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Die telemedizinische Therapie ist ein wirksames Instrument in der Rehabilitation neurologischer Erkrankungen wie Schädel- Hirnverletzungen oder Schlaganfällen. Dies ist das übereinstimmende Fazit von Fachleuten auf einer Tagung zum Thema kognitive Telerehabilitation in der Neurologie, die am 01. November 2006 in Bremen stattfand.
Telerehabilitation verknüpft die klassisch traditionelle Rehabilitation mit High-Tech Anwendungen. Durch die neuropsychologischen Behandlungsmethode können Patienten verloren gegangene Fähigkeiten wie Konzentration und Gedächtnis im Rahmen einfacher Trainingsaufgaben am Computer wieder erlangen. Spezielle Softwareprogramme und Telekommunikationstechnologien werden hierbei als Hilfsmittel eingesetzt.
„Erfolgreiche Innovationen entstehen gerade an Schnittstellen wie hier zwischen dem Gesundheitswesen und der Informationstechnologie“, sagte Dr. Joachim Grollmann, Geschäftsführer der Bremer Investitions-Gesellschaft mbH (BIG), zu Beginn der Veranstaltung. Nach den Ergebnissen einer 2005 durchgeführten Studie über gesundheitswirtschaftliche Potenziale im Land Bremen bestehen in diesem Bereich besonders zukunftsträchtige Aussichten für neue Arbeitsplätze, unterstrich Grollmann. Ziel der von der BIG veranstalteten Tagung war es, Austauschmöglichkeiten für künftige Kooperationen zu schaffen, um Gesundheitsversorgung und wirtschaftliche Entwicklungen auf diesem Gebiet weiter auszubauen. Zu den rund einhundert Teilnehmern gehörten Ärzte, Therapeuten, Vertreter von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Behindertenverbänden aus ganz Norddeutschland.
Als eine der Hauptinitiatoren setzte sich die Hannelore Kohl- Stiftung bereits Anfang der 1990er Jahre für die Anwendung der Telemedizin in der Rehabilitation von Hirnverletzten ein, beschrieb Achim Ebert, Geschäftsführer der Stiftung, deren Anfänge. „Die Telerehabilitation bietet vielfältige Möglichkeiten zur Wiedererlangung verloren gegangener Fähigkeiten und damit die Chance am Gesellschaftlichen Leben teilzuhaben“, unterstrich Ebert das Ziel der Methode. Im Bereich des Sprach-, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstrainings gehörten telemedizinische Trainingsprogramme in den Kliniken bereits zum Standart.
Voraussetzung sei allerdings die nötige Akzeptanz: „Die einfachen Übungen werden teilweise als Computerspiele oder Kinderkram missverstanden.“ Bedeutsam sei daher eine entsprechende Aufklärung durch den Therapeuten.
Ein Haupthemmnis für die Durchsetzung der erfolg versprechenden Behandlungsmethode ist nach Einschätzung mehrer Referenten auf der Tagung die bisher nur vereinzelte Kostenübernahme durch die Krankenkassen: „Die Anwendung der Telerehabilitation in Deutschland beschränkt sich bisher nur auf wenige Modellprojekte“, erklärte Dr. Sandra Müller. Die Leiterin der Neuropsychologischen Ambulanz an der Universitätsklinik Magdeburg unterstrich jedoch die Bedeutung derartiger Therapiemethoden. Vor allem durch die Verkürzung der Liegezeiten in Akut- und Rehakliniken werden nach aktuellen Studien schätzungsweise bis zu 60 000 Patienten pro Jahr bundesweit eine ambulante neuropsychologische Behandlung benötigen. Angesichts größerer Versorgungslücken in ländlichen Gebieten sei die Telerehabilitation eine sinnvolle Ergänzung zum bisherigen Angebot. „Unsere Patienten nehmen schon jetzt mehrere Stunden Anfahrtsweg in Kauf“, beschreibt die Psychologin die aktuelle Situation. Mit der derzeitigen Anzahl von 143 neurologischen Praxen bundesweit werde man zukünftig keine „Face to Face“ Betreuung realisieren können. Mit der Teletherapie sei dagegen eine kostengünstige und breite Versorgung in der Fläche ohne Verzicht auf den Therapeutenkontakt via Telekommunikation möglich, betont Müller. Richtige Anleitung der Teilnehmer, zielgerichtete Therapiepläne und gewisse Anforderungen an die Selbständigkeit der Patienten seien allerdings Voraussetzung für den Erfolg der Behandlung.
Ralf Heindorf, Neuropsychologe am Neurologischen Rehabilitationszentrum Friedehorst in Bremen Nord, hebt die Rolle des Therapeuten für die individuelle Anpassung der Computeraufgaben an die spezifischen neurologischen Defizite und die Lernfortschritte der Patienten hervor: „Es genügt nicht, eine Software zum Einzeltraining herauszugeben“.
Mit dem Ziel einer nachhaltigen neurologischen Rehabilitation haben Therapeuten in Friedehorst in Kooperation mit der Bremer Firma Abraxas Medien eine Therapiesoftware entwickelt, die Patienten auch nach dem stationären Aufenthalt zu Hause anwenden können. Im Rahmen eines Förderprogramms der Bremer Investitions-Gesellschaft (BIG) entstand eine interaktive Trainingssoftware. Mit je einer kompletten Erwachsenen- oder Kinderversion trainieren die Patienten Konzentration, visuelles Vorstellungsvermögen, räumliches Denken und Reaktionsschnelligkeit quasi per Mausklick. Nach der Entlassung setzen sie die Therapie am häuslichen Computer fort: Per Internetanschluss bleibt der bekannte Therapeut mit ihnen im Kontakt, schickt weitere Aufgaben und passt sie je nach Behandlungserfolg an. „Vorteil der Teletherapie ist, dass die Behandlung auch über weite räumliche Entfernung einen langen Zeitraum und mit hoher Intensität fortgesetzt werden kann“, erklärt Heindorf. Der wesentliche Wirkfaktor der Psychotherapie sei jedoch nach wie vor die Beziehung zwischen Patient und Therapeut.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Internet unter www.gesundheitswirtschaft-bremen.de
Für Fragen steht Ihnen auch gerne unsere Ansprechpartnerin Eva Zweidorf von der BIG Tel. 0421-9600-342 oder E-Mail zweidorf@big-bremen.de zur Verfügung.
Presse-Kontakt: Juliane Lübker, BIG Bremen – Die Wirtschaftsförderer, Telefon 0421 9600 128, juliane.luebker@bigbremen. de.
Unter der Marke BIG Bremen – Die Wirtschaftsförderer trägt die Bremer Investitions- Gesellschaft mbH (BIG) als zentrale Einrichtung des Landes Bremen für Landesentwicklung und Wirtschaftsförderung wesentlich zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes sowie zur Sicherung und Schaffung neuer Arbeitsplätze in Bremen bei. Weitere Informationen unter www.bigbremen. de.
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