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Innovative Medizintechnologien werden in Deutschland zu restriktiv eingesetzt und ihre Potentiale nicht ausreichend genutzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Strategieberatung CEPTON im Auftrag des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed).
Die Innovationshürden im deutschen Gesundheitssystem liegen nach der Studie vor allem in den trägen und komplizierten Erstattungssystemen, der kurzfristig orientierten Budgetkontrolle, den sektoralen Interessen (ambulante vs. stationäre Versorgung) und der teilweise mangelnden Kenntnis innovativer Therapien. Die Studie „Nutzen durch Innovation“, die auf der heutigen BVMed-Mitgliederversammlung in Berlin vorgestellt wurde, belegt den Beitrag medizintechnologischer Innovationen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Deutschland an konkreten Beispielen.
Vor dem Hintergrund immer älter werdender Menschen und einem immer größeren Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung stellt sich mit dem Erringen von medizinischen Innovationen unmittelbar die Frage der Bezahlbarkeit durch das jeweilige Gesundheitssystem. Deshalb wurde in der Studie an konkreten Beispielen innovativer Medizintechnologie, wie Drug Eluting Stents, kardialer Resynchronisationstherapie, innovativer Wundversorgung, Adipositas-Chirurgie und Endoprothetik der Nutzenbeitrag von Innovation untersucht.
Die Notwendigkeit zur erneuten Operation kann z. B. durch den Einsatz von medikamentenfreisetzenden Stents, sogenannten Drug Eluting Stents (DES), um 50 bis 70 Prozent gesenkt werden. Damit kann die Behandlung schwerstkranker Menschen mit koronarer Herzkrankheit, der Haupttodesursache und ein wesentlicher Kostenblock im deutschen Gesundheitssystem, deutlich verbessert werden. Die dadurch reduzierten Folgekosten wiegen zudem die initialen Mehrkosten des DES wieder auf. Dennoch zeigt die Studie auf, dass trotz der medizinischen und ökonomischen Vorteile die aktuelle Anzahl an Eingriffen mit DES nicht den Leitlinien der Fachgesellschaften entspricht.
Die Studie belegt auch, dass durch kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) die hohe Sterblichkeit von Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz um fast 40 Prozent gesenkt werden kann. Trotzdem versterben immer noch mehr als vier von zehn Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz innerhalb von zwei Jahren. Gleichzeitig könnten durch die deutlich reduzierte Anzahl an Klinikeinweisungen bei CRT-Patienten die initialen Mehrkosten für die Implantation des CRT-Geräts über die Lebenszeit des Geräts beinahe völlig eingespart werden. Zusammen mit der eindrucksvoll gesteigerten Lebensqualität der Patienten ergibt sich in der Studie für die kardiale Resynchronisationstherapie eine positive Kosten-Nutzen-Relation – auch im Vergleich zu anderen etablierten Therapien. Gleichwohl ist die Anwendung der CRT in Deutschland noch eher selten im Vergleich zu anderen Ländern, wo längst die Mehrzahl der Patienten davon profitiert.
Um bis zu 25 Prozent ließen sich die Gesamtkosten der Behandlung von über 4 Millionen Menschen mit chronischen, nicht heilenden Wunden senken, wenn mit innovativen Produkten im Wundmanagement gearbeitet würde. Dies ist auf die deutlich beschleunigte Heilung und den um ein Vielfaches reduzierten Bedarf an Verbandwechseln zurückzuführen. Darüber hinaus können die Schmerzen durch solche Wunden um über die Hälfte gesenkt werden. Dennoch kommt die Studie zu dem Schluss, dass in Deutschland immer noch 40-mal so viele konventionelle wie innovative Wundverbände eingesetzt werden.
Völlig falsch wird in Deutschland die Rolle der Adipositas (Fettleibigkeit) eingeschätzt. Für die etwa 1 Million Menschen mit schwerster, krankhafter Adipositas ist die Adipositas-Chirurgie die einzige dauerhaft wirksame Therapie. Durch sie können die Sterberate der Patienten um fast 70 Prozent gesenkt und schwerste Folgeerkrankungen, wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus um 60 bis 80 Prozent drastisch reduziert werden. Dadurch lassen sich auch die Gesamtkosten für die Behandlung der Patienten mit schwerster Adipositas eindrucksvoll senken. Eine unklare Erstattungssituation und fehlende Möglichkeiten zur Eigenbeteiligung verhindern in Deutschland jedoch den breiteren Einsatz dieser effektiven Therapie.
Durch die starke Innovationskraft im Bereich der Endoprothetik hat sich die Haltbarkeit künstlicher Gelenke in den letzen Jahren auf deutlich über 25 Jahre erhöhen lassen. Damit steht über 9 Millionen Menschen in Deutschland, die vor der Implantation ständig unter Schmerzen, Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung durch Arthrose und Arthritis leiden, eine höchst effektive Therapie zur Verfügung. Auch jüngeren Patienten kann somit schneller und länger ein schmerzfreies und mobiles Leben ermöglicht werden. Gleichzeitig bleibt vielen Menschen eine
erneute Operation und ein zweiter Gelenkersatz erspart, wodurch sich auch die Gesamtkosten der Behandlung deutlich reduzieren lassen. Dennoch wird in Deutschland der Einsatz moderner Produkte durch kurzfristige Kostenbetrachtung erschwert, so die Studie.
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