| Freitag, 21. November 2008 |
Management
Bulgarische Minister geben Startschuss für Gesundheitskarte Der bulgarische Gesundheitsminister Professor Radoslav Gajdarski und Vize-Premierminist Dr. Nikolay Vassilev haben am 3. Oktober das Pilotsystem für die elektronische Gesundheitskarte in Bulgarien offiziell gestartet. Das System kommt in der Kleinstadt Slivnitza etwa 30 Kilometer außerhalb von Sofia zum Einsatz. Dort wurde beim offiziellen Start das erste elektronische Rezept des neuen EU-Mitglieds ausgestellt und eingelöst.
Das in Bulgarien verwendete Gesundheitskartensystem basiert auf dem gleichen System, das die ICW bereits seit 2005 in einem eigenen Feldtest im Badischen Walldorf testet. Es wurde so angepasst, dass es die speziellen Anforderungen des bulgarischen Gesundheitssystems erfüllt. In dem laufenden Projekt testen sieben Ärzte, vier Apotheken und 1.000 Patienten, wie mit der Gesundheitskarte Patienten sicher identifiziert werden können und wie sich elektronische Rezepte ausstellen und einlösen lassen. Das Pilotprojekt führt auch eine sichere Kommunikationsinfrastruktur ein, die später so ausgebaut werden kann, dass über persönliche Gesundheitsakten auch medizinische Informationen ausgetauscht werden können.
Dr. Eleonora Popova ist die erste Hausärztin, die das System nutzt. Sie erklärt: „Das neue eCard-System verringert unseren bürokratischen Aufwand deutlich. Die elektronischen Rezepte lassen sich sehr schnell ausstellen, sind immer gut lesbar und fehlerfrei. So gewinnen wir mehr Zeit für unsere Patienten.” Das System erstellt automatisch ein eRezept, sobald der Arzt seine Diagnose und die gewünschte Medikation eingegeben hat. Aus Sicherheitsgründen wird das Rezept – wie auch in Deutschland vorgesehen – mit einem Heilberufsausweis und einer PIN elektronisch signiert.
Die eRezepte werden auf einem Hochsicherheits-Server beim bulgarischen National Health Insurance Fund (NHIF) gespeichert, wo sie über eine Kennung auf der Karte abgerufen werden können. Die gesamte Datenübertragung erfolgt über ein spezielles Sicherheitsgerät – die so genannte ICW Box –, die vom eHealth-Spezialisten ICW gemeinsam mit Cisco, dem weltweit führenden Anbieter von Routing- und Netzwerklösungen, entwickelt wurde. Die ICW Box kommt in einer anderen Version auch in deutschen Gesundheitskarten-Testregionen als Konnektor zum Einsatz. Sie verschlüsselt die zu übertragenden Informationen und verschickt sie über ein Virtual Private Network (VPN), also eine speziell gesicherte Internet-Verbindung. Über das Software Development Kit (SDK) der ICW wurden bereits vorhandene Arzt- und Apotheker-Systeme verschiedener Anbieter an das Gesundheitskartensystem angebunden.
In der Apotheke kann das eRezept gelesen werden, wenn die Gesundheitskarte des Patienten und der Heilberufsausweis des Apothekers gleichzeitig in einem Kartenleser stecken. Nach der Ausgabe des verordneten Medikaments bestätigt der Apotheker die Dispensierung einfach mit seinem PIN-Code. Diana Dimitrova, Inhaberin der Apotheke, die das erste bulgarische eRezept einlöste, erklärt: „Im Moment brauchen wir noch bis zu drei Stunden am Tag, um unsere Berichte für den NHIF zu schreiben und zu übermitteln. Mit den elektronischen Rezepten werden diese Informationen automatisch übermittelt, sobald wir die Medikation ausgeben.”
Peter Reuschel, Vorstandsvorsitzender der ICW, die das Projekt als Generalunternehmer leitet, ergänzt: “Mit dem heutigen Start des Pilotprojekts für die nationale elektronische Gesundheitskarte schiebt sich Bulgarien auf einen vorderen Platz unter den eHealth-Anwendern in Europa.“
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