| Freitag, 21. November 2008 |
Gesundheitspolitik
47% der Krankheitskosten entstehen im Alter
Im Jahr 2006 entstanden bei der älteren Bevölkerung ab 65 Jahren
Krankheitskosten von rund 111,1 Milliarden Euro. Damit entfielen 47% der
gesamten Krankheitskosten in Deutschland auf ältere Menschen. Das zeigen
die neuesten Ergebnisse der Krankheitskostenrechnung, einem Rechensystem
des Statistischen Bundesamtes, das die ökonomischen Konsequenzen von
Krankheiten für die deutsche Volkswirtschaft abschätzt.
Über alle Altersgruppen hinweg summierten sich die Krankheitskosten im
Jahr 2006 auf einen Betrag von rund 236,0 Milliarden Euro. Dazu zählen -
bis auf die Investitionen im Gesundheitswesen - sämtliche
Gesundheitsausgaben, die unmittelbar mit einer medizinischen
Heilbehandlung, einer Präventions-, Rehabilitations- oder Pflegemaßnahme
verbunden waren. Die Krankheitskostenrechnung zeigt, wie sich der
krankheitsbedingte Ressourcenverbrauch auf Krankheiten und die
Bevölkerung nach Alter und Geschlecht verteilt. Danach wurde im Jahr
2006 mit rund 60,1 Milliarden Euro über die Hälfte der Krankheitskosten
älterer Menschen durch nur vier Krankheitsgruppen verursacht: Die
höchsten Kosten von 24,6 Milliarden Euro waren im Alter auf
Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Mit Abstand folgten im
Anschluss: Muskel-Skelett-Erkrankungen (13,1 Milliarden Euro),
psychische und Verhaltensstörungen (12,7 Milliarden Euro) sowie
Krankheiten des Verdauungssystems (9,8 Milliarden Euro).
Ausgeprägt war bei älteren Menschen auch der Anstieg der
Krankheitskosten im Zeitverlauf: Von 2002, dem ersten Berichtsjahr der
zweijährlich durchgeführten Statistik, bis zum Jahr 2006 nahmen die
Krankheitskosten der 65-Jährigen und Älteren um 16,5 Milliarden Euro zu.
Zum Vergleich: Insgesamt stiegen die Krankheitskosten in diesem Zeitraum
um 17,2 Milliarden Euro. Da gleichzeitig auch die Zahl älterer Menschen
in Deutschland zugenommen hat, fällt die Entwicklung der
Pro-Kopf-Krankheitskosten moderater aus: Gegenüber 2002 stiegen die
durchschnittlichen Pro-Kopf-Kosten im Alter von 65 Jahren und mehr um
4,0% auf 6 910 Euro (+ 270 Euro). In der Altersgruppe bis 65 Jahre
erhöhten sie sich im Vergleich dazu um 3,5% auf 1 880 Euro (+ 60 Euro).
Für die hohen Krankheitskosten im Alter werden von Fachleuten
verschiedene Gründe angeführt, wie zum Beispiel das verstärkte Auftreten
von Mehrfacherkrankungen (Multimorbiditäten), Pflegebedürftigkeit und
die intensivere Inanspruchnahme medizinischer und pharmazeutischer
Angebote. Verschiedene Studien weisen zudem darauf hin, dass ein
Großteil des Ressourcenverbrauchs im letzten Lebensjahr anfällt,
unabhängig vom Lebensalter. Die hohen Krankheitskosten älterer Menschen
lassen sich entsprechend durch die mit dem Alter steigenden Sterberaten
erklären.
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