| Freitag, 21. November 2008 |
Zukunftstrends
Hirnschäden nach Frühgeburten regenerieren Das menschliche Gehirn macht im letzten Drittel der Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Geburt eine besonders intensive Wachstumsphase durch und ist besonders plastisch. Diese Eigenschaft unterscheidet es deutlich vom Gehirn eines Erwachsenen, weshalb Erkenntnisse über Hirnschäden an Erwachsenen nicht ohne weiteres auf Frühgeborene übertragbar sind. Im Mausmodell zeigte sich in einer Vorgängerstudie der Arbeitsgruppe, dass die Gabe von G-SCF und SCF in der Akutphase, also unmittelbar nach der Hirnschädigung, eine schädliche Wirkung auf das Gehirn hat, während sie einige Tage nach der Hirnschädigung verabreicht den Hirnschaden um ca. 30 - 50 % reduziert.
Die Regeneration von Nervenzellen ist jedoch nur eine Seite. Dr. Keller vergleicht sie mit dem Verlegen von Kabeln, einer wichtigen Voraussetzung für das Herstellen von Verbindungen. Jetzt will er untersuchen, ob die regenerierten Nervenzellen auch eine normale neurologische Funktion, also die Fähigkeit Verbindungen herzustellen, besitzen, und sich vergewissern, dass diese Behandlungsmethode der weiteren Hirnentwicklung nicht schadet. Die derzeitigen Erkenntnisse stimmen ihn optimistisch. Außerdem geht er der Frage nach, ob kindeigene Stammzellen, etwa aus der Nabelschnur, sowie speziell vorbereitete Zellen eine noch bessere Wirkung erzielen könnten.
Klein aber fein: das neonatologische Forschungslabor
Seit 2004 besteht an der Universität Innsbruck das Forschungslabor der klinischen Abteilung für Neonatologie unter Leitung von Univ. Prof. Dr. G. Simbruner. Den Forschungsschwerpunkt Hirnforschung bei Neugeborenen leitet Dr. Matthias Keller. In dieser Zeit hat er (unterstützt vom Team der Klinischen Abteilung für Neonatologie) mit engagierten MedizinstudentInnen, post docs aus China und einer MTA das Labor aufgebaut und Kooperationen im Inland (z.B. Zentrum für Neurowissenschaften, BIOCRATES Innsbruck) und Ausland (Oslo, Göteborg, Toronto) entwickelt.
Auch pflegt er weiter die Verbindung mit dem international bekannten Pariser Neuropädiater und Neurowissenschaftler Pierre Gressens, bei dem er selbst gelernt hat. Die aktuelle Studie wird außer vom Swarovski Förderungsfonds auch von der Ungarisch-Österreichischen Vereinigung gefördert und ein ungarischer Mediziner der Semmelweißklinik in Budapest, Dr. Gergely Sarközy, arbeitet ebenfalls an dem Projekt mit.
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