| Freitag, 21. November 2008 |
Management
Internet-Telefonie verliert Anhänger
Während in deutschen Privathaushalten Voice over IP (VoIP), analoge und
ISDN-Anschlüsse weiter auf dem Vormarsch sind, gerät der Boom bei
Unternehmen ins Stocken. 40 Prozent der Betriebe planen in diesem Jahr
keine Einführung von Internet-Telefonie mehr.
Die Zahl der
VoIP-Skeptiker ist damit seit 2006 schleichend um rund 18 Prozent
gestiegen. Der Anteil der Firmen, die bereits über das Internet
telefonieren, stieg dagegen im selben Zeitraum gerade einmal um 0,6
Prozent auf 33,5 Prozent. Vor allem die mit dem Umstieg verbundenen
Investitionen und Sicherheitsbedenken sorgen für die Zurückhaltung. Zu
diesem Ergebnis kommt die Studie „IT-Security 2008“ der
InformationWeek, die zusammen mit Steria Mummert Consulting ausgewertet
wurde.
Bislang zählten für die Unternehmen vor allem die in Aussicht
gestellten Vorteile des Telefonierens über das Internet: Es wurde damit
gerechnet, dass Aufwand und Kosten erheblich sinken, wenn Firmen
interne Telefon- und Datennetze zusammenlegen. Allerdings entstehen
nach der Umstellung auf die Internet-Telefonie neue Kosten, die in der
ersten Euphorie von vielen Unternehmen übersehen wurden. Dazu zählt
beispielsweise der Schulungsaufwand für das Personal in den
IT-Abteilungen oder die Anpassung der Netzlast. Darüber hinaus spielte
das Thema Sicherheit in den Planungen nur eine untergeordnete Rolle.
Trotz eines ähnlichen Bedrohungsszenarios schätzten Unternehmen die
Risiken von VoIP deutlich geringer ein als beim klassischen
Datenverkehr. Dabei hat sich die Zahl der VoIP-Risiken gegenüber dem
Vorjahr mehr als verdoppelt. Für 2008 gehen Sicherheitsexperten von
einer weiteren Zunahme um bis zu 50 Prozent aus. Diese Entwicklung
lässt viele Unternehmen nun vorsichtiger werden. IT-Verantwortliche
prüfen genauer, ob die angestrebten Kostenvorteile die nötigen
Investitionen in zusätzliche Sicherheitssysteme übertreffen.
Die steigende Zahl von Angriffen auf VoIP-Netze fordert von den
IT-Abteilungen, das Unternehmensnetz ganzheitlich abzusichern. Denn mit
der Übertragung über das Internet sind die Telefonnetze nicht nur den
Sicherheitsrisiken der Datennetze ausgesetzt. Gleichzeitig steigt das
Risiko, dass Hacker sich auf diesem Wege Zugriff auf sensible
Firmendaten verschaffen. Insbesondere die in Unternehmen eingesetzten
Firewalls müssen VoIP unterstützen, um Sicherheitslücken im Telefonnetz
zu schließen. Zudem erleichtern IP-Netze die für das Telefon typischen
Gefahren wie Abhören oder das kostenlose Mitbenutzen der Leitungen.
Deshalb werden beispielsweise Verschlüsselungstechniken eine stärkere
Rolle bei der Sprachübertragung spielen.
Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen dürfen allerdings nicht zu Lasten der
Netzqualität gehen. Die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der
Sprachkommunikation ist in Unternehmen unverzichtbar. Der Ausfall der
Telefonanlage kann gravierende Folgen für die Geschäftsprozesse haben.
Kaum ein Betrieb kann es sich leisten, auch nur eine Stunde telefonisch
nicht erreichbar zu sein. Um die Verfügbarkeit der VoIP-Netze zu
erhöhen, trennen IT-Abteilungen inzwischen das klassische IP-Datennetz
vom Telefonnetz. Damit begrenzen sie zum einen das Risiko eines
Angriffes durch Hacker. Gleichzeitig vermeiden sie, dass infolge einer
Serverüberlastung Gespräche abreißen. Dieses Vorgehen geht allerdings
zu Lasten der Kostenersparnisse durch VoIP. Denn eine Netztrennung
bringt zusätzliche Investitionen in neue Infrastruktur mit sich.
Wichtigste Herausforderung für Unternehmen ist somit, sichere Daten-
und VoIP-Netze ohne Qualitätseinbußen zu gewährleisten.
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