| Freitag, 21. November 2008 |
Gesundheitspolitik
Infektionen und Tod im Krankenhaus - Versäumnisse der Politik zu Lasten der Patienten
Die im Krankenhaus erworbenen Infektionen (nosokomiale Infektionen) stellen noch vor den Gefahren einer pandemischen Influenza und HIV-Infektionen die größte Bedrohung dar. Mindestens 50 000, eher 100 000 Tote in Europa bedeutet dies pro Jahr,
betonte der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Dr. Klaus-Dieter Zastrow heute in Berlin zu Beginn des 9. Internationalen Kongresses der DGKH. „Unverständlich ist angesichts dieser Zahlen die Untätigkeit der Politik, für eine ausreichende Zahl von Ärzten für Hygiene in den Krankenhäusern zu sorgen", betonte Zastrow.
„Wir haben eine drastische Zunahme Antibiotika-resistenter Krankheitserreger zu verzeichnen. So ist der Anstieg von MRSA auf über 20 Prozent der nachgewiesenen Staphylokokken und die steil nach oben zeigende Kurve in deutliches Warnsignal, dass wir in Sorge um die Gesundheit unserer Patienten nicht vernachlässigen dürfen."
Auch die wirtschaftlichen Ausfälle durch zusätzliche Krankenhaustage und ausfallende Arbeitskraft gehe in die Mrd. Euro, betonte Zastrow.
„Es reicht nicht aus, einen ‚Hygienebeauftragten' einzusetzen, wir benötigen bestens ausgebildetes Fachpersonal, wie den Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin und Hygienefachpflegekräfte in ausreichender
Zahl in unseren Krankenhäusern.
Auch stellen für Hygienefachkräfte sind zu rund 40 Prozent nicht eingerichtet oder nicht besetzt, betonte Zastrow.
Die DGKH fordert einen Personalschlüssel von 1 Hygienefachkraft für
„Ohne die gesetzliche Verankerung des Hygienefachpersonals im Infektionsschutzgesetz (IfSG) werden wir die Anforderungen der Hygiene nicht flächendeckend umsetzen könnten", betonte der Präsident
der DGKH, Prof. Axel Kramer. Seine Forderungen: Stopp des personellen und strukturellen Abbaus
Der Erhalt, Auf- und Ausbau der Lehrstühle für Hygiene an den Universitäten sei der Grundstein dazu, verdeutlichte Kramer. Ein guter Weg dahin sei es, wenn die Krankenkassen nur noch Verträge mit Krankenhäusern abschließen dürften, die ein fachlich anerkanntes Qualitätsmanagement für Hygiene etabliert haben und die eine ausreichende Anzahl von Fachärzten für Hygiene und Hygienefachpflegekräften
beschäftigten.
„Die Sorge um die Sicherheit unserer Patienten lässt uns den eindringlichen Appell an die Politik richten, endlich die notwendigen Ressourcen für ausreichendes Hygienepersonal zur Verfügung zu stellen", sagte Kramer in Richtung Gesundheitspolitik.
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