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Mit Musiktherapie mehr Lebensqualität für Pflegebedürftige im Kölner St. Josefsheim

musi.jpgKlänge und Musik beeinflussen unser Leben. Das gilt auch für pflegebedürftige Menschen mit Demenz- oder Alzheimer-Erkrankungen, die sprachlich nicht mehr in der Lage sind, sich zu äußern. Musik ist eine Sprache ohne Worte. Sie ist emotionalisierend und fördert die Erinnerung. Sie kann aktivierend oder entspannend wirken und die Lebensqualität verbessern. Oft kann sie sogar helfen, ohne Sprache Zugang zu einem Demenz-Erkrankten zu finden, wenn andere therapeutische Mittel ausgeschöpft sind. Dies sind die Erfahrungen mit der Musiktherapie, von denen Ute Schumacher, Leiterin des Kölner St. Josefsheims in Köln Weiden, berichtet. Im Pflege- und Altenheim an der Aachener Straße wurde Anfang 2008 mit großem Erfolg die Musiktherapie zur Förderung von dementen und bettlägerigen Bewohnern eingeführt, nachdem allein krankentherapeutische Sitzungen für die gleiche Bewohnergruppe nicht zu den gewünschten therapeutischen Ergebnissen führten.


Die musikalische Therapie wird von dem bekannten Musikerpaar Udo Kamjunke und Pipi Turner, die selbst früher als Heimleiterin tätig war, durchgeführt. Die beiden studierten Konzertmusiker betreuen regelmäßig acht bettlägerige Senioren. Mit verschiedenen Instrumenten wie Harfe, Flamenco-Gitarre, Flöte sowie Gesang sprechen die beiden Musiker bettlägerige Senioren an. Intuition und viel Einfühlungsvermögen ist gefragt, welche Musikrichtungen - ob Volkslieder, klassische Stücke wie die Moldau, meditative Sounds oder Flamenco - gefallen. Gemeinsam ist all diesen Menschen im St. Josefsheim, dass sie in einer Welt leben, zu der Pfleger und Angehörige immer seltener Zugang finden. „Mit Hilfe unserer Musik ist jedoch oft eine Kontaktaufnahme oder gar Kommunikation ohne Worte möglich“, sagt Udo Kamjunke. Das zeige sich bei den Bewohnern in Äußerungen des Wohlbefindens, der Entspannung, der Freude, einer nachlassenden Apathie bis hin zu dem wachen Verfolgen der musikalischen Darbietungen, manchmal sogar in einem Mitsummen. Denn die Melodien oder die Texte alter Lieder aus der Kindheit blieben präsent - egal, wie ausgeprägt die Demenz ist. Das Langzeitgedächtnis funktioniert bei dementen älteren Menschen lange. „Manchmal ist sogar ein kleines ‚Gespräch’ möglich“ erzählt Pipi Turner. „Wenn wir bei einer Seniorin am Bett bei einer bekannten Volksweise absichtlich ein falsches Wort singen wie‚Fuchs, Du hast den Fisch gestohlen’, protestiert sie lautstark“. Deshalb eigne sich Musik besonders für demente Patienten, meint Ute Schumacher. Musik sei eng mit Emotionen und Erlebnissen verbunden. Sie kann viele Demenzkranke besser erreichen als die Sprache, manchmal sogar besser als physiotherapeutische Interventionen wie Massagen, Bäder oder Berührungen, die von einigen Bewohnern als unangenehm empfunden werden. „Die regelmäßige Musiktherapie hat sich bei uns im St. Josefsheim als ein ideales Zugangsmedium zur Lebenswelt der Demenzkranken erwiesen und sorgt für zwischenmenschliche Interaktion“, sagt die Heimleiterin. „Auch wenn nicht alle klinischen Studien den letzten Beweis liefern, waren unsere Evaluationen durchweg positiv“. Die Arbeit der Musiktherapeuten wird wöchentlich dokumentiert und regelmäßig auf ihre Effektivität hin überprüft.


Demenz ist eine unheilbare Erkrankung, die stets fortschreitend verläuft. Während die kognitiven Funktionen nach und nach erlöschen, bleibt die Bereitschaft, über Empfindungen und Sinneswahrnehmungen zu reagieren, noch lange erhalten. Musiktherapie kann hier ein emotionales Unterstützungsangebot darstellen, das dem Patienten Verbindungen zu sich selbst und zur sozialen Umwelt ermöglicht. Trotz solcher Erfolge ist angesichts der Finanzlage im Gesundheitssystem die Musiktherapie weit davon entfernt, zu einer Regelleistung zu werden. Im St. Josefsheim übernimmt der Förderverein die Kosten für die Therapie. Ehrenamtlich bietet Udo Kamjunke einen wöchentlichen Liederkreis für die aktiveren Heimbewohner an. Jeden Freitag freuen sich die Senioren auf den Singkreis mit Gitarrenbegleitung. Dann erwartet sie Abwechslung zum kreativen Mitmachen und Mitsingen.


In Bayern wird bereits ein ähnlich geartetes Musiktherapieprojekt vom Bayerischen Sozialministerium und der Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände gefördert.


Weitere Informationen: St. Josefsheim, Ute Schumacher, Aachener Str. 1312, 50859 Köln, Tel.:02234/7010-0 www.sankt-josefsheim.de und www.sitar.tv (Pipi Turner und Udo Kamjunke)

 


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