| Montag, 06. Oktober 2008 |
Management
Rabattverträge senken Kosten - aber nicht in der Apotheke?
Mit Inkrafttreten des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes (GKV-WSG) zum 1. April 2007 wurde die Vertragsfreiheit zum Abschluss von Rabattverträgen zwischen gesetzlichen Krankenkassen und pharmazeutischen Herstellern ausgeweitet, um Kosteneinsparungen zu realisieren.
Hiervon haben mittlerweile viele Krankenkassen und Hersteller Gebrauch gemacht. Auf der Apothekenebene verläuft die Umsetzung der Rabattverträge jedoch nicht ohne Reibungsverluste. So zeigt eine aktuelle Untersuchung des Kölner Instituts für Handelsforschung (IfH), dass viele Apotheker in den Rabattverträgen einen Eingriff in ihren Arbeitsalltag sehen, der mit einem erhöhten Verwaltungsaufwand, einer komplizierten Kundenberatung und häufigen Defekten einhergeht. Hinzu kommen Kostensteigerungen in der Apotheke, die u. a. auf die durch die Rabattvereinbarungen hervorgerufenen Lagerbestandsveränderungen zurückzuführen sind.
Rabattverträge rufen Probleme im Arbeitsalltag der Apotheken hervor
Für mehr als neun von zehn Apothekern (94 %) hat sich der Arbeitsalltag in der Apotheke durch die Rabattverträge deutlich geändert. Neben einem erhöhten Verwaltungsaufwand sind dabei Umsetzungsprobleme an der Tagesordnung: 88 % der Befragten gaben an, dass die Umsetzung der Rabattverträge in ihrer Apotheke Probleme hervorruft. Dies betrifft insbesondere die Kundenberatung, die seit Inkrafttreten der Rabattverträge komplizierter geworden sei. Außerdem wird beklagt, dass die Verfügbarkeit der rabattierten Arzneimittel häufig nicht sichergestellt sei.
Kunden reagieren häufig verärgert
Die durch die Rabattverträge in den Apotheken hervorgerufenen Probleme zeigen sich auch darin, dass in mehr als neun von zehn Apotheken (92 %) mehrmals am Tag Kunden Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, weil rabattierte Arzneimittel nicht vorrätig sind. Dabei fällt den Apothekern häufig die Aufgabe zu, die Kunden über den Sinn und Zweck sowie das Procedere der Rabattverträge zu informieren. Dennoch reagieren die Kunden in vielen Fällen verärgert auf die Substitution eines bewährten durch ein rabattiertes Arzneimittel.
Apotheker erwarten Kostensteigerungen
Die Veränderungen im Arbeitsalltag der Apotheke führen zu Kostensteigerungen – hiervon sind 89 % der befragten Apotheker überzeugt. Eine Ursache hierfür ist u. a. in den durch die Rabattvereinbarungen hervorgerufenen Lagerbestandsveränderungen zu sehen. Deutliche Auswirkungen der Rabattvereinbarungen auf das Apothekenlager erwarten fast neun von zehn Apothekern. Die Rabattverträge stellen damit eine erhebliche Herausforderung für Apotheken dar.
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Die Mitteilung ergänzt um Datentabellen und Abbildungen erhalten Sie anbei zum Download:
IfH_Pressemitteilung_Rabattvertraege.pdf
Die Untersuchung
Das Institut für Handelsforschung ist der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen die zwischen gesetzlichen Krankenkassen und pharmazeutischen Herstellern geschlossenen Rabattverträge auf der Apothekenebene nach sich ziehen. An der Erhebung beteiligten sich insgesamt 102 Apotheken. Im Fokus der explorativen Untersuchung stand zum einen die Frage, in welcher Form die Rabattverträge den Arbeitsalltag in der Apotheke generell beeinflussen und zum anderen, wie häufig sie zu spezifischen Problemen im Umgang mit den Kunden führen. Außerdem wurde gefragt, ob die Umsetzung der Rabattverträge zu Veränderungen bei den Lagerbeständen und zu Kostensteigerungen in der Apotheke geführt hat.
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