Sonntag, 07. September 2008
 

Abbau von Pflegekräften gefährdet die Versorgungsqualität

16.10.2007 Quelle: Kerstin Stachel   

Foto: photocase.comFakten von gesundheitswirtschaft.info zur Situation der Pflegekräfte - In Deutschland wird seit 10 Jahren kontinuierlich Pflegepersonal im Krankenhaus abgebaut und die Belastung der Pflegekräfte steigt kontinuierlich an, wie die nachfolgenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen:


  • In Zeitraum von 1995-2005 wurden 48.225 Vollzeitäquivalente (-13,8 Prozent) abgebaut. Im gleichen Zeitraum wurde ärztliches Personal in erheblichem Umfang (+19,5 Prozent) aufgebaut.
  • In der gleichen Zeitspanne hat sich die Fallzahl der stationär behandelten Patienten erhöht (1995: 15.931.168 / 2005: 16.873.885) und gleichzeitig ist die Verweildauer (1995: 11,8 auf 2005: 8,6) gesunken. Hieraus resultiert eine Arbeitsverdichtung, da Diagnostik und Therapie in kürzeren Zeitabständen durchgeführt werden müssen.
  • Die Belastungszahl des Pflegedienstes nach Fällen stieg in zehn Jahren von 48,4 (1995) Patienten auf 55,8 (2005), was einem Plus von 15,3 Prozent entspricht. Die Belastungszahl von Ärzten fiel im gleichen Zeitraum von 156,8 (1995) auf 138,8 (2005). Dies entspricht einem Rückgang um 11,5 Prozent.


Wie wirkt sich dies auf die Stimmung und die Arbeitsbedingungen bei den Pflegekräften aus?

  • So gab mehr als ein Drittel der Befragten (38 Prozent) in der DAK/BGW Studie an, sehr oft unter Zeitdruck zu leiden, 29 Prozent haben sehr oft keine Möglichkeit, Pausen einzulegen. Über ein Viertel aller Befragten leistet durchschnittlich mehr als 10 Überstunden im Monat, bei den Pflegekräften mit Leitungsfunktion sind es sogar über 40 Prozent.
  • Jede fünfte Pflegekraft denkt über den Ausstieg aus dem Beruf nachgedacht und 13 Prozent haben über einen Arbeitgeberwechsel nachgedacht. (DAK/BGW-Studie)
  • Der Krankenstand lag 2003 mit 3,9 Prozent über dem DAK-Durchschnitt von 3,5 Prozent. Besonders häufig sind Pflegekräfte von Erkrankungen am Muskel-Skelett-System betroffen, gefolgt von Erkrankungen des Atmungssystems, Verletzungen und psychischen Erkrankungen. Mit einem Anteil von 9,3 Prozent am Krankenstand treten psychische Krankheiten öfter auf als im DAK-Durchschnitt (8,8 Prozent am Krankenstand).


Wie wirken sich schlechte Arbeitsbedingungen in der Pflege auf die Qualität der Pflege und die Patientenzufriedenheit aus?

  • Internationale Studien zeigen: Leiden Pflegekräfte unter Burnout sinkt die Patientenzufriedenheit.
  • Studien aus den USA zeigen: In Krankenhäusern, in denen Pflegekräfte acht Patienten betreuen, ist die Mortalität um 31 Prozent höher als in Krankenhäusern, in denen sie lediglich vier Patienten betreuen.
  • Im Durchschnitt betreute eine Pflegekraft in einem englischen Akutkrankenhaus zwischen 6,9 und 14,3 Patienten. Eine Studie zeigt, dass der Pflegeschlüssel die Sterblichkeit der Patienten beeinflusst. Auf den Stationen mit wenigen Pflegekräften war die Sterblichkeit um 26 Prozent erhöht. Wären alle Patienten in den Krankenhäusern mit den meisten Pflegekräften pro Patient behandelt worden, so hätten 246 Todesfälle vermieden werden können, so die Ergebnisse der Studie.
  • Nach Einschätzung der für den Pflegethermometer 2007 befragten Pflegedirektionen wirkt sich die angespannte Personalsituation in der Krankenhauspflege bereits jetzt auf die Patientenversorgung und -sicherheit aus. So können Umlagerungen, Mobilisationen, Schmerzmittelverabreichungen und Überwachungen von operierten Patienten nicht mehr in jedem Krankenhaus optimal gewährleistet werden. Als Folge der sinkenden Kontakthäufigkeit zwischen Krankenpflegepersonal und Patienten müssen in mehr als 75 Prozent der Einrichtungen unter Schmerzen leidende Patienten länger als 15 Minuten auf die notwendige Verabreichung von Schmerzmitteln warten.
  • Das Pflegethermometer zeigt auch, dass in 20 Prozent der Krankenhäuser die Beschwerden von Patienten und Angehörigen über die Versorgung zunehmen.


Wie sieht die Zukunft aus?

Der Bedarf an pflegerischen Leistungen wird in Zukunft aufgrund der demografischen Entwicklung steigen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der erwerbsfähigen Personen. Hinzukommt, dass der Pflegeberuf aufgrund der hohen Arbeitsbelastung und den unattraktiven Arbeitszeiten für junge Menschen immer unattraktiver wird. Schon heute zeigt sich ein Ausbildungsrückgang. In Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland in Deutschland, wurde in der Krankenpflegeausbildung ein Ausbildungsrückgang zwischen 1995 und 2002 um 19 Prozent verzeichnet. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der Auszubildenden in der Altenpflege um 8,0 Prozent zurück.

Länder wie die USA verzeichnen bereits heute einen massiven Pflegekräftemangel und werben Pflegekräfte aus anderen Ländern ab. Pflegekräfte aus Deutschland werden nur deshalb nicht so häufig abgeworben, da die Pflegeausbildung in Deutschland nicht akademisch ist und damit der Ausbildungsabschluss mit den Abschlüssen in den englischsprachigen Ländern nicht vergleichbar ist. Setzt sich die Akademisierung der Pflege auch in Deutschland durch, so werden deutsche Pflegekräfte verstärkt abgeworben werden, spätestens dann müssen sich Krankenhäuser Gedanken um attraktive Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte machen.


Das Fazit
von gesundheitswirtschaft.info: Der Abbau von Pflegekräften ist kontraproduktiv im Hinblick auf die zukünftige demografische Entwicklung und die Qualität der Patientenversorgung.

Diesen Beitrag diskutieren... (0 Beiträge)

Tag it:
Delicious
Furl it!
Spurl
NewsVine
Reddit
YahooMyWeb
Digg
blogmarks
Simpy


Ähnliche Beiträge
Neuere Beiträge
Ältere Beiträge
<< zurück                    weiter >>

Drucken
 
Leser Bewertung:  
SchlechtSehr Gut 
Stellenmarkt für Fach- und Führungskräfte Stellenangebote Jobs Jobsuche Stellenmarkt Stellenanzeigen Affiliate-Programm
Medikamenten-Suche

Newsletter abonnieren

Newsletter abonnieren Die neuesten Artikel zur Gesundheitswirtschaft 14-tägig per E-Mail kostenlos abonnieren!
 
 

Kostenlos eCards versenden

 
Umfangreiche Informationen und kostenloses Angebot zur Altersvorsorge
Vergleichen Sie gesetzliche Krankenkassen und finden Sie den besten Versicherungsschutz für sich und Ihre Familie
Generated in 2.01335 Seconds