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Etwa zwei Millionen Menschen mit Behinderungen in Deutschland sind Tag und Nacht auf fremde Hilfe angewiesen, wenn sie sich im Bett umdrehen wollen. Eine neue, in Hamburg erfundene Umlagerungshilfe verbessert die unangenehme Situation der Betroffenen.
Die Deutsche Muskelschwund-Hilfe (Hamburg) und die Asklepios-Kliniken haben die Technologie in den vergangenen Monaten zur Serienreife entwickelt. Die Kliniken haben der Muskelschwundhilfe dabei ihre Spezialeinrichtung in Höxter zur Verfügung gestellt und selbst die klinische Erprobung durchgeführt.
Erfunden wurde die Bett-Umlagerungshilfe in Hamburg vom Vorsitzenden der Deutschen Muskelschwund-Hilfe (DMH), Joachim W.A. Friedrich. Die Weserbergland-Klinik Höxter – eine Spezialklinik für Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen - hat die Innovation seit dem Sommer im Klinik-Alltag getestet und an der Entwicklung mitgearbeitet.
Im Therapiezentrum für Muskelkranke der Klinik wurden seit 1985 im Rahmen einer von der DMH finanzierten Studie mehr als 2.500 Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen systematisch und unter wissenschaftlicher Begleitung behandelt. Im Laufe der Jahre entstand so ein viel beachtetes Behandlungskonzept mit einer intensiven Physiotherapie für Muskelschwund-Patienten, das in Europa einmalig ist.
Und so funktioniert die Bett-Umlagerungshilfe, die derzeit exklusiv von der auf Medizin- und Pflegeprodukte spezialisierten Firma Lunavis hergestellt wird: Um sich in seine gewünschte Schlafposition zu bringen, nimmt der Patient eine kleine kabelgebundene Fernbedienung und drückt einen Knopf. Dies setzt dann mehrere Elektromotoren in Gang, die wiederum Rolltücher unter dem Schulter- und /oder dem Beckenbereich bewegen. So kann sich der Patient ohne eigene Muskelkraft zum Beispiel aus einer Rückenlage in eine Seitenlage bringen. Die Geschwindigkeit bestimmt er dabei selbst.
Im Klinik-Alltag hat sich das neue, patentierte System bereits bewährt. Zusätzlich profitiert auch das Pflegepersonal von dem neuen System, denn es schont den Rücken. In Höxter kommt die Technik jetzt routinemäßig im Klinikalltag zum Einsatz, wird also fester Bestandteil der Therapie. In der Ergotherapie wollen die Therapeuten das System künftig allen Patienten erklären und mit ihnen die Bedienung des Gerätes üben, so dass sie es auch zuhause nutzen können.
Die Bett-Umlagerungshilfe, die problemlos an die gängigsten Kranken- und Pflegebetten angebaut werden kann, soll Anfang kommenden Jahres erstmals in den Handel kommen. Geplant ist dabei zudem eine Variante, bei der sich neben Kopf und Becken auch die Füße per Rolltuch bewegen lassen. Preise für die Bett-Umlagerungshilfe stehen noch nicht fest.
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