| Samstag, 06. September 2008 |
Gesundheitspolitik
Gesundheitsfonds kein politisches Zukunftsmodell „Tendenziell wird die gesetzliche Krankenversicherung den gleichen Weg gehen, den die gesetzliche Rentenversicherung bereits vorgezeichnet hat. Die Vollversorgung wird schrittweise vom Konzept der Notlagenabwehr abgelöst werden“, betonte der Gesundheitsunternehmer Prof. Heinz Lohmann bei der Vorstellung von 10 Thesen zur Einführung des Gesundheitsfonds.
Gesundheitspolitik sei immer kontrovers. Kaum ein
Thema sei allerdings so umstritten, wie der Gesundheitsfonds. Das
belegten die öffentlichen Reaktionen der letzten Monate, ja der letzten
Tage, eindeutig.
Lohmann wörtlich: “Der Gesundheitsfonds ist das Ergebnis einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den Modellen der Bürgerversicherung und der Gesundheitsprämie. Er ist ein politischer Kompromiss und kein Zukunftskonzept.“ Die politisch motivierte Festsetzung eines einheitlichen Beitragssatzes werde zur permanenten Finanzknappheit im Gesundheitsfonds führen, prognostiziert Heinz Lohmann. Die Bürger begönnen diesen Paradigmenwechsel zu antizipieren und seien bereit, einen steigenden Anteil ihrer Gesundheitsnachfrage privat zu finanzieren. Dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren weiter verstärken und die Gesundheitswirtschaft zu einem Wachstums- und Jobmotor der Volkswirtschaft zu machen.
Prof. Lohmann ist überzeugt, dass die Etablierung des Gesundheitsfonds bei allen Akteuren viele Fragen aufwerfe. Die Unternehmen der Gesundheitswirtschaft müssten ihre Geschäftsmodelle neu justieren. Alte Antworten reichten nicht mehr. Der Diskurs der Experten sei gefragt und eröffnet.
Diesen Beitrag diskutieren... (0 Beiträge)
Einführung des Gesundheitsfonds: Viele Fragen, wenige Antworten
10 Thesen von Prof. Heinz Lohmann
1. Aktuelle Gesundheitspolitik kontroverser denn je
Gesundheitspolitik ist immer kontrovers. Kaum ein Thema ist allerdings so umstritten, wie der Gesundheitsfonds. Die öffentlichen Reaktionen der letzten Monate belegen diese Aussage eindeutig.
2. Gesundheitsfonds kein politisches Zukunftsmodell
Der Gesundheitsfonds ist das Ergebnis einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den Modellen der Bürgerversicherung und der Gesundheitsprämie. Er ist ein politischer Kompromiss und kein Zukunftskonzept.
3. Produktivitätsdruck erzwingt Wettbewerb
Die steigende Nachfrage nach Gesundheitsleistungen bei gleichzeitig äußerst begrenzten Finanzmitteln aus dem Sozialtransfer in den postindustriellen Gesellschaften zwingt zur Verbesserung der Produktivität der Gesundheitsanbieter. Deshalb wurden in den vergangenen Jahren schrittweise Elemente von mehr Wettbewerb auch im Gesundheitssystem etabliert.
4. Qualitäts- statt Beitragswettbewerb
Der in Deutschland vor einigen Jahren eingeführte Beitragssatzwettbewerb hat das Nachfrageverhalten der Gesetzlichen Krankenkassen bei weitgehend unverändert fortgeltenden Kollektivvertragssystemen nicht nachhaltig beeinflusst. Deshalb konnte die dringend notwendige Modernisierung der Strukturen und Prozesse der Gesundheitsdienstleister nur sehr begrenzt vorangetrieben werden. Die Einführung des Gesundheitsfonds mit der Vereinheitlichung der Beiträge in der Sozialen Krankenversicherung soll künftig den Wettbewerb auf die Qualität der Gesundheitsangebote lenken.
5. Konzept der Notlagenabwehr ersetzt Idee der Vollversorgung
Die politisch motivierte Festsetzung eines einheitlichen Beitragssatzes wird zur permanenten Finanzknappheit im Gesundheitsfonds führen. Die Gesetzliche Krankenversicherung wird deshalb den gleichen Weg gehen, den die gesetzliche Rentenversicherung bereits vorgezeichnet hat. Die überkommene Vollversorgung wird schrittweise vom Konzept der Notlagenabwehr abgelöst.
