| Freitag, 25. Juli 2008 |
Gesundheitspolitik
Auswirkungen der BMBF-Ausschreibung "Gesundheitsregionen der Zukunft"
Endlich ist es soweit: der
Abgabetermin der BMBF-Ausschreibung: „Gesundheitsregionen der Zukunft" ist seit
den 15. April erreicht. Ganz sicher geht eine „lang verdiente" Entlastung durch
zahlreiche Teams, die bis zum Abgabeschluss an Formulierungsdetails ihrer
Anträge gefeilt hatten. Jede regionale Gruppe will eine bestmöglich
Ausgangsposition in dem Rennen um die begehrten Fördermillionen einnehmen.
Allein, traut man den Nachrichten aus dem beauftragten DLR Institut, so wird es wohl in 95 - 98% der eingereichten Anträge zu Absagen kommen. Nicht wegen deren mangelnder Qualität, sondern der unerwarteten Menge der eingereichten Bewerbungen.
Zur Information für diejenigen, die nicht direkt mit dem Thema verbunden sind: Mit der Pressemitteilung vom 2. Februar 2008 sich auf eine Ausschreibung zugunsten von „Gesundheitsregionen der Zukunft" zu bewerben, trat das Bundesministerium für Forschung und Bildung von Frau Dr. Annette Schavan an die Fachöffentlichkeit. Die verschiedenen, in einer Region angesiedelten Leistungserbringer, Forschungsinstitute, einschlägige Wirtschaftsunternehmen der Gesundheitsbranche und andere Ermöglicher werden in der Ausschreibung aufgefordert zugunsten neuer, zukunftsträchtiger Kooperationen und Wertschöpfungen zusammentreten. Qualität und Effizienz der Versorgung sei zu verbessern und die Potentiale des Wachstumsmarktes Gesundheit im regionalen Bündnis zu nutzen. In einer ersten Förderungsphase werden bis zu 20 der eingegangenen Anträge ausgewählt, um aus diesen, nach einem Jahr der abschließenden Konzeptentwicklung bis zu 5 „Premiumanträge" zu selegieren.
Diese Ausschreibung, und die durch sie ausgelöste „regionale Kooperationswelle" hat die ohnehin bestehende Stimmung, hin zu komplexen und integrierenden Kooperationsmodellen -- über die Sektoren und traditionellen Zuständigkeiten hinweg -- zusätzlich mit Dynamik versehen.
Keine Region landauf landab, die nicht an dieser Ausschreibung partizipiert hat. Alle hatten offensichtlich bereits etwas in der „Pipeline" bzw. haben dies eilfertig nachgeholt. Da bei Abgabe von mehreren Anträgen aus einer Region sich die Wahrscheinlichkeit des positiven Bescheids reduziert, kam es zu bis dato nicht geübten regionalen „cross-over Bündnissen" und Abstimmungen.
Es bleibt offen, ob diese Katalyse geplant war und ob Sie tatsächlich dazu führen wird, dass all die nicht geförderten Antragssteller die von ihnen ausgearbeiteten Kooperationen, neuen Geschäftfelder, Joint-Ventures, qualitätssichernden Maßnahmen, innovativen Prozesse etc. nicht einfach werden links liegen lassen, sondern diesen werden weiter nachgegehen, auch ohne Förderung, zumindest aus dem BMBF.
Genau in der erreichten Anreicherung, könnte der höchste volkswirtschaftliche Mehrwert der BMBF- Ausschreibung liegen. Nie war z.B. die Zeit für Regionale Direktverträge unter breiter Einbindung der ambulanten und stationären Leistungserbringer besser als in dem nun durch die ansässigen Akteure selbst vorbereiteten „regionalem Versorgungsfeld".
Es bleibt abzuwarten, wie die Leistungserbringer und die Krankenkassen diese Situation für sich zu nutzen verstehen, denn natürlich können wirtschaftlich starke Regionen und deren Leistungsanbieter prüfen ob die Gunst der Stunde dahingehend zu nutzen ist, sie aus der Rolle des passiv Reagierenden in die des aktiv Gestaltenden zu führen. Neue, unerwartete regionale Bündnisse könnten dies ermöglichen.
Die seit einem Jahrzehnt für Deutschland geforderte therapeutische Versorgungsforschung, die Unterstützung des Kranken und dessen Angehörigen im häuslichen Milieu (Ambient Assisted Living) mit intelligenten technischen, sozial-pflegersichen und medizinischen Technologien - in wahrscheinlich jedem 3 Antrag als ein zentraler Geschäftsprozess der zukünftigen Gesundheitsregion benannt -- könnte deren viel zulange lavierte Einführung, in all den neuen Bündnisformaten endlich ermöglichen.
Kurz um, den Ausschreibungsverantwortlichen innerhalb des BMBF ist ebenso zu gratulieren wie den antragformulierenden Teams und den hunderten von partizipierenden Kooperationspartnern. Der absehbare Ertrag für ihre „Gesundheitsregion der Zukunft" wird ihnen Rechtgeben. Auch ohne Förderung.
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