| Freitag, 25. Juli 2008 |
„Der erste Schritt auf dem Weg in die medizinische Moderne ist eine massive Effizienzsteigerung der Krankenhäuser durch technische Aufrüstung“, sagte Hans Georg Tschupke von der Bremer Investitions-Gesellschaft mbH (BIG) zu Beginn einer Veranstaltung über RFID Im Gesundheitswesen.
Radio Frequency Identification (RFID) kommt aus dem englischen und bedeutet Funkerkennung. Mit der telemedizinischen Technik lassen sich Daten auf hauchdünnen Computerchips berührungslos und ohne Sichtkontakt speichern sowie ablesen.
RFID böte die Möglichkeit, Arbeitsabläufe zu beschleunigen und die Organisation in Kliniken zu verbessern, ergänzte Tschupke auf der von der BIG veranstalteten Tagung am 11.09.2006 im Bremer World Trade Center. Unter dem Titel „RFID: Kleine Chips – große Wirkung Telemedizin für innovative Gesundheitsdienstleister“ erörterten Ärzte, Medizintechniker, Unternehmer, Wissenschaftler, IT Fachleute, Vertreter aus Verwaltung und Politik Nutzen und Grenzen der Zukunftstechnologie.
In einigen deutschen Krankenhäusern gehören die Mikrochips schon zum Klinikalltag, bestätigt Markus Wiedeler vom Fraunhofer- Institut für Software- und Systemtechnik: Bei der Verfolgung von Blutkonserven vom Spender bis zum Empfänger, für die Zugangskontrolle auf Neugeborenenstationen, zur Dokumentation rasch aufeinander folgender ärztlicher Tätigkeiten oder um Fahrstühle zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort zu schicken. „Wir sehen Potenzial im Einsatz der RFID Technologie, der ökonomische Nutzen ist bisher jedoch noch schwer abschätzbar“, resümiert er aus den Ergebnissen einer aktuellen Studie des Dortmunder Instituts, die RFID Anwendungen im Gesundheitswesen bewertet. Den größten Nutzen sieht er in einer qualitativ besseren Patientenversorgung und Zeitersparnissen für die Beschäftigten.
Dies bestätigt auch Dr. Kurt Adamer, Oberarzt im Krankenhaus Steyr (Österreich). Computer und Chip werden hier auch am Krankenbett erprobt. Patienten auf der chirurgischen Station tragen ein Armband mit eingebautem Funkchip. Ein Händedruck mit dem Arzt, der ein ähnliches Gerät trägt reicht aus, um bei der Visite alle aktuellen Patientendaten auf einem Bildschirm aufzu-
rufen. Direkt am Krankenbett kann der Chirurg etwa Laborwerte einsehen, dem Patienten sein Röntgenbild erklären oder per Handzeichen eine veränderte Behandlung anordnen. „Die Visite verläuft so einfacher, schneller und sicherer. Und auch zwischenzeitlich habe ich zu jeder Zeit überall im Krankenhaus alle Patientendaten verfügbar“, nennt Adamer die Vorteile der RFID Technik. Die Details entstehen in enger Kooperation mit dem Bremer Technologie Zentrum Informatik (TZI). Im Rahmen des vom TZI geleiteten europaweiten Forschungsprojektes „WEARIT@WORK“ arbeiten Ärzte, Verwaltung und Wissenschaftler an einem alltagstauglichen Produkt für den österreichischen Klinikverband GESPAG. Eine weitere Vereinfachung der Technologie durch Spracherkennung ist zurzeit Gegenstand der Entwicklungsarbeit.
Um die Steigerung der Patientensicherheit bei der Vergabe von Medikamenten geht es vor allem bei einem Pilotprojekt am Universitätsklinikum Jena, wie PD. Dr. Michael Hartmann, Direktor der Krankenhausapotheke in seinem Vortrag verdeutlichte. Allein in Europa ereigneten sich schätzungsweise zwischen 14 000-30 000 Todesfälle jährlich durch falsche Vergabe von Medikamenten. Fehler können vom unleserlichen Rezept über die Kommissionierung in der Apotheke, den Transport bis hin zur falschen Einnahme auftreten. Im Uniklinikum Jena ordern die Ärzte seit August 2006 für ihre maximal 72 Patienten auf der Intensivstation Medikamente online per elektronischer Patientenakte.
In der Zentralapotheke wird jedes Medikament nach dem „Unit Dose“ Prinzip einzeln dosiert verpackt und mit RFID Chip gekennzeichnet auf den Weg zum Patienten geschickt. Stimmen die Daten bei Funkchiperkennung am Patientenarmband nicht mit der vorgesehenen Medikation überein, wird ein Alarm ausgelöst und der Ablauf muss korrigiert werden. „Wenn man wirklich Medikationsirrtümer im Krankenhaus vermeiden möchte, muss man versuchen die Medikamentenvergabe sicherer zu machen. Mit RFID hat man die Möglichkeit dies zu erreichen“, so die Einsicht Hartmanns. Datenschutzrechtliche Probleme würden durch die Verschlüsselung der Patientennamen in einen Zahlencode umgangen. Ein Problem seien allerdings derzeit noch die hohen Materialkosten für die Mikrochips.
Für Fragen steht Ihnen auch gerne unsere Ansprechpartnerin Eva Zweidorf von der BIG Tel. 0421-9600-342 oder E-Mail eva.zweidorf@big-bremen.de zur Verfügung.