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Insgesamt hat die EU reale Chancen, die Ziele des Lissabon-Prozesses und ihre Maastricht-Vorgaben zu erreichen. Allerdings haben die meisten EU-Staaten noch einen weiten Weg vor sich, um auch langfristig haushaltspolitische Stabilität und dynamisches Wirtschaftswachstum wie etwa die USA oder Kanada zu erreichen.
Dies ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung, die die Erfolgsaussichten von 30 OECD- und EU-Staaten untersucht. Neben dem Status quo wurden die langfristigen Zukunftsperspektiven der einzelnen Länder bewertet. Danach sind vor allem die nordeuropäischen Sozialstaaten und die angelsächsisch geprägten Wirtschaften am besten in der Lage, die europäischen Normen zu erfüllen. Die kontinentaleuropäischen und mediterranen Wirtschaftssysteme weisen dagegen noch erhebliche Defizite bei vielen der vereinbarten Kriterien auf.
So können im Vergleich zu anderen Industriestaaten nach heutigem Stand neben Luxemburg nur Schweden, Finnland und Dänemark eine Performance aufweisen, wie sie die USA, Norwegen, die Schweiz oder Kanada zeigen. Die übrigen EU-Staaten weisen anhand zahlreicher Indikatoren zum Teil erhebliche Abweichungen und Defizite auf. So liegen etwa Deutschland oder Belgien über dem EU-Durchschnitt und haben eine vergleichbar positive Perspektive wie etwa die Volkswirtschaft von Japan. Dagegen liegen die meisten Kontinentaleuropäer auch bei den Lissabon-Zielen deutlich zurück. Die Schlusslichter in der finanz- und wachstumspolitischen Zukunftsperspektive bilden Griechenland und Italien.
Trotz der aktuell verbesserten Haushaltslage erfüllt Deutschland nach dieser Studie noch immer nicht die Kriterien einer nachhaltigen Fiskalpolitik, wie sie die Maastricht-Kriterien fordern. Obwohl zuletzt die Verschuldungsquote des Landes für 2006 auf nur noch 1,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) begrenzt werden konnte, fällt die mittel- und langfristige Betrachtung für Deutschland eher negativ aus. Bei der Bewertung der fiskalischen Nachhaltigkeit erreicht Deutschland unter allen bewerteten 30 Industriestaaten nur den vorletzten Platz vor Italien. Dagegen kann Deutschland auch langfristig mit hohen Wachstumschancen rechnen und braucht den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. In Bezug auf die Lissabon-Ziele findet es sich auf einem guten mittleren Platz hinter Ländern wie Dänemark und Großbritannien.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse dieser Vergleichsstudie, so die Bertelsmann Stiftung, sei der Nachweis, dass sich die beiden Zielgrößen "Lissabon" und "Maastricht" nicht gegenseitig ausschließen, sondern synergetisch ergänzen. Staaten, die beide Ziele mit gleicher Priorität anstreben, können mittelfristig erfolgreicher sein als diejenigen, die hier einseitige Gewichtungen vornehmen. Hier bestätigen sich noch mal die Erkenntnisse des Internationalen Standort-Rankings der Bertelsmann Stiftung.
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