| Sonntag, 07. September 2008 |
Gesundheit
Schlaganfall: Auch vorübergehende Ausfallerscheinungen ernst nehmen
Studie:
Notfallbehandlung kann drohenden Schlaganfall verhindern
Wie schnell ein Schlaganfall erkannt und richtig behandelt wird,
entscheidet über das weitere Leben der Betroffenen. Doch auch oft
ignorierte Vorboten eines Schlaganfalls gilt es rasch zu entdecken und
zu behandeln! Dazu zählen vor allem kurzzeitige Seh- oder
Sprachstörungen, ein plötzlich herabhängender Mundwinkel oder
halbseitige Lähmungen aufgrund vorübergehender Durchblutungsstörungen
im Gehirn.
Den Ärzten bleibt nur wenig Zeit, optimal auf die Symptome zu reagieren, deshalb sollte die gründliche Diagnostik sofort beginnen. Wichtig ist, dass die Klinik für solche Fälle ausgerüstet ist, wie eine aktuelle Studie und die Erfahrungen an den Asklepios-Kliniken zeigen. Das berichten Prof. Dr. Christian Arning, Chefarzt der Neurologie, und Dr. Jürgen Schönwälder, leitender Oberarzt der Radiologie der Asklepios Klinik Hamburg-Wandsbek, in der Ärztezeitschrift medtropole (Heft 14/2008, S. 556-557).
Viele Menschen, die unter den zeitlich begrenzten Ausfallerscheinungen leiden, sind durch Schlaganfall bedroht. Doch da die Symptome in den meisten Fällen schon innerhalb weniger Minuten wieder verschwunden sind, wird ihnen häufig wenig Bedeutung beigemessen – ein schwerer Fehler, erläutert Arning. Einer aktuellen Studie der Universität Oxford zufolge erleide jeder zehnte Patient innerhalb der folgenden drei Monate einen Schlaganfall, die Hälfte davon bereits innerhalb von zwei Tagen. Fachleute bezeichnen die vorübergehenden Ausfälle als „Transitorische ischämische Attacke“, abgekürzt TIA. Diese Vorstufe des Schlaganfalls hat in der Notfallmedizin große Bedeutung, weil die möglichst rasche Erkennung und Behandlung der Ursache in 80 Prozent aller Fälle den „echten“ Schlaganfall verhindern kann. Die Symptome der TIA ähneln denen des Schlaganfalls. Aufgrund der vorübergehenden geringeren Durchblutung im Gehirn kommt es zu halbseitigen Lähmungen, Seh- und Sprachstörungen oder dem Phänomen des plötzlich herabhängenden Mundwinkels.
Diese Zeichen bedeuten höchste Alarmstufe, wichtig ist vor allem schnelle Hilfe binnen 24 Stunden. Dafür ist es nötig, dass alle wichtigen Diagnosen über den Zustand von Gehirn, Herz und Blutgefäßen schnell und gemeinsam gestellt werden können. Dies gelinge nur in Kliniken mit einer so genannten Stroke unit, deren Spezialisten für Neurologie, Innere Medizin und Radiologie in diesen Fällen eng verzahnt arbeiten, so Arning.
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Hintergrund
Der Begriff TIA bezeichnet vorübergehende neurologische Ausfallerscheinungen, die nicht länger als 24 Stunden anhalten. Ursache ist meist eine Durchblutungsstörung in einer Gehirnregion. Schnelle Behandlung verhindert oft einen echten Schlaganfall, wie die in Lancet publizierte Oxforder Studie zeigt. Darin wurden zwei Patientengruppen mit TIA verglichen. Die einen wurden an den Hausarzt verwiesen, wo bis zur Untersuchung im Schnitt drei Tage vergingen, die Medikamente erhielten sie nach durchschnittlich 20 Tagen. Die zweite Gruppe wurde direkt von Spezialisten behandelt und erhielt sofort Medikamente. Ergebnis: Zehn Prozent der ersten Gruppe erlitten in den folgenden drei Monaten einen Schlaganfall, jedoch nur zwei Prozent der sofort versorgten TIA-Patienten.
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