| Freitag, 21. November 2008 |
Gesundheitspolitik
Honorarverhandlungen: Mehr Geld für die ambulante Versorgung Die KBV und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) haben in den Honorarverhandlungen eine Einigung erzielt. Demnach stellen die Krankenkassen im kommenden Jahr mindestens 2,5 Milliarden Euro zusätzlich für die ambulante Versorgung zur Verfügung.
Nach aktuellen Berechnungen der KBV sind es sogar bis zu 2,7 Milliarden mehr. „Das ist heute ein wichtiger Schritt gewesen, um die flächendeckende und qualitativ hochwertige ambulante Versorgung für die Patienten auf Dauer zu sichern. Zugleich ist eine der wichtigsten Hürden hin zu einer leistungsgerechten Vergütung in Euro und Cent nach 20 Jahren des Einfrierens ärztlicher Honorare genommen. Kopfpauschalen und Honorarbudgets sind nach zwei Jahrzehnten abgeschafft“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende, Dr. Andreas Köhler, nach den Verhandlungen. Neben der Honorarsteigerung sieht das Ergebnis vor, dass die Gesamtvergütung sich künftig nicht mehr an der Grundlohnsumme orientiert, sondern an der Morbidität der Versicherten. Dies sei „gerechter und transparenter“, so Köhler. Zudem kann die Trennung der haus- und fachärztlichen Vergütung beibehalten werden. „Zugleich werden die Ärzte und Psychotherapeuten in den alten Bundesländern keine Honorarverluste erleiden. Für die neuen Bundesländer ergibt sich eine Angleichung der gezahlten Vergütung je Versicherten auf durchschnittlich 94 Prozent des Westniveaus. Dies ist ein erster richtiger Schritt, kann aber nicht der letzte sein“, betonte der KBV-Chef.
Lob für das Verhandlungsergebnis kam von Seiten der Politik. „Mit dem von der Selbstverwaltung erzielten Ergebnis kommt die Gesundheitsreform der Bundesregierung ein weiteres großes Stück voran. Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte erhalten nun ein kalkulierbares, gerechteres und auch transparentes Honorarsystem“, sagte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Ihr Staatssekretär Rolf Schwanitz (SPD) sagte: „Die Erhöhung der Ärztehonorare in den neuen Ländern ist sehr wichtig, um die Versorgung – gerade im ländlichen Raum – zu sichern. Es wird künftig einfacher sein, entstehende Versorgungslücken zu schließen“.
Kritik an dem Ergebnis kam von Seiten des Deutschen Hausärzteverbandes, der von „keinem wirklichen Erfolg für die hausärztliche Vergütung“ sprach. Dem widersprach Dr. Carl-Heinz Müller, Vorstand der KBV: „Von einem druckvollen Einsatz des Deutschen Hausärzteverbandes hat der KBV-Vorstand während der schwierigen Verhandlungen der vergangenen Wochen rein gar nichts gespürt. Das insgesamt gute Ergebnis der Honorarverhandlungen ist auch vor allem deshalb entstanden, weil KBV und Kassenärztliche Vereinigungen für alle niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten stehen. Diese Gemeinsamkeit hat uns stark gemacht. Das ist ein klarer Vorteil des kollektivvertraglichen Systems. Nur so war es möglich, die Honorarerhöhung um fast 2,7 Milliarden Euro mit einem Schlag durchzusetzen.“
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