Freitag, 21. November 2008
 

In Deutschland wird durchregiert – bei den Krankenhäusern wird rationiert!

18.10.2006 Quelle: VKD   

Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e. V. (VKD) warnt zum wiederholten Mal vor den Auswirkungen der Gesundheitsreform auf die Krankenhausversorgung. Von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt enthält der nun vorliegende Referentenentwurf weiterhin Regelungen, die ein Krankenhaussterben einleiten werden.

Die Leidtragenden sind die Bürger und die Patienten: Durch die von der Politik gewünschte Rationierung sinkt die Qualität der Krankenhausversorgung drastisch. „Die Regelungen zum sogenannten Sanierungsbeitrag der Krankenhäuser führen dazu, dass bei den besonders kranken Menschen gespart wird“, betonen die VKD-Vertreter in einem Schreiben an die Bundesgesundheitsministerin sowie an die Ministerpräsidenten und die Gesundheitsminister der Länder.

Das Festhalten an einem Sanierungsbeitrag im Referentenentwurf, besser gesagt an einer pauschalen Kürzung aller Rechnungen eines Krankenhauses um 0,7 % führt im Konzert mit den weiteren Belastungen, die im kommenden Jahr auf die Krankenhäuser zukommen, zu einer spürbaren Rationierung. Die Krankenhäuser müssen nicht nur den erwähnten „Sanierungsbeitrag“ schultern, sondern auch Belastungen aus der Umsatzsteuererhöhung und den Tarifsteigerungen bei ärztlichem und nichtärztlichem Personal. „Das trifft uns besonders hart“, erläutert VKD-Pressesprecher Rudolf Hartwig. „Nach Jahren der erfolgreichen Rationalisierung wird nun mit der Rationierung, also dem erzwungenem Weniger an Qualität und Leistung begonnen.“ Dazu VKD-Präsident Heinz Kölking: „Die 0,7% sind kein Sanierungs-, sondern ein Rationierungsbeitrag!“ Die Folgen für die Krankenhäuser und damit auch Patienten werden verheerend sein. Selbst bisher wirtschaftlich erfolgreiche Krankenhäuser erwarten für das nächste Jahr ein Defizit. Die zusätzlichen Belastungen können nur durch Personalkürzungen und drastische Einsparungen beim Materialeinkauf und den Investitionen kompensiert werden:

  • Die Wartezeiten in Notaufnahmen und Ambulanzen werden steigen.
  • Für planbare Operationen wie Hüft- oder Knieprothesen werden lange Wartelisten aufgebaut werden. Die Patienten müssen unter Schmerzen warten oder sich privat behandeln lassen.
  • Hochwirksame, neue Medikamente mit geringeren Nebenwirkungen bleiben beispielsweise Krebspatienten in der Chemotherapie vorenthalten, weil sie nicht mehr finanzierbar sind.
  • Für Maßnahmen zur Qualitätssicherung bleibt keine Zeit mehr. Die Folgen werden irgendwann spürbar sein.
  • Die Arbeitsbelastung für das noch vorhandene Personal nimmt weiter zu. Persönliche Gespräche und die Fürsorge der Ärzte und Schwestern für die Patienten bleiben auf der Strecke.
  • Besonders Abteilungen und Krankenhäuser in ländlichen Regionen werden schließen müssen. Die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung wird mittelfristig nicht mehr gesichert sein.
  • Nacht- und Notdienste werden bis aufs Minimum ausgedünnt werden müssen. Wer zur falschen Zeit krank wird, hat besonderes Pech. Unmittelbar spürbar werden diese Entwicklungen für die schwer kranken Patienten sein, die auf einen Krankenhausaufenthalt angewiesen sind. Die Politik der Rationierung wird auf dem Rücken der Alten und chronisch Kranken umgesetzt. Gesamtpolitisch schlimm ist, dass durch die angebliche Reform der Wachstumsmotor Gesundheit abgewürgt wird, bevor er richtig zu laufen beginnt. „Anstatt in eine Zukunftsbranche zu investieren, bedeuten die Kürzungen einen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen“, erklärt Kölking, für den nun deutlich wird, was die große Koalition unter „Durchregieren“ versteht.
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