Freitag, 21. November 2008
 

Studie zeigt überraschende Befunde zum Sexualverhalten in 59 Ländern

27.01.2007 Quelle: Redaktion /ws   

Foto: pixelquelle.deEine neue Studie zum Sexualverhalten und zu sexuell übertragenen Krankenheiten, zu Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbrüchen, Gewalt gegen Frauen und zu vielen anderen Fragen im Zusammenhang mit dem Thema Sexualität ist aktuell veröffentlicht worden.

Durchgeführt wurde die Studie von der "London School of Hygiene & Tropical Medicine" unter Leitung von Prof. Kaye Wellings. Aus einer Vielzahl von Datenbanken und Internet-Bibliotheken weltweit, wurden Veröffentlichungen der Jahre 1996-2006 zusammengetragen und analysiert. Ergebnisse wurden jetzt in mehreren Aufsätzen in der renommierten Zeitschrift "The Lancet" veröffentlicht. Die Studie widerlegt dabei eine Reihe von Vorurteilen, zeigen aber auch, welche große Bedeutung "Sexualität" für die Gesundheit hat und wie groß die Probleme in Entwicklungsländern sind.

Anhand einer Vielzahl von Grafiken und Tabellen wird in beeindruckender Weise das Gefälle zwischen wohlhabenden Industrienationen und Dritte-Welt-Ländern dargestellt. Hier wurden Indikatoren herangezogen wie: Gesundheitsriskante und unprofessionelle Schwangerschaftsabbrüche, Genitalverstümmelung bei Frauen, HIV- und AIDS-Raten sowie andere sexuell übertragene Krankheiten, ungewollte Schwangerschaften bei Jugendlichen.
Die Studie überraschte noch mit weiteren Ergebnissen, wie u.a. das FORUM GESUNDHEITSPOLITIK berichtet:

• Entgegen landläufiger Meinung hat sich der Zeitpunkt erster sexueller Erfahrungen (Geschlechtsverkehr) in den letzten 20 Jahren nicht nach vorne, zu einem früheren Lebensalter verschoben. Im Gegenteil zeigt sich für alle Länder, für die Daten verfügbar waren, dass sich dieser Zeitpunkt bei Frauen sogar ein wenig nach hinten, zu einem höheren Alter verlagert hat. Die Forscher erklären dies mit einem zugleich angestiegenen Heiratsalter, das nach wie vor für viele erst die Möglichkeit zu sexuellen Erfahrungen bietet. Für Männer zeigt sich überwiegend, dass der Anteil derjenigen, der vor dem Alter von 15 zum ersten Mal Sex hat, stabil geblieben ist oder (insbesondere in Lateinamerika und Afrika) geringfügig gestiegen ist.

• Die Quote für sexuelle Promiskuität, also Sexualkontakte mit mehreren Partnern, fällt deutlich höher aus in wohlhabenden Staaten und nicht in Ländern der "Dritten Welt". Da in diesen Entwicklungsländern jedoch andererseits der Anteil der von AIDS und HIV Betroffenen deutlich höher liegt, folgern die Autoren: Die Problematik der durch Sexualität übertragenen Krankheiten ist sehr viel weniger begründet in einem "unmoralischen", promiskuitiven Sexualverhalten, als sehr viel eher in sozialen und ökonomischen Defiziten wie Armut, erzwungene Mobilität (Flucht vor Bürgerkrieg oder Armut) und Diskriminierung von Frauen.

• Die Quote ungewollter Schwangerschaften bei Teenagern ist in den USA auch im Vergleich zu anderen industrialisierten Nationen überdurchschnittlich hoch. Allerdings ist diese Quote im letzten Jahrzehnt gesunken, von 117 Schwangerschaften pro 1.000 weibliche Teenager im Jahre 1990 auf 82 im Jahre 2001. Als Erklärung hierfür wird in einigen Studien nicht nur die gestiegene Anwendung von Verhütungsmethoden und ein Effekt von Wohlfahrts-Programmen der Clinton-Regierung genannt, sondern auch die (von der Bush-Regierung geförderte) zunehmende sexuelle Enthaltsamkeit Jugendlicher.

Die im "Lancet" veröffentlichten Aufsätze bieten noch eine Vielzahl weiterer Informationen, die auch für Public-Health-Aktivitäten ebenso wie für politische Konzepte überaus fruchtbare Anregungen bringen. Die Aufsätze sind kostenlos auch als Volltext abrufbar.

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