Dies wiederum machte es
möglich, den molekularen Aufbau dieses Komplexes - und damit die
Wirkungsweise des Reparaturenzyms - mit Hilfe der
Röntgenstrukturanalyse aufzuklären. Die beiden Forscher sind Mitglieder
der Forschergruppe "Biohybridmaterialien" der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG). Ihre im US-amerikanischen
Wissenschaftsjournal Science veröffentlichte Arbeit trägt den Titel
"Crystal Structure of a Photolyase Bound to a CPD-Like DNA Lesion After
in Situ Repair" (Science 2004 Dec 3;306(5702):1789-93).
Essen und Carell waren der Frage nachgegangen, welchen Weg die von den
Reparaturenzymen - so genannten Photolyasen - aufgenommene Lichtenergie
nimmt, um schließlich den DNA-Schaden zu reparieren. Erstmals konnten
sie im Rahmen ihrer Untersuchungen beobachten, dass der Schaden
vollständig in das aktive Zentrum des Enzyms "klappt". Das
energiereiche Elektron, das durch den Lichteinfall im Enzym erzeugt
wird und den Schaden repariert, muss deshalb nur einen sehr kurzen Weg
zu seinem Wirkungsort zurücklegen: So kann jedes aufgenommene
Lichtquant zur DNA-Reparatur ausgenutzt werden.
CPD-Schäden durch Sonnenlicht
Der ultraviolette Strahlungsanteil aus dem Sonnenlicht, besonders der
noch die stratosphärische Ozonschicht passierende Rest des besonders
energiereichen UV-B-Lichts, schädigt die Erbsubstanz, indem er
photochemische Reaktionen zwischen den Basen der DNA auslöst. Drei
Viertel dieser Schäden vom so genannten CPD-Typ (CPD:
Cyclobutan-Pyrimidin-Dimere) entstehen, weil zwei benachbarte
Thyminbasen eine Verbindung eingehen.
Obwohl dadurch die Struktur der
DNA zunächst nur geringfügig gestört wird, wirken sich CPD-Schäden sehr
stark auf die Zelle aus, da die biochemischen Reaktionen zur Erhaltung
und Vermehrung der Erbsubstanz an den Schädigungsstellen unvermittelt
zum Halt gelangen oder zumindest Mutationen hervorrufen. Bekanntestes
Beispiel für eine menschliche Erkrankung ist die oft tödlich
verlaufende Erbkrankheit Xeroderma pigmentosa ("Mondkinder"). Bei ihr
führt der Ausfall entsprechender Reparaturenzyme schon bei
geringfügigsten Einwirkungen von Sonnenlicht zu schwersten
Hautschädigungen.
Die Reparatur der CPD-Schäden durch körpereigene Mechanismen wird
chemisch dadurch erschwert, dass die bei der Verknüpfung der
Thyminbasen ausgebildeten Cyclobutanringe nur schwer zu "knacken" sind.
Photolyasen gelingt es jedoch, die CPD-Schäden wieder zu beheben. Sie
nehmen ein blaues Lichtteilchen auf - mit Hilfe von "Lichtantennen",
kleinen Farbstoffmolekülen vom Deazaflavin-Typ-, dessen Energie dann
auf ein Elektron eines weiteren kleinen Moleküls, diesmal vom
Flavintyp, übergeht. Dem angeregten Elektron schließlich gelingt es,
die reaktionsträgen Cyclobutanringe zu aktivieren und letztlich zu
"knacken", die Verbindung der Thyminbasen wird wieder aufgebrochen.
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