Samstag, 11. Oktober 2008
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Pharmaindustrie in der Vertrauenskrise?

19.04.2007 Quelle: Wolfgang Steiger   

Foto: photocase.comMehr Transparenz soll das Vertrauen der US-Verbraucher in die Pharmaindustrie verbessern. In einer aktuellen Studie für den amerikanischen Pharmamarkt stellt PricewaterhouseCoopers (PwC) fest, dass die Verbraucher der US-Pharmaindustrie äußerst kritisch gegenüberstehen.

Fast die Hälfte der Konsumenten zweifelt am medizinischen Nutzen neuer Präparate / Werbung trägt wenig zur Verbesserung des Image bei. Es ist schwer nachvollziehbar, dass eine Branche, deren Ziel es ist, Leben zu retten und die allgemeine Gesundheit zu erhalten, eine so schlechte Reputation hat, wie die Pharmaindustrie. Diese hat aus einer Vielzahl von Gründen in den letzten Jahren zunehmend das Vertrauen der Patienten, Versicherungen, Ärzte und der Regulatoren verloren. In einer aktuellen Studie für den US-Pharmamarkt stellt PricewaterhouseCoopers (PwC) die Gründe für diesen Vertrauensverlust dar und zeigt Möglichkeiten zur Umkehr dieses Trends auf.

Verbraucher unterschätzen Entwicklungsaufwand für Medikamente

Das latente Misstrauen beruht zum Teil auf Informationsdefiziten. So schätzen die meisten Verbraucher den Anteil der Medikamentenausgaben an den Gesundheits­kosten viel zu hoch ein. Umgekehrt unterschätzen die befragten Verbraucher die Kosten, die mit der Entwick­lung neuer Wirkstoffe und Arzneimittel verbunden sind. Bedenklich ist, dass die Mehrheit der Experten am korrekten Umgang der Pharma­industrie mit Medikamentenstudien zweifelt. So sind über 60 Prozent der Ansicht, dass die Arzneimittelhersteller häufig negative klinische Testergebnisse unterdrücken oder sogar manipulieren.

Bei 80 Prozent der US-Verbraucher ist das Image des Herstellers entscheidend

Verlieren Konsumenten das Vertrauen in eine Marke, hat dies erhebliche negative Auswirkungen. Denn für fast 80 Prozent der befragten Verbraucher gibt das Image des Herstellers den Ausschlag bei der Kaufentscheidung, sofern die Wahl zwischen mehreren gleichwertigen Präparaten besteht. 

Werbung trägt wenig zur Verbesserung des Image bei

Die verstärkten Werbeausgaben im US-Pharmamarkt tragen hingegen kaum zu einer Imageverbesserung bei. Nur 10 Prozent der Konsumenten fühlen sich durch die Arznei-mittelwerbung sinnvoll und ausreichend informiert. Im Gegenteil, 94 Prozent sind sogar davon überzeugt, dass die Pharmaindustrie zu aggressiv für nicht zugelassene Anwen-dungsindikationen ihrer Produkte wirbt.

Vorbehalte von Verbrauchern durch größere Transparenz mindern

Auch wenn viele Vorbehalte der US-Konsumenten gegenüber der Pharmaindustrie auf falschen oder unvollständigen Informationen beruhen, darf die Branche das wachsende Misstrauen nicht einfach ignorieren. „Die Unternehmen müssen ihre Geschäftspolitik von der Entscheidung für die Entwicklung eines bestimmten Medika­ments über die Preisge-staltung bis hin zu Vertrieb und Marketing transparent gestal­ten, um verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen", betont Volker Booten. Da abseh­bar sei, dass auch Patienten in Deutschland für Medikamente künftig mehr aus eigener Tasche bezahlen müssten, sollten Hersteller hierzulande rechtzeitig Lehren aus den Erfahrungen in den USA ziehen.

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