| Freitag, 25. Juli 2008 |
Zukunftstrends
Demografie: Wir haben ein Erkenntnisproblem, nicht nur ein Umsetzungsproblem Wenn ich eine Wohnung in Görlitz erwerbe, dann sollte ich sie nur für das eigene Wohnen erwerben. Wenn ich sterbe, braucht sie nicht mehr viel wert zu sein. Sie sollte als Konsumgut konzipiert sein. Als Investitionsgut im Sinne des Verkaufswertes wäre nur eine Investition in einem Zuzugsgebiet sinnvoll, also etwa in Hamburg oder in München. Ich kann mich für die Zukunft von Görlitz täuschen. Aber in den letzten 13 Jahren hat die Bevölkerung von Görlitz um 30 Prozent abgenommen.
Wie sieht das denn aus mit den anderen Anlageformen, zum Beispiel mit Pensionsfonds?
Ich kann zu Pensionsfonds keine Antwort geben, denn ihr kenne ihr Portfolio nicht. Aber wir können uns überlegen, ob es richtig ist, in staatliche Rentenpapiere zu investieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass die große Kapitalgewinne verzeichnen, ist nicht groß. Die Verzinsung der japanischen Staatsanleihen beträgt jetzt 1,7 Prozent.
Also keine Alternative zu Immobilien?
Das ist eine Alternative, aber mit kleiner Rendite. Renditeerwartungen wie in den 1980er Jahre von circa sieben Prozent sind unrealistisch. Ich habe das Menetekel der japanischen Staatsanleihen zitiert, um deutlich zu machen, was in anderen alternden Gesellschaften mit zehnjährigen Staatspapieren und ihrer Verzinsung passieren kann. Um nennenswerte Erträge zu erzielen, muss man in Beteiligungswerten investieren.
In Beteiligungen an Unternehmen über Aktien?
Ja. Wir haben in Deutschland allerdings zu wenige Aktiengesellschaften. Wir haben zu viele GmbHs, und müssen in Zukunft über Formen nachdenken, wie man in solche Rechtspersönlichkeiten investiert sein kann. Private Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) werden vermutlich solche GmbHs in der nächsten Zeit erwerben. Dabei würde ich raten, dass man Erfolgsgeschichten kauft, die einen internationalen Markt im Visier haben, die nicht vom Schrumpfen der Bevölkerung negativ betroffen sein werden. Ein Beteiligungswert an einer deutschen Firma kann durchaus eine attraktive Orientierung sein, wenn deren Markt nicht Deutschland, sondern die Welt ist.
Was für eine Rolle spielen die Schwellenländer im Hinblick auf die individuelle private Vorsorge?
Die Märkte bergen hohe Risiken. Und wenn man sich beispielsweise in red chips (Aktien von Firmen mit Geschäftssitz in Shanghai) einkauft, bei denen große chinesische Investoren einen dominanten Einfluss haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich dort um einen transparenten Markt handelt, in dem wir ähnlich gut informiert sind wie der strategische Investor aus China, nicht sehr groß. Es ist nicht trivial, die Wachstumsstory von Schwellenländern in Rendite zu übersetzen. Die makroökonomische Information, dass ein Schwellenland ein attraktives Land ist, reicht nicht aus, um beispielsweise bei Beteiligungswerten gute Erträge sicherzustellen. Ich rate daher immer in diversifizierten und besser in indirekten Beteiligungen investiert zu sein.
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