Freitag, 10. Oktober 2008
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Implantierbare Hörsysteme helfen bei starker Schwerhörigkeit

17.07.2008 Quelle: Asklepios   

Hören zu können, ist von allen Sinneswahrnehmungen die wichtigste Voraussetzung für die geistige Entwicklung des Menschen und für ein Leben in der Gesellschaft. Rund 14 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter mehr oder minder starker Schwerhörigkeit. Ohne Behandlung entstehen bei Kindern Sprachentwicklungsstörungen, bei Erwachsenen droht die soziale Isolation.

Eine apparative Hörhilfe schafft Abhilfe. Zunehmend setzen sich dabei implantierbare Hörsysteme durch, die das Äußere eines Menschen unangetastet lassen und selbst da helfen, wo außen angebrachte Hörgeräte an ihre Grenzen stoßen. Das berichtet Prof. Dr. Thomas Grundmann, Chefarzt der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in der Asklepios Klinik Altona in der aktuellen Ausgabe der Ärztezeitschrift medtropole (Heft 14/2008, S. 548-551).

Den meisten Patienten mit einer Schwerhörigkeit könne mit normalen Hörgeräten, die außen auf dem Ohr oder in der Ohrmuschel sitzen, gut geholfen werden, so Grundmann. Das gelte vor allem für leichte bis mittlere Schwerhörigkeit. Bei hochgradiger Schwerhörigkeit und Gehörverlust stoßen diese konventionellen Hörgeräte aber auf Grund ihrer Technik an ihre Grenzen. Da sie elektrische Signale in hörbare Töne umwandeln, gibt es abhängig von der individuellen Form des Gehörgangs Einschränkungen. Wird ein Mensch ganz taub und hat er noch funktionstüchtige Hörnerven, helfen nur noch Innenohrimplantate, die den Schall als feinste mechanische Vibrationen direkt auf die Gehörknöchelchen oder den Schädelknochen übertragen. Daraus ergibt sich eine klarere Klangqualität und eine bessere Übertragung von Sprache – ein entscheidender Vorteil, denn wie die Erfahrungen in den Asklepios-Kliniken zeigen, schrecken viele Betroffene vor der Anschaffung eines Hörgerätes zurück, weil es mit der akustischen Qualität konventioneller Modelle oft hapert. Sie hören lieber schlecht auf natürlichem Wege als verzerrt mit einem Hörgerät. Die HNO-Abteilung der Asklepios Klinik Altona setzt seit zwei Jahren implantierbare Mittelohrhörsysteme ein. „Implantierbare Mittelohrhörsysteme schließen heute die Lücke wenn es darum geht, Schwerhörigkeit aufgrund von Erkrankungen des Mittel- und Innenohres zu beheben“, sagt  Grundmann: „Das Hören wird wieder klar und deutlich.“

Hintergrund

Generell liegen die Vorteile implantierbarer Hörgeräte in besserer Klangqualität und differenzierter Spracherkennung dank geringerer Verzerrung. Dass einige Implantate komplett unter der Haut in den Schädelknochen integriert werden, macht sie für viele Patienten zusätzlich attraktiv: Man sieht es ihnen nicht an, dass sie auf ein Hörgerät angewiesen sind. Bei bestimmten Veränderungen im Bereich des Gehörganges und des Mittelohres (Gehörgangsentzündungen, Fehlbildungen, Vernarbungen im Bereich der Gehörknöchelchenkette) stellt das implantierbare Hörsystem zudem die einzige Behandlung dar, die das Hören wieder möglich macht. Die Bedienung und Einstellung des Gerätes erfolgt von außen über eine Funkstation. Die mit implantierte Batterie des Gerätes muss bei normaler Nutzungsdauer täglich über eine auf die Kopfhaut gebrachte Spule für etwa eine Stunde aufgeladen werden.

Neben den vollständig implantierten kommen auch halb implantierbare Systeme zum Einsatz, bei denen nur der Prozessor und der Schallüberträger unter der Haut sitzen, während Mikrofon und Batterie im Bereich des äußeren Ohres platziert werden. Die Vorteile liegen darin, dass der Schall von dem im Gehörgang sitzenden Mikrofon naturnäher empfangen werden kann, und in der geringeren Größe des zu implantierenden Anteils.

Beiden Typen ist gemeinsam, dass sie mit feinster Vibrationstechnik den Schall von außen auf die Gehörknöchelchen Hammer und Amboss übertragen – also ähnlich dem natürlichen Prinzip arbeiten. Der Arzt befestigt während der meist dreistündigen Operation den Vibrationsüberträger am Schädelknochen sowie in einer winzigen Laserbohrung im Amboss. Sollten Hammer und Amboss fehlen oder durch Krankheit zerstört sein, bieten sich für diese Methode weitere Reste des Mittelohres an, die zum Schwingen gebracht werden können, um Schall auf das Innenohr zu übertragen. Dazu zählen etwa der Steigbügel oder das so genannte runde Fenster – auch dies ist ein entscheidender Vorteil der implantierbaren Hörgeräte. Schon während der Operation wird die Funktion des Implantats mehrfach getestet. Rund acht Wochen nach der Operation werden die Geräte eingeschaltet und vom Audiologen dem Patienten angepasst.

Fazit

Die direkte Übertragung von Schall auf die Gehörknöchelchen des Mittelohres bietet eine bessere Verstärkung als konventionelle Hörgeräte. Außerdem besteht die Möglichkeit, das Hören auch dann wieder zu erlangen oder zu erhalten, wenn Mittelohr oder Gehörgang durch Missbildung oder Krankheit zu stark verändert sind. Allerdings gilt zunächst abzuklären, welche Therapie die richtige ist. Bei Beginn der Schwerhörigkeit bleibe das konventionelle Hörgerät die erste Wahl, betont Grundmann: Erst, wenn der Patient damit nicht ausreichend hören könne oder der Einsatz eines Hörgeräts aufgrund von Unverträglichkeiten oder Fehlbildungen des Mittelohres nicht möglich sei, sollte geprüft werden, ob ein implantierbares Mittelohrhörsystem sinnvoll ist. In diesen Fällen seien diese Geräte eine wertvolle Ergänzung in der Versorgung hochgradiger Innenohr- und kombinierter Schwerhörigkeiten.

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