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Fakten von gesundheitswirtschaft.info zur Situation der Pflegekräfte -
In Deutschland wird seit 10 Jahren kontinuierlich Pflegepersonal im Krankenhaus abgebaut und die Belastung der Pflegekräfte steigt kontinuierlich an, wie die nachfolgenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen:
- In Zeitraum von 1995-2005 wurden 48.225
Vollzeitäquivalente (-13,8 Prozent) abgebaut. Im gleichen Zeitraum wurde
ärztliches Personal in erheblichem Umfang (+19,5 Prozent) aufgebaut.
- In der gleichen Zeitspanne hat sich die Fallzahl
der stationär behandelten Patienten erhöht (1995: 15.931.168 / 2005:
16.873.885) und gleichzeitig ist die Verweildauer (1995: 11,8 auf 2005: 8,6)
gesunken. Hieraus resultiert eine Arbeitsverdichtung, da Diagnostik und
Therapie in kürzeren Zeitabständen durchgeführt werden müssen.
- Die Belastungszahl des Pflegedienstes nach
Fällen stieg in zehn Jahren von 48,4 (1995) Patienten auf 55,8 (2005), was
einem Plus von 15,3 Prozent entspricht. Die Belastungszahl von Ärzten fiel im
gleichen Zeitraum von 156,8 (1995) auf 138,8 (2005). Dies entspricht einem
Rückgang um 11,5 Prozent.
Wie wirkt sich dies auf die Stimmung und die
Arbeitsbedingungen bei den Pflegekräften aus?
- So gab mehr als ein Drittel der Befragten (38
Prozent) in der DAK/BGW Studie an, sehr oft unter Zeitdruck zu leiden, 29
Prozent haben sehr oft keine Möglichkeit, Pausen einzulegen. Über ein Viertel
aller Befragten leistet durchschnittlich mehr als 10 Überstunden im Monat, bei
den Pflegekräften mit Leitungsfunktion sind es sogar über 40 Prozent.
- Jede fünfte Pflegekraft denkt über den Ausstieg
aus dem Beruf nachgedacht und 13 Prozent haben über einen
Arbeitgeberwechsel nachgedacht. (DAK/BGW-Studie)
- Der Krankenstand lag 2003 mit 3,9 Prozent
über dem DAK-Durchschnitt von 3,5 Prozent. Besonders häufig sind Pflegekräfte
von Erkrankungen am Muskel-Skelett-System betroffen, gefolgt von Erkrankungen
des Atmungssystems, Verletzungen und psychischen Erkrankungen. Mit einem Anteil
von 9,3 Prozent am Krankenstand treten psychische Krankheiten öfter auf
als im DAK-Durchschnitt (8,8 Prozent am Krankenstand).
Wie wirken sich schlechte Arbeitsbedingungen in der Pflege
auf die Qualität der Pflege und die Patientenzufriedenheit aus?
- Internationale Studien zeigen: Leiden
Pflegekräfte unter Burnout sinkt die Patientenzufriedenheit.
- Studien aus den USA zeigen: In Krankenhäusern,
in denen Pflegekräfte acht Patienten betreuen, ist die Mortalität um
31 Prozent höher als in Krankenhäusern, in denen sie lediglich vier Patienten
betreuen.
- Im Durchschnitt betreute eine Pflegekraft in
einem englischen Akutkrankenhaus zwischen 6,9 und 14,3 Patienten. Eine Studie
zeigt, dass der Pflegeschlüssel die Sterblichkeit der Patienten beeinflusst. Auf
den Stationen mit wenigen Pflegekräften war die Sterblichkeit um 26 Prozent
erhöht. Wären alle Patienten in den Krankenhäusern mit den meisten
Pflegekräften pro Patient behandelt worden, so hätten 246 Todesfälle vermieden
werden können, so die Ergebnisse der Studie.
- Nach Einschätzung der für den Pflegethermometer
2007 befragten Pflegedirektionen wirkt sich die angespannte Personalsituation
in der Krankenhauspflege bereits jetzt auf die Patientenversorgung und
-sicherheit aus. So können Umlagerungen, Mobilisationen,
Schmerzmittelverabreichungen und Überwachungen von operierten Patienten nicht
mehr in jedem Krankenhaus optimal gewährleistet werden. Als Folge der sinkenden
Kontakthäufigkeit zwischen Krankenpflegepersonal und Patienten müssen in mehr
als 75 Prozent der Einrichtungen unter Schmerzen leidende Patienten länger als
15 Minuten auf die notwendige Verabreichung von Schmerzmitteln warten.
- Das Pflegethermometer zeigt auch, dass in 20
Prozent der Krankenhäuser die Beschwerden von Patienten und Angehörigen über
die Versorgung zunehmen.
Wie sieht die Zukunft aus?
Der Bedarf an pflegerischen Leistungen wird in Zukunft
aufgrund der demografischen Entwicklung steigen. Gleichzeitig sinkt die Zahl
der erwerbsfähigen Personen. Hinzukommt, dass der Pflegeberuf aufgrund der
hohen Arbeitsbelastung und den unattraktiven Arbeitszeiten für junge Menschen
immer unattraktiver wird. Schon heute zeigt sich ein Ausbildungsrückgang. In
Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland in Deutschland, wurde
in der Krankenpflegeausbildung ein Ausbildungsrückgang zwischen 1995 und 2002
um 19 Prozent verzeichnet. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der
Auszubildenden in der Altenpflege um 8,0 Prozent zurück.
Länder wie die USA verzeichnen bereits heute einen massiven
Pflegekräftemangel und werben Pflegekräfte aus anderen Ländern ab. Pflegekräfte
aus Deutschland werden nur deshalb nicht so häufig abgeworben, da die
Pflegeausbildung in Deutschland nicht akademisch ist und damit der
Ausbildungsabschluss mit den Abschlüssen in den englischsprachigen Ländern nicht
vergleichbar ist. Setzt sich die Akademisierung der Pflege auch in Deutschland
durch, so werden deutsche Pflegekräfte verstärkt abgeworben werden, spätestens
dann müssen sich Krankenhäuser Gedanken um attraktive Arbeitsbedingungen für
Pflegekräfte machen.
Das Fazit von gesundheitswirtschaft.info: Der Abbau von
Pflegekräften ist kontraproduktiv im Hinblick auf die zukünftige demografische
Entwicklung und die Qualität der Patientenversorgung.
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