| Freitag, 21. November 2008 |
Eine spürbare Zunahme der Migration von hochqualifiziertem medizinischem Personal zeigte eine beim European Health Forum Gastein (EHFG) in Bad Hofgastein präsentierte OECD-Studie auf.
Die EU-Erweiterung und die damit verbundene einfachere Aus- und Einwanderung in europäischen Staaten haben die Entwicklung in den vergangenen Jahren befördert. Im Langfrist-Vergleich nimmt sich die Entwicklung durchaus dramatisch aus: In den vergangenen 30 Jahren ist die Zahl der Ärzte, die nicht in dem Land arbeiten, in dem sie ausgebildet wurden, um 240 Prozent gestiegen, hat sich also weit mehr als verdreifacht.
Mit Abstand größter „Gewinner“ dieser Wanderungsbewegungen sind die USA. Dort arbeiten mittlerweile mehr als 200.000 im Ausland geborene Ärzte. Das entspricht 25 Prozent aller in den USA tätigen Ärzte.
Den höchsten Anteil ausländischer Ärzte verzeichnen aber Neuseeland und in Europa Großbritannien mit 34 bzw. 33 Prozent.
Bereits jetzt sind die Gesundheitssysteme zahlreicher Länder vom Zuzug ausländischer Ärzte abhängig und „wenn nicht geeignete Maßnahmen getroffen werden, könnte diese Zahl in den kommenden Jahren noch deutlich steigen“, erklärt Studienautor Jean-Christophe Dumont.
Global sind derzeit mehrere Wanderungsströme festzustellen: Schon traditionell ist die Abwanderung von Ärzten aus den Entwicklungsländern im Süden in die Industriestaaten. Deutlich zugenommen hat die Migration aus den westlichen Staaten Europas nach Großbritannien, die USA und Kanada.
Gleichsam „in den Startlöchern“ steht eine große Zahl zentral- und osteuropäischer Ärzte: Anders als bei Pflegekräften hat die Auswanderungswelle noch nicht begonnen. Allerdings gibt es großes Interesse an einer Beschäftigung im Westen, das letztlich nur durch einen deutlichen Anstieg des Einkommensniveaus in den Oststaaten abgebaut werden könnte.
Die Sorgen der osteuropäischen Staaten formulierte beim EHFG auch der frühere litauische Gesundheitsminister Zilvinas Padaiga: „Bis jetzt haben drei Prozent der litauischen Ärzte Unterlagen für die Anerkennung ihrer Diplome im Ausland angefordert. Aber Umfragen zeigen, dass mehr als die Hälfte zumindest erwogen hat, ins Ausland abzuwandern“