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Bis 2050 dreht sich alles um die Gesundheit

20.07.2006 Quelle: Karin Hertzer   

Nachgefragt: Kondratieff-Zyklen - Interview mit Leo A. Nefiodow

Von Karin Hertzer

Ebenso wie die Planeten ihre Bahnen ziehen, wie nach dem Frühling der Sommer kommt und auf den Tag die Nacht folgt, spricht man auch in der Volkswirtschaftslehre von Zyklen, die eine gewisse Regelmäßigkeit erkennen lassen: Die so genannten kurzen Kitchin-Zyklen umfassen drei bis vier Jahre, die mittleren Juglar-Zyklen dauern sieben bis elf Jahre, die langen Kondratieff-Zyklen beschreiben die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung über 45 bis 60 Jahre.

Das Modell der langen Wellen entwickelte der Moskauer Konjunkturforscher Nikolai Kondratieff 1926 in zwei Fachartikeln. Mittlerweile können Historiker die Zyklen jedoch bis zur Sung-Dynastie des zehnten Jahrhunderts in China zurückverfolgen.

Einer der bekannteste Vertreter der Theorie der langen Wellen ist Leo A. Nefiodow. In seinem Buch „Der sechste Kondratieff" beschreibt der mittlerweile pensionierte Wissenschaftler aus St. Augustin bei Bonn ökonomische, technologische und gesellschaftliche Indikatoren, die für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel der kommenden 50 Jahre entscheidend sein werden. Nefiodow: „Ich bin der erste und bisher einzige Langwellenforscher, der Prognosen für einen solch langen Zeitraum wagt.“

Das Prinzip der Kondratieff-Zyklen: Sie beginnen mit bahnbrechenden technologischen Erfindungen, führen zu starken Wachstumsimpulsen in der Wirtschaft und verändern die ganze Gesellschaft. So basierte der vierte Kondratieff-Zyklus (K4) auf der Erfindung des Autos und lief gegen 1980 aus, während das Computer-Zeitalter K5 in den 1950er Jahren begann und in unseren Tagen zu Ende geht.

Ende der 1990er Jahre entdeckte Leo A. Nefiodow die ersten Anzeichen des sich anbahnenden sechsten Kondratieff-Zyklus: „In den nächsten Jahrzehnten werden wir uns nicht mehr mit Krankheiten, sondern vor allem mit dem Thema Gesundheit beschäftigen. Wir werden nach körperlicher, sozialer und seelischer Gesundheit streben und neue Technologien entwickeln, um tödliche Krankheiten zu beseitigen. Die Biotechnologie und die neu aufkommende psychosoziale Technologie werden die wichtigsten Bausteine dafür sein.“

Leo A. Nefiodow hält es schlichtweg für „unsolide“, sich jetzt schon Gedanken über die Zeit zu machen, die auf den sechsten Kondratieff-Zyklus folgt: „Wir können zwar heutige Trends verlängern und darauf basierend vernünftige Prognosen für die nächsten drei bis fünf Jahre aufstellen. Wohin wir uns in den nächsten 40 bis 50 Jahren bewegen werden, lässt sich mit Hilfe der Kondratieff-Zyklen grob voraussagen. Was aber nach 2050 kommt, das weiß niemand. Das wäre reine Spekulation.“

(Quelle: „Was bringt die Zukunft?“, in: Psychologie heute, Januar 2004, Seite 32)

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Die Autorin
Karin Hertzer arbeitet als selbständige Journalistin in München. Ihre Schwerpunkte sind Medizin, Gesundheit und Psychologie. Sie schreibt für Publikumsmedien, hat neun Sachbücher veröffentlicht und engagiert sich für die PR. Unter anderem moderiert sie Workshops für Medizinjournalisten.

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