Montag, 06. Oktober 2008
 

Verbraucher bevorzugen Bio-Produkte

11.04.2008 Quelle: Ernst & Young   

Foto: aboutpixel.deDie Mehrzahl der Deutschen bevorzugt nach eigener Aussage Bio-Produkte: Rund 75 Prozent der Befragten würden grundsätzlich lieber zur Bio-Alternative greifen – auch wenn es sich um eine andere Marke als die bisher bevorzugte handelt. 78 Prozent der Verbraucher sind grundsätzlich bereit, für ein Bio-Produkt mehr zu bezahlen als für ein herkömmliches Konkurrenzprodukt. 38 Prozent sind sogar bereit, für ein Bio-Produkt einen Aufschlag von mehr als zehn Prozent zu zahlen.

Auch aufgrund eines noch limitierten Angebots achten derzeit allerdings nach eigenen Angaben nur 14 Prozent der Verbraucher immer und 23 Prozent häufig beim Einkauf von Lebensmitteln auf die Kennzeichnung als Bio-Produkte. Insbesondere bei Gemüse, Obst und Fleisch legen die Verbraucher großen Wert auf Bio-Produkte. In diesen Produktkategorien geben 81 Prozent, 77 Prozent bzw. 71 Prozent an, dass sie Bio-Produkte bevorzugen. Bei Milchprodukten und Fisch greifen nur 30 Prozent bzw. 33 Prozent lieber zu Bio-Ware als zu konventionellen Produkten. Bio-Getränke oder Bio-Süßwaren sind nur für fünf Prozent bzw. zwei Prozent attraktiv.

Lukratives Geschäft mit Bio-Ware

Der Handel stellt sich auf die steigende Nachfrage nach Bio-Produkten ein: 59 Prozent der befragten Handelsunternehmen geben an, dass das Thema „Bio“ für die eigene strategische Ausrichtung von großer Bedeutung ist. „Heute kann es sich kein Handelsunternehmen mehr leisten, auf Bio zu verzichten“, so Peter Schommer, Partner bei Ernst & Young. „Wer den Bio-Trend ignoriert, droht Kunden und Marktanteile zu verlieren“. Zudem sei der Verkauf von Bio-Produkten für die Händler durchaus lukrativ: Zwei Drittel der befragten Handelsunternehmen gaben an, dass die realisierten Rohgewinnspannen über denen für konventionelle Lebensmittel liegen.

Verbraucher wollen den Bioladen in ihrer Nachbarschaft

Die Verbraucher würden Bio-Produkte am liebsten beim Hofladen kaufen. An zweiter Stelle steht der Supermarkt, gefolgt vom Wochenmarkt. Die Differenz des Anteils der Verbraucher, die bisher Bioprodukte in einem Handelsformat gekauft haben und dem Anteil der Verbraucher, die, ein umfassendes Angebot an Bioprodukten vorausgesetzt, künftig in diesem Handelsformat Bioprodukte kaufen würden zeigt, dass gerade Bio-Supermärkte ein hohes Wachstumspotenzial haben, gefolgt vom Bio-Laden und vom Hofladen. Aber selbst für die Discounter ergibt sich noch ein Wechselpotential von 11,3 Prozent.

Unklarheit, was „Bio“ bedeutet

Bei den Verbrauchern besteht noch kein klares Bild, was Bio eigentlich konkret bedeutet. 82 Prozent der Befragten verbinden mit Bio gesunde Ernährung, 70 Prozent artgerechte Tierhaltung und Artenschutz. Gute Nährwerte und Umweltschutz erwarten 65 Prozent bzw. 60 Prozent der Befragten von Bio-Produkten. Und jeder dritte Verbraucher (35 Prozent) geht davon aus, dass in der Herstellung von Bio-Produkten Energie eingespart wurde. „Das Bild, das die Verbraucher von Bio haben, ist ziemlich diffus und hat oft mit der Realität wenig zu tun“, kommentiert Thomas Harms, Partner bei Ernst & Young. Tatsache sei aber, dass Bio weder artgerechte Tierhaltung noch Umweltschutz zwingend vorschreibe. Die Vielzahl von Biosiegeln erschwere es für den Verbraucher noch, den Überblick zu behalten. “In der Wahrnehmung vieler Verbraucher vermischen sich Begriffe wie Bio, Öko oder Fairtrade“, stellt Harms fest.

Bio ist noch keine Marke

Nicht nur der Begriff „Bio“ ist in der Wahrnehmung der Verbraucher nicht klar besetzt, auch der Markt für Bio-Produkte ist aus Sicht der Verbraucher noch sehr diffus. Noch hat sich im Biosegment keine Marke als führende „Biomarke“ durchgesetzt. Vielmehr nennen die Verbraucher auf die Frage, ob ihnen eine konkrete Marke einfällt, die für Bio-Produkte stehe, eine Vielzahl von verschiedenen Marken und Siegeln, von denen nur eine – Demeter – von mehr als zehn Prozent der Befragten genannt wird. „Noch sind im Bio-Segment keine Marken wirklich etabliert“, stellt Harms fest. „Das ist eine Chance sowohl für Eigenmarken des Handels als auch für Herstellermarken“.

Erhebliches Wachstumspotenzial

„Es reicht dem Konsumenten nicht mehr, "nur" schmackhaft satt zu werden. Attribute wie "Bio", "aus fairem Handel" und "aus nachhaltiger Produktion" beeinflussen seine Kaufentscheidung mehr und mehr“, fasst Schommer zusammen.

Mittelfristig bestünden durchaus gute Chancen, dass sich Bio-Supermärkte und Bio-Discount-Ketten in Deutschland etablieren und Bio-Produkte von Nischen- zu Mainstream-Produkten würden. „Es ist gut vorstellbar, dass der Marktanteil von Bio- und Fair-Trade-Produkten mittelfristig von derzeit unter 10 Prozent auf 30 Prozent steigt“, prognostiziert Hendrik Gottschlich, Co-Autor der Studie und Partner bei Ernst & Young.

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