6. Private Nachfrage macht Gesundheitswirtschaft zum Wachstums- und Jobmotor
Die Bürger beginnen diesen Paradigmenwechsel zu antizipieren und sind bereit, einen steigenden Anteil ihrer Gesundheitsnachfrage privat zu finanzieren. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren weiter verstärken und die Gesundheitswirtschaft zu dem Wachstums- und Jobmotor der Volkswirtschaft machen.
7. Krankenkassen diversifizieren künftig Policen
Auch die Krankenkassen beginnen ihre Nachfrage nach Gesundheitsleistungen zu diversifizieren. Hintergrund dieser Entwicklung ist die Bereitschaft der Versicherten, Zusatzofferten aus den Kooperationsangeboten der GKV mit der PKV abzuschließen. Mittelfristig werden Gesetzliche Krankenversicherungen die Option für Zusatzprämien positiv nutzen und sie mit qualitativen Leistungsversprechen verknüpfen.
8. Strategische Partnerschaften realisieren „Markenmedizin“
Die Gesundheitsanbieter sind herausgefordert, differenzierte Medizinangebote auf der Basis strukturierter Prozesse zu entwickeln. Behandlungslösungen treten dabei zunehmend an die Stelle der tradierten Teilleistungen. Sie erfordern eine Kooperation aller Akteure der Gesundheitswirtschaft bei Nutzung zukunftsfähiger Managementmethoden auf der Grundlage innovativer Informationstechnologien. Ziel dieser strategischen Partnerschaften ist die Realisierung des Konzeptes „Markenmedizin“.
9. Vom Kassenpatienten zum Gesundheitskonsumenten
Wie auf anderen Wettbewerbsmärkten auch, machen die Beteiligten einen Rollenwechsel durch. So werden insbesondere aus weitgehend rundum versorgten Kassenpatienten tendenziell selbstbestimmende Gesundheitskonsumenten. Dabei übernehmen die Krankenkassen teilweise die Funktion von Nachfrageagenturen.
10. Aktueller Umbruch treibt langfristigen Wandel im Gesundheitsmarkt
Viele politische Akteure beschäftigen sich derzeit im Wesentlichen mit den kurzfristigen finanziellen Verschiebungen zwischen den Beitragsätzen der Krankenkassen. Ihnen sind die realen Auswirkungen der Einführung des Gesundheitsfonds nicht voll bewusst. Der mittel- bis langfristige Wandel der Nachfrage- und der Angebotsseite des Gesundheitsmarktes ist deshalb von der Gesundheitspolitik weitgehend nicht vorstrukturiert. Der aktuelle Umbruch wird aber durch das politische Handeln massiv befördert.
Heinz Lohmann
nach Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, leitende Tätigkeiten in der privaten Wirtschaft und im öffentlichen Sektor, davon fast 30 Jahre in der Gesundheitswirtschaft, heute Gesundheitsunternehmer, u. a. Geschäftsführer der LOHMANN konzept GmbH sowie Gesellschafter der WISO HANSE management GmbH. Vorsitzender der Initiative Gesundheitswirtschaft e. V.. Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg; Wissenschaftlicher Leiter des Kongresses KRANKENHAUS, KLINIK, REHABILITATION des Hauptstadtkongresses in Berlin sowie Präsident des GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESSES Hamburg; Autor zahlreicher Publikationen. Gastgeber der Fernsehreihe MENSCH WIRTSCHAFT! bei Hamburg 1. Förderer und Sammler experimenteller Gegenwartskunst.
![]() | Die Goji-Beere - ein erstaunliches Natur-Phänomen von Hartmut Schulz |
![]() | Die Goji-Beere - ein erstaunliches Natur-Phänomen von Peter Delmenhorst |
![]() | Jeder ist für seine Gesundheit selbst verantwortlich von hooglehupf |
![]() | Übergewicht trotz „gesunder“ Lebensmittel - Ein Bluttest zeigt warum von Detlef Hahn |
![]() | Die Goji-Beere - ein erstaunliches Natur-Phänomen von Hartmut Schulz |
| Transparency Deutschland: betrugsanfällige Strukturen im Gesundheitswesen | Jeder ist für seine Gesundheit selbst verantwortlich | 245 Milliarden Euro im Jahr 2006 für Gesundheitausgegeben | Neue Hausarztversorgung in Baden-Württemberg | Bessere Qualität bei weiblichen Medizinern | Beschluss zur Arbeitszeitrichtlinie: Patienten und Ärzte werden Verlierer sein |