Samstag, 30. August 2008
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Burn-out: Am Ende fühlte ich mich nur noch wie eine Maschine

19.05.2008 Quelle: Marburger Bund   

Foto: photocase.comDie gestiegenen Anforderungen an den Arztberuf in Einklang zu bringen, ist für jeden Arzt eine große Herausforderung. Es kann ein dauerhafter Leistungsdruck entstehen, der die Gefahr von Burn-out oder Selbstausbeutung erhöht.

Work-Life-Balance notwenig

 

Um den Erwartungen standzuhalten, ist eine gute Work-Life-Balance notwendig. Dazu gehören ein gesundes Selbstwertgefühl, die Fähigkeit, sich abzugrenzen und ein sozialer Ausgleich durch Familie, Privatleben oder Hobbys. Fehlt ein ausgewogenes Verhältnis, besteht die Gefahr, dass Ärzte ihre körperlichen und seelischen Grenzen ignorieren und ausbrennen. Aufgrund dieser besonderen Problematik und Fragestellung braucht es ein spezielles Behandlungskonzept für an Burn-out leidende bzw. depressive Ärzte.

Fehlende Abgrenzung, Leistungs-, Zeit- und Verwaltungsdruck

 

Jutta Klein (Name geändert) ist seit drei Wochen Patientin in der Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen. Noch heute fällt es der 43-jährigen Internistin, die zuletzt in einer Intensivstation eines städtischen Klinikums gearbeitet hat, schwer, über ihre Vorgeschichte zu sprechen. „Ursprünglich arbeitete ich mit viel Begeisterung, mir fiel es leicht, zwölf Stunden und mehr zu arbeiten. In den letzten Jahren konnte ich mich aber kaum noch vom Leid abgrenzen. Hinzu kam der permanente Leistungsdruck, Zeitdruck und Verwaltungsdruck. Am Ende fühlte ich mich nur noch wie eine Maschine, die funktionieren muss, aber völlig leer gelaufen ist. Selbst kleine Konflikte gingen mir viel zu nahe." Erste Symptome einer körperlichen und seelischen Überforderung tauchten schon vor ungefähr fünf bis sechs Jahren auf, sie nahmen stetig zu.

Nach Schätzungen leiden 25 Prozent an einem Burn-out-Syndrom

Leider gibt es bisher zu wenige fundierte Untersuchungen über das Ausmaß von Burn-out-Syndromen bei Ärzten. Schätzungen zufolge leiden etwa 25 Prozent an einem Burn-out-Syndrom, mindestens zwei Drittel sollen unzufrieden mit ihrem Beruf sein. Zum Burn-out kann es kommen, wenn der hohe Erwartungsdruck der Umwelt verinnerlicht wird.

Ärzte dürfen nicht krank sein

Typische Erwartungen sind: „Ärzte dürfen nicht krank sein" oder als „Helfer in der Not" müssen sie stets mit voller Aufmerksamkeit, Präsenz und hoher Fachkompetenz zur Verfügung stehen. Therapeuten sind vergleichbaren Ansprüchen ausgesetzt: Neben großer Beziehungskompetenz wird bei ihnen ein ausgefeiltes psychologisches Wissen vorausgesetzt. Das schließt die Fähigkeit zum Zuhören und einen mustergültigen Lebensentwurf ein, bei dem private Beziehungsprobleme nicht vorkommen.

Vernachlässigung der eigenen körperlichen und psychischen Gesundheit
Viele Ärzte und Therapeuten möchten „zu gut sein" und vernachlässigen darüber die eigene körperliche und psychische Gesundheit. Eigene Erschöpfungszustände, angemessene Selbstfürsorge und ein Ausgleich zum Beruf werden übergangen, eigene Wünsche und Bedürfnisse zu wenig wahrgenommen. Selbst wenn betroffene Ärzte dies entdecken, nehmen sie nur selten professionelle Hilfe in Anspruch.

Mobbing: Auslöser für Burn-out und Depressionen

Akute Krisen stellen oft den Auslöser zum Zugang zur eigenen Hilfsbedürftigkeit dar. Durch übermäßigen Stress in der Arbeit können private Konfliktfelder aktualisiert werden, die ohne die hohen beruflichen Belastungen möglicherweise keine Behandlungsbedürftigkeit erfahren hätten. Am Arbeitsplatz stellt Mobbing eine große Gefahr für die Entstehung von Burn-out und Depressionen dar. Betroffene Ärzte neigen dazu, ihre Krise allein bewältigen zu wollen, nicht selten mit unangemessenen Methoden. So liegt beispielsweise der Substanzmittelmissbrauch je nach Untersuchung bei Angehörigen ärztlicher oder therapeutischer Berufe zwei bis fünf Mal über dem Durchschnitt der bundesdeutschen Bevölkerung.

Im Ausland liegen ausgefeilte Konzepte vor

Während im Ausland, und hier vor allem in Skandinavien, schon ausgefeilte Konzepte vorliegen und adäquate Ansprechpartner zur Verfügung stehen, herrscht in Deutschland Unterversorgung. Kassenärztliche Verbände stecken mit entsprechenden Angeboten noch in den Kinderschuhen. Erste Hilfe bieten zumindest Telefon-Hotlines, die Informationsangebote zum Burn-out-Syndrom bereitstellen und bei der Vermittlung von Therapeuten und Fachkliniken weiterhelfen. Spezialkliniken bieten ein spezifisches Behandlungsprogramm für Ärzte und Psychotherapeuten gegen emotionalen Burn- out und weitere berufsspezifische Störungen.

Abgrenzungsfähigkeit fördern, Motivation und Berufseinstellung fördern

Therapeutisch wird die kritische Auseinandersetzung mit der ursprünglichen Motivation der Berufswahl gefördert. So ist es oft Erfolg versprechend, diese anfängliche Motivation als eigentliche Ressource für die Arbeit wiederzubeleben und geeignete Abgrenzungsstrategien zu erarbeiten. Als Hauptziele ergeben sich daraus, die Patienten für eine angemessene Abgrenzungsfähigkeit zu sensibilisieren sowie eine angemessene Motivation und Berufseinstellung jenseits gesellschaftlicher oder familiärer Ansprüche zu erarbeiten. Damit verbunden sind die Auseinandersetzung mit einer angemessenen Nähe- und Distanzregulation sowie die Entkopplung des Selbstwertgefühles von beruflichem Erfolg. Ziel ist die Wiederbelebung einer als sinnhaft empfundenen Arbeit im Einklang mit dem ursprünglichen Lebensentwurf.

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