| Freitag, 21. November 2008 |
Management
Wirtschaftskriminalität kostet Unternehmen sechs Mrd. Euro Wirtschaftskriminalität nimmt weiterhin zu und kostet deutsche Unternehmen pro Jahr rund sechs Mrd. Euro. Verglichen zum weltweiten Durchschnitt sind die finanziellen Schäden vor allem in den Emerging Markets dreimal höher. Zudem werden westeuropäische Top-Manager noch immer viel zu selten von den Unternehmen angezeigt, um Imageschädigungen vorzubeugen.
Zu diesem Schluss kommt die Wirtschaftsprüfungs- und
Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in
ihrer heute, Montag, präsentierten Studie "Wirtschaftskriminalität
2007", bei der weltweit 5.428 Unternehmen - darunter 1.166 in
Deutschland - befragt wurden. "Deutsche Unternehmen in den Emerging
Markets sind eher bilanzorientiert, als sich auf ein effizientes
Kontrollumfeld zu konzentrieren", erläutert Claudia Nestler,
PwC-Partnerin im Bereich Forensic Services, im Gespräch mit pressetext.
Im Detail kommt die Befragung zu dem Fazit, dass fast jedes zweite
Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren Schäden durch
Unterschlagungen, Korruption oder andere Formen von
Wirtschaftskriminalität zu beklagen hatte. Traurige Spitzenreiter sind
hierbei die E7-Staaten China, Russland, Indien, Indonesien, Brasilien,
Mexiko und die Türkei. "Viele deutsche Unternehmen, die in diesen
Regionen Tochtergesellschaften besitzen oder anderweitig investieren,
sind - was Kontrolloptionen angeht - im Vergleich zu US-amerikanischen
Firmen noch immer viel zu sorglos im Umgang mit dem Thema. Überraschend
ist daher, dass trotz ansteigender Fälle nur zehn Prozent der befragten
Unternehmen befürchten, selbst Opfer zu werden", unterstreicht Nestler.
Alarmierend ist auch die Praxis vieler Firmen, die entdeckten
Straftaten in jedem dritten Fall nicht anzuzeigen, wobei deutsche
Unternehmen sogar nur bei jedem zweiten Delikt die Staatsanwartschaft
einschalten. Zudem wurden in den Jahren 2005/2006 Industriespionage und
Produktpiraterie häufiger aufgedeckt, sodass der Anteil der betroffenen
Unternehmen auf 18 Prozent anstieg (2001/2002: acht Prozent). Ein
Grossteil der Wirtschaftskriminalität lässt sich in den E7-Staaten
finden, dieser beläuft sich im Schadensausmaß auf fast 4,4 Mrd. Euro je
Unternehmen. Übrige Länder schlagen mit durchschnittlichen Schäden von
"nur" 1,6 Mrd. Euro pro Fall zu Buche.
"Die USA mit ihrer stärker als hierzulande ausgeprägten
Finanzmarktaufsicht SEC http://www.sec.gov deckt strafbare Handlungen
viel häufiger durch systematische Kontrollen auf. Deutsche Unternehmen
besitzen somit noch erheblichen Nachholbedarf", meint Nestler.
Untermauert wird diese Einschätzung mit Blick auf deutsche Unternehmen,
die in den Standort China investieren. Nur 39 Prozent der befragten
Deutschen haben ihre Kontrollen seit 2005 intensiviert, während 53
Prozent anderer ausländischer Unternehmen dies bereits umgesetzt haben.
Zwar verfügen viele deutsche Gesellschaften über entsprechende
Ethik-Richtlinien, dennoch besitzen nur wenige auch ein
Compliance-Programm. "Es ist wichtig, dass Unternehmen offen sind, ihre
Unternehmenskultur veränderbar zu gestalten", so Nestler.
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