| Dienstag, 07. Oktober 2008 |
Zukunftstrends
Hirnschäden nach Frühgeburten regenerieren Die neonatale Hirnforschung befasst sich mit den neurologischen Problemen von Neu- und Frühgeborenen ab der 24. Schwangerschaftswoche. Diese winzigen Babys leiden später oft unter neurologischen Entwicklungsstörungen und Behinderungen.
Dr. Matthias Keller von der Abteilung für Neu- und Frühgeborene der Innsbrucker Kinderklinik IV untersucht Möglichkeiten bereits entstandene Hirnschäden zu beheben.
Schäden wiedergutmachen
Die Schädigung der weißen Hirnsubstanz von Frühgeborenen, die periventrikuläre Leukomalazie (PVL), gehört zu den häufigsten Ursachen für neurologische Entwicklungsstörungen bei Frühgeborenen. Die Kinder entwickeln die PVL zwar nach der Geburt, die Ursache liegt aber meist in einer pränatalen Bedingung wie Sauerstoffmangel oder einer Entzündung. Da es derzeit keine kausalen Therapien gibt und auch nicht feststellbar ist, wann genau die Schädigung entsteht, sind der Schadensprävention enge Grenzen gesetzt. Deshalb konzentriert sich der Kliniker und Forscher Dr. Matthias Keller in seiner vom Swarovski-Fonds geförderten Forschung auf die Möglichkeit, bereits geschädigte Hirnsubstanz zu regenerieren.
Dazu verabreichte sein Team im Mausmodell die Knochenmarkstammzellen stimulierenden Substanzen G-CSF (Granulozytenkolonie stimulierender Faktor) und SCF (Stammzellfaktor), um eine Steigerung der Stammzellfreisetzung zu bewirken. G-SCF und SCF waren bereits zuvor als Medikamente im Einsatz, allerdings in der Onkologie. Die Stimulierung der kindeigenen Stammzellenproduktion durch G-SCF und SCF erscheint beim Neugeborenen physiologischer als eine Therapie, bei der Stammzellen erst gezüchtet und dann ins Hirn injiziert werden. Bei der Stimulierungstherapie wird das Kind selbst in den eigenen Reparaturversuchen unterstützt.
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