| Donnerstag, 28. August 2008 |
Management
Bei Anruf Spam: Werbeattacken über Internet-Telefonie Zehn Millionen Deutsche telefonierten im vergangenen Jahr über Voice over IP (VoIP). Das sind 30 Prozent mehr als 2006. Mit dem VoIP-Boom steigt allerdings die Gefahr, unerwünschten Werbeanrufen oder gar Hackern beim Telefonieren per Internetprotokoll zum Opfer zu fallen. Die Quote für das so genannte Spam over Internet Telephony (SPIT) wird im kommenden Jahrzehnt zu E-Mail-Spam aufschließen.
Somit steht den Internetnutzern mit SPIT nach den unerwünschten E-Mails und Instant-Messaging-Nachrichten die nächste Plage ins Haus, warnt Steria Mummert Consulting. Unternehmen und private Nutzer sind bisher nicht im selben Maße vor Werbeanrufen geschützt wie vor Spam-E-Mails. Die Entwicklung ausgereifter Anti-SPIT-Filter wird die Internet- und Telekommunikationsbranche künftig immer stärker beschäftigen. Dies ergibt die Untersuchung „Zukunftsfaktoren 2020“ von Steria Mummert Consulting, die zusammen mit der FutureManagementGroup und Lünendonk durchgeführt wurde.
Lästige Werbebotschaften im elektronischen Postkasten machen heute 80 Prozent aller versandten E-Mails aus. Sinkende Preise für die Internet-Telefonie werden dafür sorgen, dass sich SPIT in Zukunft genauso stark ausbreitet wie E-Mail-Spam. Das Medium Internet ermöglicht es den SPIT-Absendern, mit Millionen automatisierter Anrufe extrem kostengünstig auf Kundenfang zu gehen. Immer mehr Call-Center für Werbeanrufe werden entstehen, so das Szenario. Bereits heute entwickeln Spammer spezielle Programme und Tools, die SPIT-Anrufe automatisch abwickeln können.
Dabei besteht die Gefahr, dass sich Hacker mit gefälschten Anruferdaten
Zugriff zu Kontoinformationen verschaffen. Phishing-Angriffe über VoIP
mit gefälschten Teilnehmerinformationen werden wahrscheinlich
erfolgreicher sein als ihre E-Mail-Gegenstücke. Der Grund: Die
Anti-SPIT-Technologie liegt noch weit hinter Anti-Spam zurück. Anrufe
via Internet mit einer manipulierten Anruferkennung sind momentan noch
schwierig herauszufiltern. Zudem werden Internetnutzer mangels Kenntnis
kaum mit einer Phishing-Attacke rechnen, wenn im Display ihres
VoIP-Telefons Rufnummer und Name des Bankberaters erscheinen.
Wirksame Maßnahmen gegen SPIT durch den deutschen oder europäischen
Gesetzgeber haben nur geringe Erfolgsaussichten. Ebenso wie E-Mail-Spam
gelangen SPIT-Attacken mehrheitlich aus dem Ausland nach Deutschland.
Eine Durchsetzung der deutschen oder europäischen Vorschriften schlägt
somit fehl. Die VoIP-Anbieter sind gefordert, eigene Schutzmaßnahmen
gegen lästige Telefonwerbung zu entwickeln. Im Aufbau befinden sich
technische Vorkehrungen ähnlich denen, die bereits vor E-Mail-Spam
schützen. Durch Ausschlusslisten, so genannte Blacklists, können
beispielsweise bekannte Störenfriede aus dem VoIP-Netz ausgesperrt
werden. Mit dem Anlegen zentral gepflegter Teilnehmerlisten stehen die
Provider allerdings erst am Anfang. Computergenerierter SPIT kann zudem
durch Vorschalten von interaktiven Komponenten herausgefiltert werden.
Hier wird der Anrufer etwa zum erneuten Eingeben einer Ziffernfolge
aufgefordert. Ein SPIT-Erkennungsdienst, der Gesprächsinhalte auf
Werbe- oder Phishingabsichten hin analysiert, ist jedoch nicht möglich,
da das Aussortieren vor der Anrufannahme erfolgen muss.
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