| Freitag, 10. Oktober 2008 |
Gesundheit
Komasaufen als Nachahmungshandlung
Britische Forscher haben in einer Studie festgestellt, dass nicht der
Verfall der Sitten und der billige Alkoholpreis ausschlaggebend für den
"Komasauf-Boom" unter den Jugendlichen sind. Der wesentliche Punkt, der
zur Lust auf Alkohol in Strömen macht, ist die Tendenz des Nachahmens -
und dabei folgen die meisten "Täter" dem Verhalten ihrer Freunde.
Experten wie der Direktor des Anton Proksch Instituts für Suchtgiftforschung http://www.api.or.at, Michael Musalek, stehen dem Studienergebnis allerdings sehr skeptisch gegenüber.
Mit Hilfe eines Computermodells konnten die Forscher um Paul Ormerod von Volterra Consulting http://www.volterra.co.uk in London das Verhalten im sozialen Netzwerk simulieren. Mit dem Terminus "Mode" könne man das Verhalten der Jugendlichen am besten beschreiben, meint Ormerod. "Wenn man dieses Kampftrinken beenden will, muss man beim Nachahmungsverhalten ansetzen." Die Studie an insgesamt 504 Jugendlichen im Alter von 18 bis 24 Jahren - zu gleichen Teilen männlichen und weiblichen Geschlechts - sollte die Prävalenz des Komasaufens und der sozialen Struktur dahinter untersuchen. Den Begriff Komasaufen interpretierten die Forscher als festen Vorsatz, sich zu betrinken oder mindestens zehn Drinks an einem Abend mindestens einmal pro Woche zu konsumieren.
"Alleine schon dieser Ansatz ist
sehr problematisch ", meint Musalek gegenüber pressetext. Einerseits
treffe man hier nicht die Kerngruppe - diese liege bei Jugendlichen
jüngeren Alters - andererseits werde ein Kernpunkt, nämlich die
Verfügbarkeit des Alkohols nicht ins Kalkül gezogen. "Nach empirisch
belegten Studien spielt die Verfügbarkeit von Alkohol eine wesentliche
Rolle", so der Forscher. "Natürlich sehen die Zahlen von mehr als 500
Probanden hochrelevant aus, allerdings ist die Fragestellung bei einer
Studie sehr wesentlich", kritisiert Musalek. Frage man Probanden nach
gewissen Motiven, habe das meist einen Einfluss auf die Antworten.
Dass
der Nachahmungseffekt natürlich eine Rolle spiele, will Musalek nicht
in Abrede stellen. "Gleich und gleich gesellt sich gern. Das ist ein
logisches Verhalten." Als problematisch bezeichnet Musalek in der
Studie auch den unterstellten Vorsatz der Betroffenen sich betrinken zu
wollen. "In der Frage, inwieweit man von anderen animiert werden kann,
spielt es natürlich eine Rolle, wie die Umgebung aussieht, denn an
diese passt man sich an", so der Experte. Dabei komme der Verfügbarkeit
des Suchtgifts eine bedeutende Rolle zu.
Durch die
Sensibilisierung des Problems des Komatrinkens deute vieles daraufhin,
dass die zahlen leicht rückläufig sind. Durch die Meinungsbildung habe
sich einiges gewandelt, erklärt der Wissenschaftler. "Das gesamte Thema
der legalen Suchtgifte wie etwa Alkohol und Nikotin wird in der
Gesellschaft thematisiert", so Musalek. In Österreich sind etwa 330.000
Menschen Alkoholsüchtig und zwischen 1,3 und 1,6 Mio. Menschen
Nikotinabhängig. "Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass 90
Prozent der Alkoholkranken auch nikotinabhängig sind", erklärt Musalek
abschließend.
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