der 25-jährige Matthew Nagel, ist seit drei Jahren vom Hals abwärts gelähmt. Mit dem High-Tech-Implantat konnte er selbstständig E-Mails öffnen, einfache Computerspiele sowie die Fingerbewegungen einer Handprothese steuern, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature in der aktuellen Ausgabe.
Bei dem Implantat handelt es sich um einen Chip mit Elektroden, der durch ein Loch in der Schädeldecke mit einem Rechner verbunden ist. Der Sensor nimmt die Hirnaktivitäten wahr und leitet sie an einen externen Prozessor weiter, der die Signale in für den Computer verständliche Bewegungsbefehle umwandelt. Um die Anforderungen des Versuchs zu erfüllen und den Mauscursor zu steuern, benötigte Nagel zur Überraschung der Wissenschaftler nur eine relativ kurze Zeit des Trainings. Bei nichtinvasiven Hirn-Computer-Schnittstellen, die mittels auf der Kopfhaut angebrachten Elektroden Hirnsignale aufzeichnen, ist mehr Übung bis zur Beherrschung des Systems notwendig, so die Experten.
Das Projekt ist nach Angaben der beteiligten Forscher der erste wissenschaftlich begutachtete klinische Versuch mit einer hochinvasiven Hirn-Computer-Schnittstelle. Die Steuerung von Neuroprothesen bis hin zu Rollstühlen könnte damit für Gelähmte möglich werden. Gravierender Nachteil der Neurochips ist, dass der Patient nicht um eine Hirnoperation herumkommt. Vor allem bestehe die Gefahr von Infektionen, Blutungen oder epileptischen Anfällen. Kritiker bemänglen zudem, es sei noch zu früh gewesen, um Versuche an Menschen durchzuführen.
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