| Montag, 08. September 2008 |
Eine Toilette zu benützen ist für viele
körperlich beeinträchtigte Menschen mit erheblichen Schwierigkeiten
verbunden. Die Abhängigkeit von anderen Menschen schränkt die
Selbstständigkeit ein und beeinträchtigt die Lebensqualität.
Eine an der Technischen Universität Wien entwickelte "Toilette mit Hirn", die bereits den Praxistext im Multiple Sklerose Zentrum in der Caritas Socialis in Wien erfolgreich bestanden hat, bringt ein Mehr an Selbstständigkeit, Selbstwertgefühl und Würde in das Leben körperlich beeinträchtiger Menschen. Die "Toilette mit Hirn" wurde gestern bei einem Pressegespräch der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Forschungsgruppe der Rehabilitationstechnik (fortec) an der
Technischen Universität (TU) Wien entwickelte gemeinsam mit neun
anderen europäischen Partnern, potenziellen BenützerInnen und den
PflegeexpertInnen der Caritas Socialis (Jänner 2002 bis März 2005) eine
neuartige "intelligente" Toilette - Friendly Rest Room (FRR) - die sich
automatisch an die individuellen Bedürfnisse der Benutzer anpassen
kann. Die EU hat dieses Forschungsprojekt mit 2,1 Millionen Euro (bei
einer Gesamtprojektsumme von knapp 2,9 Millionen Euro) im 5.
Rahmenprogramm teilgefördert.
Neben universitären Partnern wie der TU Delft, der TU Wien, der
Universitäten in Lund, Athen und Dundee sind auch die Firmen Clean
Solution Kft, Debrecen und Landmark Design for Public, Rotterdam und
vor allem Anwendervertreter wie EURAG - Bund der älteren Generation
Europas, Graz, Siva (Italien) und Hagg (Griechenland) im EU-Konsortium
vertreten.
Computerchip stellt "Toilettenposition" für BenützerIn ein
Soll eine Toilette wirklich "intelligent" sein, dann reicht ihre
Flexibilität nicht nur von der Höhenverstellbarkeit der WC-Muschel bis
hin zur Unterstützung beim "Transfer" vom Rollstuhl auf den WC-Sitz.
Bei einer "Toilette mit Hirn" passt sich jede ihrer einzelnen
Komponenten an die unterschiedlichsten Bedürfnisse körperlich
beeinträchtiger Menschen an. Große Erleichterung können "intelligente"
Toiletten bei jedem Grad der Behinderung bringen, bei einem
verstauchten Fuß ebenso wie bei einer vollständigen Lähmung.
Paul Panek von fortec an der TU Wien skizziert die vom EU-Konsortium
entwickelte Vision des Friendly Rest Rooms folgendermaßen: "Ziel ist
es, dass halböffentliche Räume wie Krankenhäuser, Behörden, Museen,
Flughäfen etc. mit intelligenten Toiletten ausgestattet werden. Über
die EU-weit in diesem Projekt bereits angedachte Vernetzung und
Speicherung der Benutzereinstellungen der Toilette, kann sich ein
körperlich beeinträchtigter Mensch in jeder Behörde, in jedem Museum
etc. durch das Öffnen der Toilettenanlage selbstständig und ohne
Unterstützung bewegen." Das bedeutet ein Mehr an Lebensraum für
Menschen mit körperlichen Einschränkungen und steigert deren
Lebensqualität.
"Man muss sich das so vorstellen: Sie öffnen mit einer Smartcard
berührungslos die Türe und schon beim Betreten der Toilette stellt sich
diese automatisch auf die für ihre Person als optimal erachtete Höhe
ein, schwenken - falls benötigt - Griffe und Haltestangen hervor,
unterstützen Toilettensitz und flexibel steuerbare Haltestangen
gebrechliche ältere Personen sowohl beim Niedersetzen als auch beim
Aufstehen, beim Transfer vom Rollstuhl auf die Toilette und zurück.
Nach dem Verlassen der Toilette sorgt ein vollautomatisches
Reinigungssystem für optimale Hygiene, und die vielen nützlichen
Hilfssysteme der intelligenten Toilette fahren wieder in einen
unauffälligen Ruhezustand, in dem sie wie eine 'normale' Toilette
aussieht", erklärt Paul Panek von fortec.
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