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Deutsche Kliniken haben im vergangenen Jahrzehnt fast 70.000 Betten
abgebaut und im Pflegedienst etwa 42.000 Stellen gestrichen. Viele Menschen
bangen daher um den Umfang und die Qualität der medizinischen Versorgung. Ein
genauer Blick auf die Zahlen zeigt aber: Diese Angst ist unbegründet.
Wenn
in ländlichen Regionen Kliniken schließen oder öffentliche Träger ihre Häuser
verkaufen, sind das Zeichen des Strukturwandels in der deutschen Krankenhauslandschaft. Das Gesundheitswesen unterliegt
mehr als früher den Gesetzen der Wirtschaftlichkeit. Nicht allen gefällt diese
Entwicklung, auch weil dadurch Arbeitsplätze verloren gehen könnten. So warnte
die Gewerkschaft ver.di in der Vergangenheit mit großen Anzeigen vor
Personalabbau und Privatisierungen.
Bei
allen Schwierigkeiten, die einige Klinikstandorte und Pflegekräfte haben, gilt
für Deutschland aber nach wie vor: Patienten werden hierzulande in
Krankenhäusern bestens versorgt - auch wenn dort inzwischen immer mehr
auf die Kosten geachtet wird. Das zeigt ein Blick auf die nüchternen Zahlen:
Bettenabbau
bedeutet keinen Bettenmangel.
Richtig ist, dass deutsche Krankenhäuser weniger
Plätze für Patienten haben als noch vor zehn Jahren (Grafik):
Im Jahr 1997 standen für 100.000 Einwohner 707 Betten bereit - im
Jahr 2006 waren es nur 620. Das ist ein Rückgang um rund 12 Prozent.
Von einer schlechten medizinischen Versorgung kann aber
trotzdem nicht die Rede sein. Denn im europäischen Vergleich schlägt
Deutschland immer noch alle anderen Länder. Die österreichischen Spitäler
können gerade noch mithalten, doch der Rest Europas hinkt hinterher. Selbst im
schwedischen Wohlfahrtsstaat kommen auf 100.000 Einwohner nur etwa 220 Betten.
Das ist nur etwas mehr als ein Drittel dessen, was den Deutschen zur Verfügung
steht.
Patienten hierzulande haben vergleichsweise viel Zeit, um
wieder gesund zu werden - trotz verkürzter Liegezeiten. Achteinhalb
Tage blieben Deutsche im Jahr 2006 durchschnittlich auf Station; das sind etwa
zwei Tage weniger als noch vor zehn Jahren. Ob die Patienten danach auch gesund
entlassen werden, darüber sagen die Zahlen zwar nichts aus, doch eines ist
auffällig: In deutschen Krankenhäusern wird dem Genesungsprozess mehr Zeit
eingeräumt als anderswo in Europa.
Die
Niederländer gehen im Schnitt schon nach knapp sieben Tagen nach Hause, die
Finnen bekommen sogar nach etwa viereinhalb Tagen ihre Entlassungspapiere. Auf
die Lebenserwartung wirkt sich die Länge des Krankenhausaufenthaltes
aber kaum aus. Ob Finnen, Österreicher oder Deutsche: Alle werden in etwa
gleich alt.
Manch
einer mag nun einwenden: Ein solcher Vergleich mit den europäischen Nachbarn
widerlegt noch lange nicht, dass die stationäre Versorgung hierzulande gelitten
hat. Doch die Relation zwischen Patienten und Krankenhauspersonal
hat sich in Deutschlands Kliniken sogar verbessert - trotz des Abbaus von
rund 12 Prozent Vollzeitstellen für Krankenschwestern und Pfleger seit Ende der
neunziger Jahre. Denn zwei Faktoren wirken dem entgegen:
1. Weil
die Kranken insgesamt kürzer auf Station bleiben, haben die derzeit 393.000
Köpfe und Armpaare des Pflegepersonals etwas weniger Menschen zu betreuen.
Im Jahr 2006
umsorgten pro Tag 6 Prozent mehr Pflegekräfte einen Patienten als noch 1997.
Dennoch kann es sein, dass die Schwestern mehr Zeit benötigen, um
den Bedürfnissen einzelner Schützlinge gerecht zu werden und deshalb stärker
belastet sind. Ob also die Intensität ihrer Arbeit zugenommen hat, darüber
lässt sich keine Aussage treffen.
2. Heute
kümmern sich mehr Ärzte um die Leiden der Patienten als früher. Die Zahl der
Vollzeitstellen für Doktoren an den deutschen Krankenhäusern legte seit 1997 um
über 18.000 zu - ein Plus von 17 Prozent. Unikliniken und Co.
beschäftigten im Jahr 2006 etwa 134.000 Ärzte auf rund 124.000 Vollzeitstellen.
Damit kommen pro Tag auf jeden Krankenhaus-patienten
41,5 Prozent mehr Mediziner als noch vor zehn Jahren.
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