Montag, 08. September 2008
 

Toilette mit Hirn bewährte sich im Praxistext

23.05.2005 Quelle: Technische Universität Wien   

Foto: Caritas SocialisEine Toilette zu benützen ist für viele körperlich beeinträchtigte Menschen mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Die Abhängigkeit von anderen Menschen schränkt die Selbstständigkeit ein und beeinträchtigt die Lebensqualität.

Eine an der Technischen Universität Wien entwickelte "Toilette mit Hirn", die bereits den Praxistext im Multiple Sklerose Zentrum in der Caritas Socialis in Wien erfolgreich bestanden hat, bringt ein Mehr an Selbstständigkeit, Selbstwertgefühl und Würde in das Leben körperlich beeinträchtiger Menschen. Die "Toilette mit Hirn" wurde gestern bei einem Pressegespräch der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Forschungsgruppe der Rehabilitationstechnik (fortec) an der Technischen Universität (TU) Wien entwickelte gemeinsam mit neun anderen europäischen Partnern, potenziellen BenützerInnen und den PflegeexpertInnen der Caritas Socialis (Jänner 2002 bis März 2005) eine neuartige "intelligente" Toilette - Friendly Rest Room (FRR) - die sich automatisch an die individuellen Bedürfnisse der Benutzer anpassen kann. Die EU hat dieses Forschungsprojekt mit 2,1 Millionen Euro (bei einer Gesamtprojektsumme von knapp 2,9 Millionen Euro) im 5. Rahmenprogramm teilgefördert.

 

Neben universitären Partnern wie der TU Delft, der TU Wien, der Universitäten in Lund, Athen und Dundee sind auch die Firmen Clean Solution Kft, Debrecen und Landmark Design for Public, Rotterdam und vor allem Anwendervertreter wie EURAG - Bund der älteren Generation Europas, Graz, Siva (Italien) und Hagg (Griechenland) im EU-Konsortium vertreten.

Computerchip stellt "Toilettenposition" für BenützerIn ein

Soll eine Toilette wirklich "intelligent" sein, dann reicht ihre Flexibilität nicht nur von der Höhenverstellbarkeit der WC-Muschel bis hin zur Unterstützung beim "Transfer" vom Rollstuhl auf den WC-Sitz. Bei einer "Toilette mit Hirn" passt sich jede ihrer einzelnen Komponenten an die unterschiedlichsten Bedürfnisse körperlich beeinträchtiger Menschen an. Große Erleichterung können "intelligente" Toiletten bei jedem Grad der Behinderung bringen, bei einem verstauchten Fuß ebenso wie bei einer vollständigen Lähmung.

Paul Panek von fortec an der TU Wien skizziert die vom EU-Konsortium entwickelte Vision des Friendly Rest Rooms folgendermaßen: "Ziel ist es, dass halböffentliche Räume wie Krankenhäuser, Behörden, Museen, Flughäfen etc. mit intelligenten Toiletten ausgestattet werden. Über die EU-weit in diesem Projekt bereits angedachte Vernetzung und Speicherung der Benutzereinstellungen der Toilette, kann sich ein körperlich beeinträchtigter Mensch in jeder Behörde, in jedem Museum etc. durch das Öffnen der Toilettenanlage selbstständig und ohne Unterstützung bewegen." Das bedeutet ein Mehr an Lebensraum für Menschen mit körperlichen Einschränkungen und steigert deren Lebensqualität.

"Man muss sich das so vorstellen: Sie öffnen mit einer Smartcard berührungslos die Türe und schon beim Betreten der Toilette stellt sich diese automatisch auf die für ihre Person als optimal erachtete Höhe ein, schwenken - falls benötigt - Griffe und Haltestangen hervor, unterstützen Toilettensitz und flexibel steuerbare Haltestangen gebrechliche ältere Personen sowohl beim Niedersetzen als auch beim Aufstehen, beim Transfer vom Rollstuhl auf die Toilette und zurück. Nach dem Verlassen der Toilette sorgt ein vollautomatisches Reinigungssystem für optimale Hygiene, und die vielen nützlichen Hilfssysteme der intelligenten Toilette fahren wieder in einen unauffälligen Ruhezustand, in dem sie wie eine 'normale' Toilette aussieht", erklärt Paul Panek von fortec.


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