| Samstag, 22. November 2008 |
Neue Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung über Therapieangebote
Angesichts
einer hohen Anzahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher (rund 15 Prozent),
von denen 6 Prozent unter starkem Übergewicht (Adipositas) leiden, besteht ein
hoher Präventions- und Behandlungsbedarf.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach den Therapieangeboten. Um einen Überblick über die aktuelle Versorgungslage und die Qualität der in Deutschland angebotenen Maßnahmen zu erhalten, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine bundesweite Bestandsaufnahme einschlägiger Angebote für Kinder und Jugendliche in Auftrag gegeben. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse sollen zu einer besseren Orientierung der behandelnden und beratenden Fachpersonen beitragen und dadurch auch den betroffenen Kindern und Jugendlichen und ihren Eltern dienen. Die Studie ist als Band 8 der Fachheftreihe „Gesundheitsförderung Konkret" der BZgA veröffentlicht.
Die vom Universitätsklinikum Eppendorf (UKE, Hamburg) durchgeführte Studie hat 492 Einrichtungen erfasst, die eine Therapie für übergewichtige Kinder und Jugendliche anbieten. Insgesamt ist deutschlandweit von rund 700 Institutionen auszugehen. Die Studienergebnisse zeigen, dass zwei Drittel der Einrichtungen ambulant arbeiten. Dabei handelt es sich um Angebote, die die Kinder und Jugendlichen ein- bis dreimal pro Woche aufsuchen und ansonsten den gewohnten Alltag in ihrer Familie verbringen. Knapp 20 Prozent der Einrichtungen sind stationäre Maßnahmen, in denen die Betroffenen über mehrere Wochen auch über Nacht bleiben. Die restlichen Angebote sind gemischte Formen und Maßnahmen, die in Kindergärten, Schulen und Sportvereinen stattfinden.
Zu den größten Anbietern in der Adipositastherapie von jungen Menschen gehören
Kliniken und Ernährungsberatungsstellen. Psychotherapeutische Praxen,
Gesundheitsämter, Sportvereine, Krankenkassen, sozialpädiatrische Zentren sowie
Kinder- und allgemeinärztliche Praxen halten nur wenige Angebote vor.
Die Qualität der Angebote wurde anhand von Qualitätskriterien ermittelt, die
zuvor in einem intensiven Austausch zwischen dem Bundesministerium für
Gesundheit, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und den führenden
Fachgesellschaften und Wissenschaftlern entwickelt wurden. Die Studie zeigt
deutliche Defizite in der Qualität der Angebote.
So erfüllen nur etwa 51 Prozent der Maßnahmen die zugrunde gelegten Qualitätsmerkmale. Insgesamt weisen stationäre Angebote die höchste Qualität auf, gefolgt von teilstationären und ambulanten Maßnahmen, wobei es bei allen Versorgungstypen gute und schlechte Maßnahmen gibt. Die Kosten der jeweiligen Maßnahme weisen nur einen geringen Zusammenhang zur Qualität auf. Konkret heißt das, dass es teure Maßnahmen mit geringer Qualität und preiswerte Maßnahmen mit guter Qualität gibt.
Angesichts dieses Ergebnisses hat die BZgA zusammen mit den Mitgliedern der Forschungsgruppe Empfehlungen für die qualitative Verbesserung der Versorgungslage entwickelt. In einem nächsten Schritt sollen diese Optimierungsempfehlungen mit Fachleuten aus verschiedenen Fachbereichen und mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus der Praxis darauf hin geprüft werden, welche Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungslage im konkreten Fall wie umgesetzt werden können.
Für alle Ratsuchenden, Eltern wie Fachkräfte, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung den Leitfaden „Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen - So finden Sie ein gutes Programm" entwickelt, das umfangreiche Informationen und praktische Hinweise enthält und Kriterien aufzeigt, wonach man ein gutes Programm zur Reduzierung des Übergewichts bei Kindern und Jugendlichen findet.
„Die Versorgung übergewichtiger und adipöser Kinder und Jugendlicher in Deutschland", Band 8 der Fachheftreihe 'Gesundheitsförderung Konkret' der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
„Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen - So finden Sie ein gutes Programm" - Ein Leitfaden für Eltern und Erziehende.
Die Informationsmaterialien sind kostenlos unter folgender Adresse zu bestellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln, Fax: 0221-8992257, e-mail: order@bzga.de, Online-Bestellsystem.
Weitere Informationen zum Qualitätssicherungsprozess der BZgA in der Versorgung übergewichtiger Kinder und Jugendlicher stehen unter www.bzga-kinderuebergewicht.de
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